Kultur | 21.02.2012

Tim Bendzko am Rheinknie

Text von Martin Sigrist | Bilder von Alexander Gnädinger
Der deutsche Überflieger spielte letzte Woche zwei ausverkaufte Konzerte in der Schweiz. Tink.ch wollte in Basel herausfinden, ob wirklich ein musikalischer Engel oder bloss ein hübscher Dämon gelandet ist.
Tim Bendzko in Basel, herzig und engagiert.
Bild: Alexander Gnädinger

Tim Bendzko ist wieder auf Tour. Der einstige Schützling von Clueso beglückte für zwei Konzerte die Schweiz. Es galt zu beweisen, dass der blonde Jüngling neben einem hübschen Lächeln auch gute Musik mit sich im Gepäck führte. Beliebt scheint der Berliner zu sein, seine beiden Auftritte in der Schweiz waren ausverkauft, es mussten grössere Hallen gebucht werden um dennoch viele leer ausgehen zu lassen. Vor Ort fanden sich nicht nur die obligaten kreischenden Mädchen. Nach wenigen Songs wippten auch die lässigen Jungs mit den Füssen und sangen die Texte wortgewandt mit, sich ganz ihrer Funktion als schlichte Begleitung ihrer Freundinnen entledigend.

 

Frisch und kraftvoll

An diesem Abend bewies Tim Bendzko am Rheinknie, dass er mit seiner Band mehr ist als ein weiterer Lockenkopf aus deutschen Castingküchen. Zwar konditionieren eben diese Shows darauf, dass ein hübscher und junger Popsänger auf der Bühne schnell mal ein weiteres Wegwerfprodukt des schnelllebigen Musikkommerzes erwartet lässt. Die Konzertdauer von über 90 Minuten jedoch liesse einen simplen Retortenmusiker vorher nach dem Gong rufen. Der 26-Jährige erinnerte mit seinem weitaus jüngeren Aussehen auf der Bühne eher an eine Schülerband, mit ebensolcher Frische und Kraft präsentierte er dem Publikum seine zahlreichen Ohrwürmer, mit denen er im letzten Jahr Stefan Raabs Bundesvision Song Contest hatte gewinnen können. Etwas Castingshow hing also doch in der Luft. Und wahrlich wusste der Berliner mit seinem Publikum umzugehen und bewies mit seinen immer richtigen Mitmachspielchen und Sprüche viel Bühnenerfahrung und verhinderte, dass sich das Publikum langweilte. Grün hinter den Ohren ist der ehemalige Student der Evangelischen Theologie und nichtchristlichen Religionen nicht, erklärt er in Interviews doch gerne Luhmanns Systemtheorie.

 

Unklares Fazit

Im Laufe des Abends blieb uneindeutig, ob hier wahre Musik gespielt wurde. Die Medien tun hierzu ihr eigenes, seit deutsche Sänger in ruhigen Popgefilden besonders in Mode gekommen sind. In keinem Musikmagazin will eine Rangierung der männlichen, jungen und gelockten Sänger Deutschlands fehlen. Die Musik bewegt sich nahe dem Süssen und Netten, das mag erfreuen und soll Platz haben. Aber jetzt schnell, nur noch kurz die Welt retten. Ganz im Sinne seines gleichnamigen Hits, oder wie in Basel, nur noch kurz die Schweiz retten. Wie herzig.

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