Kultur | 06.03.2012

Harmonischer auf Englisch

Die drei jungen Franzosen machen als Band Revolver Pop-Musik. Das Trio mit drei Stimmen, zwei Gitarren und einem Cello ist spannender als schlichter Klassik-Pop für den Fahrstuhl. Gegenüber Tink.ch erklärten sie die drei Herren, warum sie englisch singen und wie sie ihr Publikum verkuppeln wollen.
Wollen das junge Publikum langsam tanzen lassen - Revolver aus Frankreich.
Bild: Martin Sigrist ...wie immer mit unserem Musikredaktor. Olivier Mathieu

In der Deutschschweiz sind Revolver noch ziemlich unbekannt. Jetzt wollen sie auch die Deutschschweiz erobern und machen Werbung für ihr zweites Album, das im März erscheint. Obwohl zwei der Jungs in klassischer Musik ausgebildet sind und sie ihre Musik selbst als Kammer-Pop beschreiben, machen sie nicht einfach den üblichen Klassik-Pop. Tink.ch traf Ambroise Willaume (Gesang, Gitarre, Klavier), Christophe Musset (Gesang, Gitarre) und Jérémie Arcache (Cello, Gitarre) in Zürich und sprach mit ihnen über die französische Sprache, schüchterne Jungs und ihre Anfänge.

 

Wie geht’s euch?

Ambroise Willaume: Uns geht es gut, wir sind sehr aufgeregt, denn unser neues Album erscheint bald. Wir können es kaum erwarten, die neuen Songs vor Leuten zu spielen.

 

Ihr macht viel Promo und sprecht dabei über ein Album, das noch nicht erschienen ist.

Ambroise: Ja, aber das Album ist schon fertig, wir können also darüber sprechen. Das Komische ist aber, dass wir wirklich möchten, dass die Leute es sich anhören können. Das geht aber noch drei Wochen. Ich kann es kaum erwarten.

 

Wie bleibt ihr in dieser Zeit bei Sinnen?

Ambroise: Ach, das sind wir momentan gar nicht so. Wir haben momentan ein ziemlich intensives Leben. Wir schlafen nicht viel, dafür reisen wir sehr viel. Und dabei sprechen und spielen wir auch sehr viel. Bei den Promoauftritten spielen wir immer die gleichen zwei Songs. Heute haben wir sie bereits fünf Mal gespielt. Diese Songs können wir also schon sehr gut.

 

Eure Band scheint sich als einem Zufall heraus gebildet zu haben.

Ambroise: Wir haben nicht erwartet, dass die Chemie zwischen uns so gut ist. Wir kennen uns aber schon länger ganz gut. Ich und Jérémie haben uns mit 6 oder 7 kennen gelernt, Christophe dann, als wir 12 oder 13 waren. Das ist eine lange Freundschaftsgeschichte. Ich habe mit Jérémie angefangen, Songs zu schreiben und Christophe ist dann zur Band gekommen, als wir Teenager waren. Vor sechs Jahren haben wir Revolver gegründet. Das war der Punkt, als wir unseren Sound gefunden haben. Drei Stimmen, zwei Gitarren und ein Cello.

 

Christophe Musset: Das war unser Sound, mit dieser Besetzung. Unser Sound war so, verändert sich aber auf der Bühne sehr stark. Bevor wir unser erstes Album veröffentlicht haben, haben wir aber nie auf der Bühne gespielt. Wir wussten also nicht, was wir zu erwarten hatten, was die Leute sagen würden. Der Sound hat sich mit dem Gang auf die Bühne auch stark verändert. Bis zu unserem zweiten Album waren wir zweieinhalb Jahre auf Tour. Das war sehr intensiv. Dabei haben wir realisiert, dass wir mehr Rhythmus wollen, die Stimmharmonien aber beibehalten möchten. Das sollte dann weniger Folk sein, dafür mehr Groove und elektronische Elemente beinhalten.

 

Auf CD und live habt ihr auch ein Schlagzeug dabei. Warum sind sie nicht Teil eurer Band?

