Kultur | 19.03.2012

In einer Nacht von Zeus bis in die Zukunft

Manche in grellem Grün, viele in kräftigem Violett, andere in verhaltenem Blau. Von Museum zu Institution lockten am Freitag bunte Beleuchtungen die Gäste der zehnten Berner Museumsnacht. Die Reise führte in illustre Säle, aber auch in den Untergrund.
Ein Pianist im Hotel Bellevue sorgte mit ruhigen Klängen für eine entspannte Atmosphäre.
Bild: Rade Jevdenic Vergnügliches Städtebauen aus Sand im Kornhausforum, wo soeben die Architekturausstellung "Wohn(T)Räume in der Stadt Bern" zu Ende gegangen ist. Für gewöhnlich tagt der Nationalrat in diesem Saal des Bundeshauses. Durch die Sitzungszimmer von Legislative und Exekutive führte ein Rundgang die Nachtschwärmer.

Seit vergangenem Freitag ist das Wasserspiel am Bundesplatz wieder in Betrieb und durfte so einmal mehr als Opener der Berner Museumsnacht dienen. Zum nunmehr zehnten Mal fand in der Stadt diese Veranstaltung statt, die sich aus dem Berner Eventkalender nicht mehr wegdenken lässt. Die Museumsnacht verzeichnete zugleich einen neuen Besucherrekord. Rund 135’000 Menschen drängten sich durch die Gassen, von einem Ausstellungsort zum nächsten.

 

Etwas Süsses auf den Weg

Als direkte Folge des Andrangs blieb dann auch das Anstehen nicht aus. Vor dem Hotel Bellevue musste man am frühen Abend eine halbe Stunde warten. Unter dem Motto “L’Art de la table” wurden aufwändig dekorierte Gerichte, darunter bunte Dessertkreationen gezeigt und den Besuchern das eine oder andere Häppchen auf dem Weg mitgegeben. Doch auch die anderen Stationen gaben sich reichlich Mühe, mit Restaurants und Bistros die Verpflegung der vielen Nachtschwärmenden sicherzustellen.

 

Noch mehr Geduld mussten die Wartenden bei der Tropfsteinhöhle unterhalb der Nydeggbrücke aufbringen. Dort dauerte das Anstehen bis zu einer geschlagenen Stunde. Das grosse Interesse erklärt sich primär dadurch, dass diese schmale, aber eindrückliche Höhle, unweit des Rosengartens gelegen, nur für bestimmte Anlässe wie private Veranstaltungen, Filmvorführungen oder eben die Museumsnacht ihre Tore öffnet. Die Laune der Besucher trübte das Rumstehen aber nicht, allgemein war die Stimmung auf Berns Strassen ausgelassen und locker. Ein weiteres Magnet waren die Oldtimer, welche die Besucherinnen und Besucher durch die Altstadt kutschierten.

 

Doktorarbeiten statt Wein

Für reichlich Gesprächsstoff sorgten in dieser Nacht die Aareschnuppen, welche bereits im Vorfeld gross als Geschenk der Museumsnacht an die Stadt Bern angekündigt worden waren. Wer jedoch nach dem grossen Rummel um die Lampeninstallation eine brillante Lichtshow unter Wasser erwartet hatte, wurde enttäuscht. Im Abstand von wenigen Minuten blinkte lediglich mal hier, mal da in der Aare ein helles Lichtlein auf und verschwand nach wenigen Sekunden wieder. Ob man deswegen nun einen Wunsch frei hatte, bleibt Meinungssache. Klar ist, dass die Schnuppen als neue Sehenswürdigkeit der Altstadt Touristen anlocken sollen.

 

Eine besondere Reise durch unterirdischen Gänge und Räumlichkeiten bot dieses Jahr die Zentralbibliothek der Uni Bern an. Unter dem Gebäude versteckt sich eine Zivilschutzanlage, die im Notfall 500 Menschen beherbergen könnte. Auch im ehemaligen Weinkeller der Bibliothek an der Münstergasse gibt es was zu entdecken: Heute werden dort Tausende an Dissertationen der Uni Bern gelagert. In massiven verschiebbaren Regalen reiht sich meterweise Papier aneinander.

 

Fenster zu Bern

Zu einem Konzert der besonderen Art lud um Mitternacht die Antikensammlung der Uni Bern. Der Basler Rapper Black Tiger trug in Dialekt Geschichten aus Homers “Ilias” vor. Mit seinen Eigeninterpretationen sorgte Urs Baur, wie er mit richtigem Namen heisst, für einige Lacher. Zum Beispiel erklärte er die unzähligen Liebesgeschichten des griechischen Gottesvaters Zeus folgendermassen: “Ja sagen wir-˜s mal so, er mochte Menschen.”

 

Zum Abschluss der Nacht lohnte sich ein Ausflug in das Bundeshaus. Schlangen bildeten sich mittlerweile kaum mehr, sodass man sich bald im Innern der Regierungsräumlichkeiten befand. Während der Führung konnte man ganz ungeniert auch mal in den Sälen des Parlaments Platz nehmen. Auch das Sitzungszimmer des Bundesrats war zugänglich. Auf den ersten Blick mag man ein wenig enttäuscht sein vom rustikalen Raum mit der schlichten hölzernen Einrichtung, aber etwas muss man ihm lassen: Durch die Fensterwand sieht man über die gesamte Stadt. Und dieser Anblick war zumindest vergangen Freitag sehr bunt.