Kultur | 13.02.2012

“Wir sammeln die ganze Zeit Ideen”

Text von Jessica Hefti | Bilder von Thomas Entzeroth
Beim allerersten Film sprangen die Besucher davon, weil sie glaubten, die Lokomotive auf der Leinwand überfahre alle. 116 Jahre nach der Vorstellung der Brüder Lumière in Paris feiert das ewz.stattkino in Zürich seine 13. Ausgabe. Auch in diesem Jahr zeigt das Festival ein Programm, welches das Kinoerlebnis weit über die Leinwand hinausgehen lässt. Ein Gespräch mit der Co-Leiterin Nani Khakshouri.
Ein voller Saal, ein voller Erfolg für das Festival. Die Co-Leiterin Nani Khakshouri begrüsst das Publikum.
Bild: Thomas Entzeroth

Das ewz.stattkino findet zum 13. Mal statt. Wie hat sich das Festival im Laufe der Zeit entwickelt?

Die erste Idee 1999 war es, ein Festival über 3D zu machen. Mit einer 3D-Retrospektive, einer Installation und einer Tanzperformance haben wir drei Dimensionen gezeigt, die alle sehr gut ankamen. Das regte uns an die Idee weiterzuspinnen und das Festival der drei Dimensionen und fünf Sinne entstand. Es gab interaktive Aktionen im Kinosaal inspiriert von William Castle oder Multiscreening-Vorstellungen, zum Beispiel zeigten wir von einem Film das Original und Remake parallel. Heute ist unser Motto Filme mit Zusatz zu präsentieren. Die Filme werden neu inszeniert oder aus einem anderen Blickwinkel gezeigt.

 

Wie entsteht das Programm?

Ich arbeite in einem Theaterbetrieb, mein Partner Cyril als Gestalter. Wir haben ein breites Beziehungsnetz und kennen viele Menschen mit denen wir gerne zusammenarbeiten. Wir sammeln die ganze Zeit Ideen und haben noch viele vorrätig. Meistens machen wir zuerst ein Gerüst mit den Gefässen, die wir gerne haben möchten. Es gibt dann klare Entscheidungen: Wir wollen zwei DJ-Filme im Programm, einen Film der kulinarisch interpretiert wird oder wir legen die Anzahl der Live-Bands fest. Entweder steht der Künstler zuerst, das Konzept für den Zusatz oder der Film selbst. Das ist sehr unterschiedlich.

 

Erzähl mir von einer verrückten Idee, die ihr umgesetzt habt.

Vor 13 Jahren und auch in den Folgejahren hatten wir jeweils eine Traminstallation. Einmal war es ein normales Linientram, mit dem die Leute zur Arbeit fuhren, eine fahrende Camera Obscura. Durch Bullaugen in verschiedenen Grössen sah man die Stadt draussen spiegelverkehrt. Die Leute stiegen unwissend ein und fanden sich in einer sinnesverwirrenden Installation wieder.

 

Die Sehgewohnheiten verändern sich. Die aktuelle Generation schaut sich auf MTV superschnell geschnittene Musikvideos an und tauscht Videos über Youtube aus. Musstet ihr dem mit euren Zusätzen gerecht werden?

Wir bleiben auf jeden Fall innovativ und möchten uns ständig erneuern. Wir haben aber gemerkt, das es die Leute überfordert, wenn der Film sehr experimentell ist und der Zusatz auch noch speziell. So wählen wir neuerdings mehr Filme im Mainstream-Bereich. Aber weiter haben wir den Anspruch Raritäten aufzupicken oder Filme zu zeigen, die man auf Schweizer Kinoleinwand noch nicht gesehen hat. So wie der Kinder-Animationsfilm “Grüffelo” in diesem Jahr.

 

Auf was freust du dich in diesem Jahr am meisten?

Das ist schwierig, weil auf so vieles im Programm. Zum Beispiel auf den Abend mit “Ascenseur pour l’échafaud”. Der Miles Davis-Soundtrack wird live interpretiert. Es ist ein super Film und ich habe die Musiker gerade bei den Proben besucht. Es ist auch das erste Mal, das wir einem Film mit live Jazzmusik zeigen. Aber auch die Filmsynchronisationen sind immer unterhaltsam, in diesem Jahr zeigen wir “Der Tiger von Eschnapur” auf schweizerdeutsch synchronisiert. Und natürlich den Tanzabend mit “Hellzapoppin'”. Da kommen die Leute immer super gestylt und der Abend ist sehr elegant.

 

Ihr lasst Musiker, Schauspieler oder Performancekünstler zu den Filmen auftreten. Gibt es eine Wunschbesetzung, die dir noch vorschwebt?

Dann würde ich ja bereits das Programm vom nächsten Jahr verraten. (lacht) Was ich sagen kann: Ich hätte sehr gerne wieder eine Produktion mit Zirkusartisten. Das war 2011 fulminant. Aber auch sehr stressig, weil es eigentlich den Rahmen eines Festivalbetriebes sprengt. Aber wir testen gerne unsere Grenzen aus, um das Publikum jedes Jahr zu überraschen.