Gesellschaft | 13.03.2012

Das Basler Trämli muss perfekt sein

«Liebe Gäste, gestalten Sie mit uns das Tram der Zukunft", schallt es durch die grüne Combino-Komposition der Basler Verkehrsbetriebe, die sich durch Basel schlängelt. Ein Wagen sticht heraus: Nicht das normale Grün der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) sondern eine elegante Holzausstattung lädt zu einer Tramfahrt ein. Baslerinnen und Basler sind derzeit gebeten, ihre Meinung zu den Sitzgelegenheiten im Tram abzugeben.
Die BVB lädt zum Testsitzen ein.
Bild: BVB Katja Rutz beim „blutti-Bei-œ-Test: "Holz und Stoff sind beide angenehm auf nackten Beinen". Veronika Henschel Christoph Fischer (links) und Karl Knöpfel freuen sich sehr, ein Wort bei der neuen Ausstattung mitreden zu dürfen. Katja Rutz

Die Basler Bevölkerung beschäftigt zur Zeit vor allem etwas: die neuen Trämli. Sechzig Stück sollen gekauft werden, und sie sollen voll und ganz die Ansprüche und Bedürfnisse der Kunden erfüllen. Zu diesem Zweck lassen die BVB die Trambenutzerinnen und –benutzer wählen: Gepolsterte oder hölzerne Sitze? Vom 5. bis zum 23. März verkehrt ein Sitz-Test-Tram nach speziellem Fahrplan auf den Linien des BVB-Netzes. Ein Teil ist mit Holzsitzen und Metallstangen statt grünem Polster und Plastik ausgestattet. Den Kunden wird so ein direkter Vergleich ermöglicht: Ist das Holz auch bequem oder sieht es nur gut aus? Zwei mit iPads ausgerüstete Mitarbeiter der BVB befragen die Testpersonen. So soll eruiert werden, mit welcher Ausstattung am meisten Menschen zufrieden gestellt werden können. Die Marktforschung mit 3000 erwarteten Teilnehmenden kostet das Unternehmen etwa 50’000 Franken.

 

Bequem und sauber

Phil De Quoy wusste zwar von den Probetrams, stieg jedoch ganz zufällig in eines ein. Ein perfekter Tramsitz sollte für ihn sauber sein, ausserdem will der 51-jährige auch längere Fahrten ohne Rückenschmerzen überstehen. Er ist mit dem bequemen und hygienischen Holzsitz sehr zufrieden. Auch Christoph Fischer, 45, und Karl Knöpfel, 54, sind per Zufall in den Sitztest geraten. Bei ihnen scheiden sich die Geister: Fischer plädiert für mehr ästhetische Möglichkeiten bei den Polstersitzen, Knöpfel hingegen legt Wert auf die höhere Sauberkeit der Holzsitze. Beide sind sich einig: Solange beides gleich viel kostet, keine Gefahrenhölzer verwendet werden und der Stoff aus Europa kommt, ist die Frage “Holz oder Polster?” eigentlich nicht so wichtig. Während die beiden über weitere Einrichtungsmöglichkeiten philosophieren – etwa Stoff und Holz vereint – steigt Frau Schweighauser, 75, ein. Sie hatte im Vorfeld noch nichts von der Polster-Holz-Frage mitbekommen. Ihr sprechen die Polstersitze mehr zu, da Holz schnell nicht mehr schön aussehen würde.

 

Schwammige Infos

Nach knapp einem Dutzend Interviews ist klar: Das Holz sieht zwar elegant aus und wirkt hygienisch, doch viele Basler sehnen sich nach heimeliger Atmosphäre und Bequemlichkeit. Ausserdem haben sie Angst, in einer Kurve von den Holzsitzen zu kippen: Diese sind nämlich äusserst rutschig. Cornelia Varela, die Befragungen im Tram durchführt, ist jedoch zuversichtlich, dass sich dies mit der Zeit geben würde. Auffallend ist, dass sich die Interviewten von selber keine Gedanken zur Herkunft und Produktion der Sitze machen. Vielmehr stehen Kosten und Aussehen ganz oben auf der Prioritätenliste. In der durchdesignten Infobroschüre werden zwar die Hersteller erwähnt, doch genaue Infos zum Herstellungsort und den verwendeten Materialien lassen sich, auch durch Nachfrage bei der Pressestelle der BVB, nicht herausfinden. Auch wie viel die jeweiligen Versionen kosten würden, wisse man jetzt noch nicht, da die Sitze noch nicht produziert seien.

 

 

Laut Max Burger, Befrager der BVB, steht es momentan etwa 50:50. Es wird spannend werden, wie sich die BVB schlussendlich entscheiden. Ein kluger Schachzug war das Sitztesttram allemal: Die Bevölkerung fühlt sich in den Entscheidungsprozess mit einbezogen. Auf dem Holzweg sind die BVB also erstmal nicht.