Gesellschaft | 13.03.2012

Impressionen vom 82. Internationalen Auto-Salon in Genf

Text von Julian Stiefel | Bilder von Julian Stiefel
Ein Donnern von Motoren hallt durch den Raum. Das wirre Blitzen von Scheinwerfern lässt die Spannung steigen. Beim Einblenden des Countdowns wird die Aufmerksamkeit der ganzen Halle gewonnen. Respekteinflössend erhallt eine tiefe und deutliche Männerstimme in Überlautstärke: "Ladies and Gentleman, please welcome Mr. Sergio Marchionne, CEO of Fiat Group". Applaus.
Cabrio-Feeling im Lamborghini Aventador J. Susan Docherty, General Motors Western Region General Manager, hält die Auszeichnung für den "Car of the Year 2012". Der neue "VW Beetle" veredelt von ABT. Citroëns DS-Reihe wurde um den DS5 erweitert. Der Camaro von Chevrolet -“ immer noch eine Stilikone. Ein gewisser Lifestyle gehört dazu. Zieht die Aufmerksamkeit immer auf sich: Sergio Marchionne, CEO der Fiat Group.
Bild: Julian Stiefel

Am 82. Internationalen Auto-Salon in Genf geht es um mehr als nur Transportmittel. Mode, Lifestyle und Unterhaltung zählen ebenso zu den Merkmalen der alljährlichen Messe. Als einzige europäische Autoausstellung im Frühjahr hat der Auto-Salon eine übergeordnete weltweite Wichtigkeit. Welt- und Europa-Premieren können hier zum ersten Mal in der Realität bestaunt werden. Ein frischer Frühlingswind in der Automobilindustrie.

 

Doch was wären Maschinen ohne die Menschen, welche zur Entwicklung beigetragen haben. Zu Gast sind nicht nur bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Unterhaltungsbranche und Sport, sondern auch sämtliche Unternehmensvorstände. Es gilt sich hier vor mehreren hunderttausend Journalisten und Besuchern von der besten Seite zu zeigen. Pressekonferenzen übertreffen sich in Kreativität und Lautstärke.

 

Unterwegs mit Facebook, Twitter & Co.

Ein deutlicher Einfluss der digitalen Medien hat sich im Jahr 2012 auch auf die Automobilindustrie ausgebreitet. Vernetzt sein ist alles. Wie einfach das Leben sein kann, will etwa Chevrolet mit einer Tanzeinlage mitten in der Pressekonferenz darstellen. Facebook und Twitter im Auto ist längst keine Zukunftsvision mehr, sondern bereits Realität. Zwei im Grunde verschiedene technische Welten treffen hier aufeinander. Eine reibungslose Kommunikation zwischen Auto, Mensch und Umwelt wird zum Ziel gesetzt.

 

Der Umwelt zuliebe

Während im Jahre 2011 Elektroautos extrem im Mittelpunkt standen, sind sie in diesem Jahr bereits eine Selbstverständlichkeit. Man geht einen Schritt weiter und baut das Sortiment an Kleinstwagen aus. Weiterhin existiert der „Pavillon vert“, an dem die umweltfreundlichen Fahrzeuge und Entwicklungen im Zentrum stehen. Weniger zur Geltung kommen grössere Autos. Skoda stellt zum Beispiel seit Jahren kein Modell ihrer Kombi-Erfolgsreihe Octavia mehr aus.

 

Die Veränderungen liegen unter der Haube

Bei vielen Fahrzeugen hat sich seit letztem Jahr äusserlich kaum etwas geändert, was bei einem regelmässigen Besucher auf Missmut stossen könnte. Die Entwicklungen liegen im Detail. Stärkere Motoren, ausgereiftere Elektronik, umweltfreundlichere Techniken. Nicht jeder Hersteller versucht mit Concept-Cars und extrem teuren Luxusmodellen in Erinnerung zu bleiben. Man will auch den Durchschnittskunden ansprechen. Praktische und bezahlbare Autos scheinen auf grössere Nachfrage zu stossen. Der Auto-Salon ist damit realitätsnah und bleibt seinem Zweck treu.

 

Besondere Ausnahmen gibt es immer. So stellt der Schweizer Hersteller Rinspeed dieses Jahr das Smart-ähnliche Fahrzeug Nimm’3 vor. Das kompakte Elektrogefährt kann je nach Bedarf mit einem Kofferraum oder Verbrennungsmotor gekoppelt werden und verfügt dann über drei Achsen. Der aktuellen Mode getreu fährt man nie alleine, sondern hat seine elektronische Gesprächspartnerin immer dabei.

 

Aber auch wer sich für Edelboliden interessiert, ist in Genf am richtigen Ort. Ferrari stellt seinen Neusten, Schnellsten und Stärksten, den F12berlinetta, vor. Bugatti trumpft wie jedes Jahr mit dem Veyron. Zahlreiche Tuning-Firmen wie ABT oder Brabus stellen ihre neusten Edel-Kreationen vor.

 

Car of the Year Award

Eine Besonderheit ist in diesem Jahr die Verleihung des „Car of the Year“-Awards, welcher zu den ältesten und wichtigsten der Automobilbranche zählt und zum ersten Mal in der Geschichte während des Genfer Autosalons verliehen wurde. Zu den Kandidaten dieses Jahres zählten unter anderem Citroën DS 5, Fiat Panda, Ford Focus, Range Rover Evoque, Opel und Chevrolet mit dem Ampera/Volt und der Up! Von Volkswagen. Alle trumpfen in anderen Kategorien. So verkörpert der Citroën DS5 eine verspielte Version des Kombis C5, der Range Rover Evoque einen Geländewagen und der VW Up! einen Kleinstwagen. Das Rennen hat schliesslich der Opel Ampera/Chevrolet Volt für sich entschieden. Das Elektroauto wurde bereits vor Jahren von General Motors entwickelt. Schwierigkeiten gab es bei den Batterien und mit der Gefahr eines Brandes. Durch Weiterentwicklung konnten die Probleme behoben werden. Der Ampera/Volt bietet als Elektroauto eine erweiterte Reichweite.

 

Die 140 Welt- und Europapremieren können noch bis am 18. März im Palexpo in Genf bestaunt werden. Auf rund 110’000 Quadratkilometer Ausstellungsfläche präsentieren sich die 260 Aussteller aus 30 Ländern. Wegen den mehr als 60’000 täglichen Besuchern wird allerdings eine Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln empfohlen.