Morgestraich – vorwärts marsch!

Zum ersten Mal treffen wir Famile Trüeb am 26. Februar abends vor einem Restaurant in der Basler Innenstadt. Familie Trüeb, das sind Vater Urs, Mutter Annalies und Sohn Stephan. Die drei machen sich mit ihrer Clique auf den Weg zum Münster, wo sich die Laternen befinden. Dieses Ritual findet zu dieser Zeit in der ganzen Stadt hundertfach statt und nennt sich Laternen einpfeifen. Früher marschierte die Clique zum Atelier des Künstlers um die Laterne abzuholen, doch da diese oft weit ausserhalb lagen, werden die Laternen heute in Gehdistanz zum Stadtzentrum deponiert. In gemächlichem Schritt zieht die Gruppe noch ohne Kostüme durch die Stadt und pfeift die durch das Jahr geübten Märsche. Beim Münster angekommen werden die Laternen verhüllt und wiederum pfeifend zur Hauptpost gebracht, wo sie über Nacht eingeschlossen werden, damit sie vor Vandalismus geschützt und für den Morgestraich bereit sind.

 

Die Laternen, das sind grosse, mit speziellem Stoff bespannte Holzgestelle, die von Malern mit ausgewählten Sujets in aufwändiger Handarbeit und unzähligen Arbeitsstunden bemalt wurden. Früher wurden sie von jeweils vier Männern auf den Schultern getragen. Heute ist dieses Bild selten geworden und die meisten Laternen werden auf einem Gestell mit Rädern durch die Stadt gezogen.

 

Von der Waffeninspektion zum Volksfest

Die Clique, welcher Urs und Stephan angehören, ist die Märtplatz-Clique. Dabei handelt es sich um eine reine Männerclique, bei welcher Personen unterschiedlichster Herkunft und Alters gemeinsam Freude an Musik und Geselligkeit haben. Zwischen Ostern und Fasnacht treffen sich die Männer jeden Freitag zu wöchentlichen Proben.

Noch eineinhalb Stunden dann heisst es: “Morgestraich – vorwärts marsch!” In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war der Morgestraich eine geheime Waffeninspektion auf dem Kasernenareal. Heute ist es der Beginn der in Basel als die “drey scheenschte Dääg” bezeichneten Fasnacht. Dieses Jahr werden sich laut Auskünften des organisierenden Comité etwa 12’000 Personen in organisierten Gruppen zum Gelingen der Fasnacht beitragen. Dazu kommen noch ungefähr 5’000-6’000 weitere Personen in kleineren Grüppchen oder Familien und Tausende von Zuschauern am Strassenrand.

 

Vorfreude ist die schönste Freude

Wir treffen Stephan um 2.45 Uhr bei sich zu Hause und schlendern gemütlich den Spalenberg hinunter zum Marktplatz, wo er sich mit seiner Familie trifft. Es ist seine zwanzigste Fasnacht, doch auch als alter Hase beschreibt er ein Gefühl von Aufregung und wirklich gut geschlafen hat er in den Stunden vor dem grossen Ereignis nicht. Für diese frühe Tageszeit ist er sehr munter und erzählt von vergangenen Jahren, besonders schönen Erlebnissen und seinem persönlichen Fasnachtsempfinden. Die Fasnacht war für ihn schon immer wichtig: Mit neun Jahren konnte er zwölf Fasnachtsmärsche auswendig pfeifen, nahm in kommenden Jahren erfolgreich am offiziellen Preistrommeln und -pfeifen teil und schrieb im letzten Jahr seinen eigenen Marsch, der nun auch von anderen Cliquen gespielt wird.

 

Für Vater Urs ist es die 45. Fasnacht. Von Aufregung ist da keine Spur mehr. Die Vorfreude ist jedoch nach so vielen Jahren noch immer gewaltig. Fasnacht ist eine Leidenschaft, die das Leben in verschiedenen Hinsichten prägt. Auch im Familienleben hat sie ihren festen Platz. So nimmt Mutter Annalies dieses Jahr zum ersten Mal aktiv im Vortrab einer Clique an der Fasnacht teil. Mittendrin möchte sie sein, und nicht nur nebendran. Bereits acht Stunden vor dem Morgenstraich ist sie ganz unruhig und zählt die verbleibenden Stunden.

 

Countdown zum Morgenstraich

3.15 Uhr: Annalies hat sich verabschiedet und ist unterwegs zu ihrer Clique. Urs und Stefan setzen sich für Kaffee und ein erstes Bier in eine Beiz. Langsam werden alle wach, die zwei unterhalten sich mit Freunden und Bekannten. Überall treffen sie bekannte Gesichter und fleissig werden Hände geschüttelt. An unserem Tisch ist von Nervosität keine Spur – Vorfreude liegt in der Luft.

3.45 Uhr: Es ist Zeit für letzte Fragen, danach wird vor dem Lokal mit Piccolo und Larve, der typischen Basler Verkleidung, eingestanden. Je näher vier Uhr rückt, desto ruhiger wird es in den Gassen. Als der Vier-Uhr-Schlag ertönt, erreicht die Spannung ihren Höhepunkt. Pünktlich erlöschen in der ganzen Basler Innenstadt sämtliche Lichter und die Cliquen setzen sich pfeifend und trommelnd in Bewegung.