Ambroise: Wir haben seit dem zweiten Album einen Bass und ein Schlagzeug und spielen live auch meistens so. Kleinere Konzerte spielen wir aber lieber akustisch. Das ist direkter. Ohne Mikrophone und ohne Strom brauchen wir Bass und Schlagzeug nicht.

 

Dann habt Ihr zwei Gesichter?

Ambroise: Ja, es ist wie zwei Persönlichkeiten. Eine gute und eine schlechte. Wir haben darüber nachgedacht, für das zweite Album Tanzsongs zu machen, aber eben auch langsame Songs. Wir hatten bei der ersten Tour die Gewohnheit, bei Konzerten langsam zu spielen. Wir wollten die Leute langsam tanzen sehen. Das ist Musik für schüchterne Teenager, auch ein schüchterner Junge kann langsam tanzen, das ist sehr einfach. Wir sehen das als eine gute Möglichkeit für unser Publikum, Mädchen kennen zu lernen und nach dem Konzert eine Freundin zu haben.

 

Christophe: Wir waren vielleicht die letzte Generation, die das macht. Mein kleiner Bruder hat vermutlich noch nie in seinem Leben langsam getanzt. Das ist furchtbar, das sollte man schon mal machen.

 

Die Medien sprechen immer über euren Stil und haben Mühe, ihn zu kategorisieren. Nervt das mittlerweile?

Ambroise: Es ist sehr einfach, wir spielen Pop-Musik. Das ist zwar sehr allgemein, aber es ist mir egal. Die Musik bleibt gleich, egal wie du sie nennst. Ich sehe uns als eine richtige Pop-Band mit richtigen Pop-Songs, nicht Folk oder was anderes.

 

Was ist mit den Franzosen und ihrer Beziehung zur Pop-Musik?

Ambroise: Franzosen mögen diese Musik, sie hören sich oft britische und amerikanische Bands an. Und es gibt mehr und mehr französische Bands, die englisch singen. Als wir angefangen haben, haben wir nie darüber nachgedacht, in welcher Sprache wir schreiben würden. Englisch kam einfach natürlicher als französisch. Wir wollten uns nicht dazu zwingen, auf französisch zu singen. Wir haben viele englische und amerikanische Einfüsse und die Harmonien klingen beim Gesang auf englisch einfach besser. Es ist nicht einfach, auf französisch zu harmonisieren.

 

Viele Leute finden französisch aber viel eleganter.

Ambroise: Ja, elegant für eine Stimme, Französisch ist gewiss eine schöne Sprache zum sprechen, aber eben nicht toll zum singen. Die Sprache ist sehr harsch. Es gibt auch in der klassischen Musik kaum Chormusik auf französisch, nicht mal von den bekannten Komponisten wie Debussy.

 

Zu eurem Bandnamen. Eure Musik klingt nicht nach Revolver, überhaupt nicht aggressiv.

Ambroise: Wir lieben diesen Kontrast. Am Anfang haben wir sehr leise, ruhige und intime Musik gemacht. Revolver war wie ein Witz, also nicht als Witz für unsere Band, Revolver als Bandname war eher als Witz gedacht. Wir wollten mit der Erwartung spielen. Bei uns bekommt man eben nicht Hardrock, wenn man uns hört.

 

Vielleicht ähnlich wie die Beatles – aber ihr seid nur drei.

Ambroise: Ja, wir haben keinen Ringo Starr. Die Beatles haben uns auch nicht so beeinflusst. Es ist nur der Name. Wir sind viel mehr beeinflusst von Elliot Smith oder Neil Young.

 

Wettbewerb


 

Tink.ch verlost dreimal die Single von Revolver, “Wind Song”. Schickt für die Teilnahme eine Mail an martin(punkt)sigrist(ät)tink(punkt)ch mit dem Betreff Revolver. Vergesst Eure Postadresse nicht. Einsendeschluss ist der kommende Sonntag, 11.03.2012.