Sport | 05.03.2012

„Ein Wechsel gehört zum Eishockey“

Sie haben gerade begonnen. Sie sorgen für schwache Nerven bei den Eishockeyspielern. Sie füllen trotz eisiger Kälte die Zuschauerränge: Die Playoffs der NLA, die Endrunde in der Schweizer Eishockey Liga. Ein Trainingsbesuch beim HC Fribourg-Gottéron.
"Auf dem Eis zählt nur der Moment": Franco Collenberg, Verteidiger beim HC Fribourg-Gottéron.
Bild: Michelle Stirnimann

Draussen scheint die Sonne, strahlendblauer Himmel. In der Eishalle neben dem Saint-Léonard Stadion in Freiburg jedoch herrschen Minustemperaturen. Kinder und Fans tummeln sich um die Bande und schauen gespannt ihren Idolen zu. Sich auf der Tribüne zu unterhalten ist unmöglich, wenn die Spieler kratzend über das Eis sprinten und die Hartgummischeibe gegen die Banden knallt. Das Eistrainig dauert knapp 25 Minuten, die Worte des Trainers Hans Kossmann sind laut und werden verstanden: „Di-Di-Di! That’s it! Let’s Go!“ – Da, ein Puck ans Gesicht, gefolgt von lautem Fluchen, ein bisschen Blut, ein Spieler weniger auf dem Eis und weiter geht das Training.

 

Spiel um den Meistertitel

Ob zuschauen oder selbst spielen: Eishockey ist nichts für schwache Nerven. Es geht um Siege, der Stärkere möge gewinnen. Um das geht es zwar fast immer im Sport, aber ein Sieg in dieser Woche wird mehr zählen, als er es letzte Woche noch tat. Während es bis und mit Februar in der Schweizer Eishockeyleague (NLA) um die Qualifikation für die Playoffs beziehungswiese die Playouts ging, wird seit März um Aufstieg oder Abstieg und um den Meistertitel gespielt. Jetzt gilt es also ernst. Vier Siege in sieben Spielen bedeuten eine Runde weiter, der Verlierer scheidet aus.

 

Die Fangesänge in den Reihen werden lauter und aggressiver, der Druck auf die Spieler scheint zu steigen, oder etwa doch nicht? Wie gehen die Hauptakteure, die Spieler auf dem Eisfeld mit diesem Druck um? Ist da überhaupt mehr Druck vor einem Playoffspiel vorhanden als noch in der Qualifikation?

 

Nummer 25

Verschwitzt, etwas ausser Atem, aber mit einem freundlichen Lachen tritt Franco Collenberg, noch immer in Schlittschuhen und Vollmontur aus der Eishalle. Fotos mit den Fans, Autogramme, Interviews: Die Spieler nehmen sich Zeit für ihre Fans und wirken gelassen. Die Anhänger des Clubs und den Kontakt zu ihnen sind fast so wichtig wie die Athleten selbst: „Ohne den vielen treuen Fans wären wir nicht das, was wir heute sind“, lässt sich der Eishockeyclub gerne zitieren.

 

Franco Collenberg trägt seit vier Jahren die Nummer 25 beim HC Fribourg-Gottéron. Der gebürtige Bündner spielt seit über 20 Jahren Eishockey. „Als ich zu spielen angefangen habe, war das Trikot noch grösser als ich selbst“, erzählt er lachend. Dass der heute 26-Jährige aber je Profispieler werden sollte, hätte er damals nie gedacht. „Eishockey hat mir immer Spass gemacht, so bin ich dabei geblieben und dann hat sich alles irgendwie ergeben.“ Inzwischen leistet der charismatische 1 Meter 82 grosse Spieler einen wichtigen Beitrag in der Verteidigung der A-Mannschaft des Hockey Clubs Fribourg-Gottéron.

 

Vor dem Spiel ist nach dem Spiel

Heute steht das zweite Spiel der Playoffs an. In kurzer Zeit wird die Mannschaft in den Bus nach Lugano steigen, nachdem das Heimspiel nicht ganz so glücklich ausgefallen ist, wie erhofft. 2:3 verloren die Freiburger zuhause gegen die Luganesi. „Ja, es stimmt schon, wir haben uns den Playoffstart anders vorgestellt“, so Collenberg. Zurück oder zu weit nach vorne schauen will er aber nicht. „Was jetzt zählt, ist das Spiel heute Abend. Wir werden von Anfang an präsent sein“, verspricht er. Dass man aber nach einem verlorenen Spiel enttäuscht ist, lasse sich nicht verbergen. Dann gelte es, die Fehler zu analysieren, tief durchzuatmen und nach vorne zu schauen. Wichtig findet Collenberg, „dass man die Niederlage als Team schnell verarbeitet. Verloren hat man dann, wenn man die Schuld Einzelnen zurechnen will“.

 

Druck sei während den Playoffs natürlich vorhanden. „Jetzt geht es einfach darum, als Athlet damit umzugehen.“ Während dem Spiel spüre man den Unterschied zu einem Qualifikationsspiel nicht: „Da zählt der Moment, da spielt es einfach.“ Anders aber auf der Spielbank, in den Pausen oder nach dem Spiel. Da kämen die Gedanken und man werde sich der Situation bewusst. Ganz unterschiedlich gingen die Spieler mit dieser Situation um. Während einige im Bus Kartenspielen und gesprächig sind, schalten andere ab und gehen in sich, hören Musik oder lesen.

 

Meisterloser Rekord

Die Stimmung im Team ist sichtlich gut, die Spieler geben sich gelassen. Sie sind nicht nur Teamkollegen auf dem Feld, sondern auch Freunde neben dem Eis, das sieht man. Die Erwartungen an die Mannschaft sind jedoch so hoch wie schon lange nicht mehr. Nach der super Qualifikationsrunde hört man aus den Fanreihen immer wieder munkeln, dieses Jahr schaffe es Gottéron, den Meistertitel endlich einmal nach Hause zu bringen. Das wäre Premiere. Gottéron spielt zwar seit 1980 ununterbrochen in der NLA, was Rekord ist, schaffte es aber noch nie bis zum Pokal.

 

„Es bringt uns nichts, bereits heute soweit zu denken. Das Wichtigste ist der nächste Schritt und dass wir uns richtig auf das bevorliegende Spiel fokussieren“, betont Franco Collenberg. Für ihn ist dies voraussichtlich die letzte Meisterschaft mit Gottéron. Der Verteidiger wechselt nächste Saison zum SC Bern, ausgerechnet zu den Erzfeinden. Für die Mannschaft sei dies aber kein Problem. „Ein Wechsel gehört zum Eishockey und wurde gut aufgenommen“. Die Mutzen sind aber noch weit weg: „Diese Saison bin ich noch bei Freiburg und das ist momentan alles was zählt!“ Dazwischen liegt ja auch noch der Sommer. Entspannung für die Eishockeyspieler? Nichts da, meint Collenberg schmunzelnd: „Im Sommer trainieren wir noch härter als im Winter!“

 

Die Finalserie der Playoffs und der Playouts läuft noch bis Mitte April. Bis dann erfahren wir, ob es die Freiburger dieses Jahr schaffen, den Pokal, im Eishockeyjargon „Kübel“ genannt, nach Hause zu bringen, wer in der NLA bleibt und wer eventuell in die B-Liga absteigt. Spannung bis zur letzten Minute ist garantiert.