Kultur | 19.03.2012

Berliner Streich: Beatsteaks holen Tour nach

Text von Eva Hirschi | Bilder von zvg
Ein halbes Jahr zu spät, aber immerhin: Letzten Mittwoch spielten die Beatsteaks in der Kulturfabrik Kofmehl in Solothurn. Die Rockband aus Berlin vermochte dem textsicheren Publikum mehr als nur einzuheizen. Derweil ist das Geheimnis um die Verzögerung der Tour gelüftet.
Frontmann Arnim Teutoburg-Weiss gibt den Einsatz zum Mitsingen.
Bild: zvg

“Azzurro, il pomeriggio è troppo azzurro…” Etwas perplex ist das Publikum, als die Jungs der deutschen Band Beatsteaks zum italienischen Popsong aus den 60er Jahren auf die Bühne stürmen. Doch Erleichterung macht sich breit in der ausverkauften Halle, als die Alternativrocker mit dem bekannten Lied “Atomic Love” das dritte Konzert ihrer Schweizer Clubtour beginnen. Statt wie üblich in grossen Konzerthallen, machen die Publikumslieblinge diesmal in kleinen Clubs in Basel, Aarau, Lausanne und Winterthur Halt. In Solothurn hüpfen die Besucherinnen und Besucher des heimelig kleinen Kofmehls vom ersten Ton an mit.

 

Tanzen, springen, singen

Was folgt, ist ein von Energie geladenes Konzert. Um die Ohren schlägt einem ein abwechslungsreicher Mix aus alten Klassikern sowie Stücken des neusten Albums “Boombox”, welches letztes Jahr erschienen ist. Schnell und laut ist die Devise. Das Publikum zeigt sich dennoch bei allen Songs textsicher. Als Frontsänger Arnim Teutoburg-Weiss fragt, wer das zweite Album von Beatsteaks habe und daraufhin das Lied “Shut up Stand up” anstimmt, fällt vor allem ein junger Rocker durch seinen lauten Gesang in der zweiten Reihe auf. Arnim holt den Fan kurzerhand auf die Bühne, wo dieser das Lied – zuerst mit dem Sänger, dann alleine – ins Mikrofon grölt. Es stellt sich heraus, dass der Mann Beat heisst, sehr zur Freude der Band.

 

Der Abend gleicht einem musikalischen Höhenflug, den Arnim gar buchstäblich umsetzt: Auf der rechten Bühnenseite steigt der Sänger eine Treppe hoch und findet sich auf einem kleinen Balkon in Form eines Drachens wieder. Auf einem für das Publikum unsichtbaren Mischpult spielt er ein Melodiengemisch aus Hiphop und Elektro, das mit dem Musikstil der Beatsteaks nicht viel zu tun hat. Selbst den E-Bassisten Torsten Scholz bringt Arnim damit zum Tanzen. Von dort oben wird auch der neue Song “Automatic” angestimmt. Erst jetzt wird klar, dass diese Einlage wohl doch vorgeplant war. Ein Versuch, gegen die aufkommende Routine der seit 1995 bestehenden Band zu kämpfen, oder einfach ein Berliner Streich?

 

Ein halbes Jahr Verspätung

Eine technische Panne, die ein unangenehmes, lang andauerndes Pfeifen aus den Lautsprechern verursacht, vermag die Freude jedoch nicht lange zu trüben. Nicht nur am lautstarken Mitsingen bemerkt man, dass das Publikum zahlreiche Stammgäste umfasst. Kaum sind nämlich die ersten Töne des Songs “Let me in” erkennbar, setzt sich die ganze Halle ohne Aufforderung traditionsgemäss auf den Boden, um beim Einsetzen der Strophe aufzuspringen und wild zu tanzen.

 

Was auch auffällt: Auf der Bühne sind mehrere Videokameras installiert, die das Konzert live aufnehmen. Noch gibt es keine offizielle Stellungnahme, dafür jede Menge Gerüchte. Eine Best of-DVD, vielleicht auch eine Aufzeichnung der Schweizer Tour als Wiedergutmachung? Denn eigentlich hätten die Konzerte in der Schweiz bereits im Herbst 2011 stattfinden sollen. Aber die ganze Tour wurde um ein halbes Jahr verschoben, wegen “unerwartet länger andauernden Produktionsprozessen”, heisst es offiziell. Aus “persönlichen Gründen”, rumort es inoffiziell.

 

Beim Anstehen für das nächste Konzert im Lausanne klärt schliesslich ein bekennender Fan auf: Die Tour wurde nicht nur wegen der Produktion der CD verschoben. Sänger Arnim ist Vater einer kleinen Tochter geworden.