Kultur | 12.03.2012

1000 Schläge auf die Drums

Ihr neues Album "A 1000 Punches" präsentierte die Zürcher Band Redwood am vergangenen Donnerstag im Fjord in Baden. Das Publikum kam sich jedoch keineswegs verprügelt vor.
Gitarrist Mark Lim gibt eindeutig den Ton an.
Bild: negativewhite.ch Sängerin Nicole Kammermann fällt nicht nur durch ihre Tattoos, sondern vor allem mit ihrer Stimme auf. negativewhite.ch

Unplugged? Diese beiden Vorstellungen – leises Unplugged-Set und Bild einer Rockband – passen noch nicht ganz zusammen. Das ändert sich schon beim Betreten des Saals. Im Fjord beim Nordportal in Baden sind die Tische gut besetzt, einige Leute stehen vor der Bühne. Gittarist Mark Lim fällt auf der Bühne am meisten auf. Er ist es, der die Band zu leiten scheint. Haben alle Musiker ein Mikrofon und singen auch fleissig mit, stammen die meisten Song-Ansagen und spontanen Erzählungen von Mark. «Wir sind sonst eigentlich keine Comedy-Gruppe, aber heute haben wir’s irgendwie lustig«, bemerkt Sängerin Nicole Kammermann. Und das sieht man der Band während dem Konzert auch an.

 

Dem kaputten Knie zum Trotz

Die Sängerin wirkt vor allem bei den rockigen Songs so, als ob sie am liebsten aufstehen und über die Bühne wirbeln würde. Trotzdem bleibt sie vorwiegend sitzen – sie habe eine Knieoperation hinter sich und müsse noch etwas aufpassen mit ihrem Bein, erklärt sie später. Der Musik tut dies aber keinen Abbruch. Sechs Songs von der neuen CD “A 1000 Punches” stehen auf dem Programm, dazu viele ältere. Hits wie “Fat Chance” dürfen nicht fehlen, und scheinen Publikum wie auch Band gleichermassen zu begeistern. Hier lässt Nicole ihr Knie Knie sein, steht auf und animiert das Publikum erfolgreich zum Mitsingen. Sogar eine kleine Tanzeinlage wagt sie.

 

Unplugged bei 100 Dezibel

Einige Songs sind eher ruhig, aber die Rockband scheint auch bei diesen deutlich durch. Was hier genau unplugged ist, kann man sich da fragen. Die Musik sei verspielter, meint Nicole, und die ausschliesslich akustische Gitarre mache das ganze Set schon etwas leiser. Dem widerspricht allerdings die Dezibel-Anzeige, die stellenweise munter auf über 100 klettert. Das Set sei der Location und dem Publikum angepasst, sagt Nicole weiter. Das Fjord ist eben nicht das Hallenstadion, in dem Redwood 2009 als Support Act von AC/DC aufgetreten sind.

 

Zu viert statt zu fünft

Schlagzeuger Francesco Gasparini und Bassist Alex Lim diskutieren über das Fehlen des fünften Bandmitglieds, dem Gitarristen Dino Deck. Er habe sich beruflich neu orientiert, arbeite jetzt als Masseur, scherzt Mark. Und sie hätten ohnehin nicht gewusst, wo er auf der kleinen Fjord-Bühne noch Platz gehabt hätte. In der Ecke hinter dem Schlagzeug vielleicht. Warum Dino tatsächlich ausgestiegen ist, und wie seine berufliche oder musikalische Neuorientierung aussieht, weiss auch Sängerin Nicole nicht genauer zu beantworten. Redwood vermag auch im Quartett zu begeistern, wie eine Zuschauerin nach dem Konzert verlauten lässt: «Hey, die muesi grad of Facebook go like!« Oder, um es mit einem Songtitel von Redwoods neustem Album zu sagen: Oh Yeah!

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