Kultur | 06.03.2012

Ein bunter Abend zum Thema Arbeit

Text von Simon Schmidt | Bilder von Tine Edel
Im Rahmen des Programms Kulturvermittlung Pro Helvetia erarbeiteten die Regisseurin Ines Honsel und 14 Laienschauspieler das Theaterstück "Arbeit!", welches im Februar in der Lokremise St.Gallen Premiere feierte und bis Mitte März durch die Ostschweiz tourt.
In "Arbeit!" spielen auch Laiendarsteller, die selber keine Arbeit haben.
Bild: Tine Edel

Arbeit beschäftigt uns alle, sei es im wörtlichen Sinne oder gerade weil man keine Arbeit hat. Sie ist unser ständiger Begleiter. Und mit Arbeit – zu einem grossen Teil auch mit Arbeitslosigkeit – beschäftigt sich das Thetaerstück “Arbeit!”, wie der Name schon vermuten lässt.

 

Vor gut einem Jahr erhielt die Regisseurin Ines Honsel von den Ostschweizer Kantonen und dem Theater St.Gallen den Auftrag ein Stück zu erarbeiten, welches sich mit Arbeit beschäftigt. Als erstes recherchierte sie. Sie versuchte herauszufinden, was genau denn dieser eigentlich recht vage Begriff “Arbeit” bedeutet, informierte sich über das Schweizer Arbeitslosensystem, denn im Auftrag inbegriffen war die Zusammenarbeit mit Arbeitslosen. Auch vertiefte sich Ines Honsel mit Literatur und durch Interviews in das grosse und sehr subjektive Themenfeld. Ihr wurde schnell klar, dass ein herkömmliches Stück den Rahmen eines Theaterabends sprengen würde. Beim Stück handelt es sich daher um eine Art szenische Collage, einen Abriss. “Ein bunter Abend zum Thema Arbeit”, so Honsel.

 

Persönliches gegen das Lexikon

Ein wichtiges Element bei der Erarbeitung des Stücks waren diverse Improvisationen der Schauspielerinnen und Schauspieler. Sie durften einfach drauf los spielen. Durch diese Improvisationen nahm das Stück langsam Form an und wurde von Honsel, zusammen mit den Regieassistenten Charlotte Mäder und Jörg Stotz aufgeschrieben und geprobt. Ein weiteres Element, welches Honsel sehr am Herzen lag, war die Miteinbeziehung persönlicher Erfahrungen der grösstenteils arbeitslosen Laiendarsteller. Denn was nützt ein Stück, welches von einem so subjektiven Thema handelt, wenn es nur Lexikonwissen wiedergibt?

 

Obschon die Truppe wild zusammengemischt war und nebst Arbeitslosen auch Rentner und Arbeitnehmer am Stück mitwirkten, war das Klima des Ensembles extrem harmonisch und jeder konnte sich am Stück beteiligen. Auch die Aufgabe des Theaterpädagogen Mario Franchi, welcher den Auftrag hat, das Theater den Laien näher zu bringen, ist nicht zu unterschätzen. Er löste seine Aufgabe jedoch gut. Auch Honsel ist dieser Ansicht. Es sei eine «super Truppe«.

 

 

Gesungene Collage mit wenig Requisiten

Das Stück selbst ist, wie schon erwähnt, eine Art Collage zum Thema Arbeit. Es beschäftigt sich auf diversen Ebenen mit dem doch so weitläufigen Begriff und gibt bis zum Ende keine genaue Antwort auf die Frage, was Arbeit denn nun wirklich ist. Die Bühne ist einfach gehalten. Lediglich diverse Stühle und ein Kasten, welcher auf allen vier Seiten eine andere Bedeutung hat, schmücken das Bühnenbild. Nur ganz an der Seite stehen ein paar Instrumente, auf denen zum Teil Lieder zum Thema Arbeit gesungen und gespielt werden.

 

Alles in allem ein sehr gelungener und amüsanter Abriss zu einem weit gefassten Thema. Und das Stück lässt den einen oder anderen Zuchauer ein wenig nachdenklich nach Hause gehen, denn treffen kann sie uns alle. Die Arbeitslosigkeit.