Kultur | 13.03.2012

Fairy Queen überzeugt mit solider schauspielerischer Leistung

Das Theater St. Gallen feierte die Premiere von Henry Purcells Semioper The Fairy Queen. Das Bühnenbild war eine Pracht fürs Auge, die Schauspieler realitätsnah und überzeugend. Die Kostüme hätten den Charakteren der einzelnen Personen etwas mehr verdeutlichen können.
Bild: Tanja Dorendorf/T+T Fotografie

The Fairy Queen, ein Stück von Henry Purcell mit den Schauspieltexten aus «Ein Sommertraum« von William Shakespeare, erzählt von Liebe, Eifersucht und Freude. Es geht um einen nach der zündenden Idee suchenden Dichter, der von einer plötzlichen Idee mitgerissen wird. Hermina ist in Lysander verliebt. Sie muss aber Demetrius heiraten – auf Wunsch ihres Vaters. Da der Vater die Liebe zwischen Hermina und Lysander nicht zulassen will, flüchtet Hermina mit Lysander in den Wald. Dort treffen zwei Geschichten aufeinander. Eine davon ist jene der Feenkönigin, die mit ihren Elfen und einem indischen Knaben ein Fest feiert und die andere ist die von Lysander und Hermina. Im Laufe des Stückes kommen immer mehr Gestalten zu einer der beiden Geschichten dazu und prägt diese auf seine Weise.

 

Eine Pracht fürs Auge

Der Wald, in welchem das Stück die meiste Zeit spielt hat keine Bäume, sondern wird durch mehreren weisse Tücher mit schwarzen Flecken symbolisiert. Das Weiss des Tuches wird je nach Stimmung oder Tageszeit anders beleuchtet. Dies hat eine gute Wirkung auf die Handlungen im Stück. Damit verleihen die verschiedenen Farben dem Schauspiel eine Untermalung des Geschehens und der Gefühle. Die in einer Szene von der Decke herunterhängenden Kleider geben zum ruhigen, fast etwas beschwörenden Gesang des Rehs ein geheimnisvolles Ambiente. Neben der Kulisse des Waldes ist die von Michael Kraus gestaltete Bühne mit einem riesigen, leicht schrägem Podest ausgestattet, auf dem sich die ganze Handlung abspielt. Das Mittelteil des Podests kann hochgeklappt werden, was je nach Handlungsort entweder ein goldener Spiegel oder ein Gemälde ist. Viele Kostüme sind im Weiss- oder Grauton. Dies machte das Unterscheiden von männlich oder weiblich bei den Elfen schwierig. Beim Dichter oder dem indischen Knaben, der Tarzan ein wenig ähnelt, wurde das Kostüm aber sehr passend gewählt.

 

Streit in Zeitlupe

David Maze spielt den Dichter, welcher am Anfang des Stückes nach einer Idee sucht. Annette Wunsch, die Feenkönigin feiert ein Fest mit ihren tanzenden Elfen feiert und auch die anderen Charakteren, die in diesem Stück eine Rolle haben, überzeugen sehr durch ihr realistisches Schauspiel. In dem von Johannes Schmid inszenierten Stück sind einige schauspielerisch anspruchsvolle und gut wirkende Szenen zu sehen. Ein Streit in Zeitlupe, ein Puck der am Dach des Waldes entlang schwimmt, um die Zauberpflanze zu pflücken, sind einige Szenen, die sehr begeistern. Der Streit gleicht einem Film, den man in Zeitlupe abspielt. Die sich langsam nähernde Faust, die irgendwann auf einen Körper trifft, der dann langsam und lautlos zu Boden fällt ist eindrucksvoll zu beobachten. Der Ehekrach zwischen den zwei Paaren, ist sehr amüsant gestaltet und erinnert an einige ähnliche Situationen im eigenen Leben. Jedoch ist er so aufgeputscht, dass man darüber lachen kann und auch sieht, wie sinnlos Streiten teilweise sein kann.

 

Synchronübersetzung

Unter der Leitung von Robert Howarth begleitete das Sinfonieorchester St. Gallen das Stück musikalisch. Das zweistimmige Blockflötensolo tönte liebevoll und verzauberte den Zuschauer in eine andere Welt. Auch der Gesang der einzelnen Schauspieler überzeugte. Gesungen wurde jedoch englisch und am oberen Rand der Bühne wurde die deutsche Übersetzung eingeblendet. Als der letzte Ton des Stückes ausgeklungen war, sagte der Dichter “The Fairy Queen”. Das Publikum bedankte sich am Ende für die gute schauspielerische Leistung mit lange anhaltendem Applaus.