Gesellschaft | 07.02.2012

Entdeckungsreise bei minus 14 Grad

Text von Chiara Nauer | Bilder von PD
Es war ein schweinekalter Freitag in Bern und wenige konnten sich dazu überwinden, aus dem Haus zu gehen um ihre musikalische Neugier in der Reitschule zu stillen. Schade, denn seit Langem lief wieder einmal Rock im Dachstock, dazu von hoffnungsvollen Schweizer Bands.
Dead Bunny brachten die Menge zum Tanzen.
Bild: PD

Der Eintritt in den warmen Dachstock der Reitschule ist berauschend, was man von der Musik, die einem entgegenschlägt, jedoch nicht behaupten kann: Eine Newcomerband namens The Shit steht auf der Bühne und gibt gerade das erste Lied zum Besten. Schon nach den ersten Strophen kann man sagen, dass es nicht jedermanns Sache ist. Die quäkende Stimme des Sängers ist aussergewöhnlich und entspricht der Musik der Band nicht ganz, vielleicht ist aber genau dies das Konzept der Band. Doch auch nach weiteren Stücken fällt es ihnen schwer, das Publikum von sich zu überzeugen. Die Lieder klingen alle sehr ähnlich und lassen sich als 08/15-Garagenrock einstufen. Trotz der begrenzten Begeisterung sind sie voll in ihrem Element und ziehen ihr Ding durch.

 

Ein kurzer Tanz

Erst die nächste Band bringt Zuwachs vor der Bühne. Dead Bunny sind seit vergangenem Jahr immer wieder in den Schlagzeilen, zum Beispiel wegen dem Auftritt auf der Waldbühne beim Gurtenfestival oder dem Gewinn von “Demo of the Year 2011” von M4Music. Ihre Musik, eine Kreuzung aus Rock, Swing und Funk, klingt erfrischend und nach Freiheit. Und diese stilistische Freiheit verdeutlichen sie noch einmal am Ende ihres Auftritts. Der letzte Song beinhaltet vor allem einen akustischen Teil, der von kurzen Gesangsfetzen unterbrochen wird. Mit der passenden Lichttechnik bringen sie die Leute endlich zum Tanzen. Doch kaum angefangen ist der Auftritt auch schon wieder vorbei, wie ein Traum, den man nicht zu träumen wagt.

 

Rockende Schlafmützen

Jetzt kommen fünf Männer im Schlafanzug hinter dem Vorhang hervor. Mit einem langsamen Intro versuchen sie das aufgekratzte Publikum zu besänftigen. Wieso sie ausgerechnet Trashy Lullabies heissen, kann sich niemand erklären, einmal abgesehen vom Outfit. Bis zum nächsten Track. Dieser beginnt mit einem technischen Problem. Um dies zu überbrücken werfen sie mit elektronischen Beats, Keybord und einem schlechten Witz um sich und holen sich dabei eine grosse Portion Sympathie. Als die Unannehmlichkeiten behoben sind, kommen die Schlafmützen richtig in Fahrt. Mit rockiger, schneller und dreckiger Musik bringen sie alle zum Toben. Die beiden Tänzerinnen auf der Bühne sind dabei ein schöner Nebeneffekt.

 

Da auch diese Band nicht die ganze Nacht performen kann und der Bedarf nach Rumhopsen zu guter Musik noch nicht ganz abgedeckt ist, wird Rock’n’Roll aufgelegt, der uns in die alten Zeiten zurück versetzt. Wer danach noch gerade aus dem Gebäude rauslaufen kann, muss irgendetwas falsch gemacht haben.

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