Die Märtplatz-Clique zieht in Richtung Barfüsserplatz davon. Nachdem wir ihnen ein Stück gefolgt sind, kommt es dem Motto der diesjährigen Fasnacht “S’glemmt” entsprechend zu einem Stau und wir verlassen die Clique für einen Moment, um noch andere Eindrücke in uns aufzusaugen.

4.45 Uhr: Nachdem sich der Stau wieder aufgelöst hat, ist die Clique im Barbara-Keller angekommen – dem ersten von 4 Halten auf ihrer Route für den Morgenstraich.

Man setzt sich an die Tische, Serviceangestellte rennen umher, es wird Bier, heisse Ovo, Tee und Punsch getrunken, Mehlsuppe Käse- und Zwiebelwähe gegessen und viel gelacht. Jeder kennt jeden, es werden Sprüche geklopft und Geschichten erzählt. Wo man hinschaut, sieht man glückliche und müde Gesichter.

Gegen 5.15 Uhr: Das Horn zum Aufbruch ertönt. Die Männer stehen erneut ein um sich zu den Klängen von Piccolo und Trommel langsam ihren Weg durch das Gedränge zu bahnen. Annalies ist derweil mit ihrer Clique irgendwo in der Menschenmenge der Basler Fasnacht unterwegs. Gefunden haben wir sie nicht mehr, doch bei Nachfrage haben wir erfahren, dass ihre erste aktive Teilnahme an der Fasnacht unvergesslich war.

Schokolade gegen das gesunde Mass

Über einer Tasse Kaffee schweifen meine Gedanken wieder einmal weg vom Alltag und hin zu allem anderen. Plötzlich ploppt eine Frage in meine stille, kleine Welt: Wieso zwingen wir uns so oft etwas zu tun, das wir eigentlich nicht tun möchten – oder umgekehrt? Weshalb ist es so wichtig, sich beherrschen zu können, genau zu wissen, was (nicht) zu tun ist? Warum sollten wir uns immer der Norm entsprechend verhalten, auch wenn das eigentlich gerade gar nicht zu unserer Gemütsverfassung passt?

 

Masslos oder genussvoll?

Da ich keine Antwort auf diese Fragen finden kann, mache ich mich auf die Suche nach einer Tätigkeit, mit der ich die Norm verlassen will. Etwas, bei dem man sich sonst selbst Zügel anlegt. Wo man sich zurückhält, weil “man das halt so macht”. Als Schokoladensüchtige fällt mir schnell etwas ein: Man isst niemals eine komplette Tafel Schokolade an einem Stück, ganz allein. Selbst wenn man es noch so gerne will, ist solch eine Aktion verpönt und wird absolute Masslosigkeit, hemmungslose Übertreibung oder Völlerei geschimpft.

 

Aber nicht heute. Die Schokolade passt bestens zum Kaffee, ein Stück nach dem anderen zergeht auf der Zunge. Es tut gut, sich einfach einmal ganz dem Genuss hinzugeben, und nicht an irgendwelche gesellschaftlichen Regeln zu denken. Masslos? Aber bitte. Wer legt denn schon das Mass fest? Und wieso nicht auch einmal masslos sein, wenn wir sowieso nur noch elf Monate zu leben haben?

 

 

Dieser Artikel ist der zweite aus der Serie “Das Ende ist nah”. Einmal im Monat legen die Tink.ch-Autoren hier Dinge nahe, die man unbedingt noch tun sollte, bevor die Welt am 20. Dezember (vielleicht) untergeht.

457’000 Räppli für Guttenberg

Im restlichen deutschsprachigen Raum sind die Räppli unter dem Namen Konfetti besser bekannt. Von den jährlich 200 Tonnen in der Schweiz produzierten Räppli wird rund die Hälfte nach Basel geliefert. Beherzt werden sie durch die Luft geworfen und unbeteiligten Zuschauern in den Nacken gestopft, um dann noch einen Monat nach der Fasnacht aus irgend einer Falte zu fallen und die Erinnerungen an das kunterbunte Treiben wiederaufleben zu lassen. Doch der Verwendungszweck ist weit vielfältiger. Die Tink.ch-Redaktion hat einige Möglichkeiten zusammengetragen:

 

1. Würde man die Ausgabe der Basler Zeitung vom 24. Februar 2012 einstanzen, ergäbe dies 64’670 Räppli. Täte man dasselbe mit der Tageswoche, erhielte man die eine Zahl von 45’587. Tink.ch ist begeistert von der (medialen) Vielfalt.

 

2. Dank dem Morgenstraich-Rechner auf der offiziellen Homepage der Basler Fasnacht wurde herausgefunden, dass die Räpplischlacht im Jahr 3012 vom 24. bis zum 26. Februar stattfinden wird.

 

3. Der geplante Kauf von 22 schwedischen Kampfflugzeugen für die Schweiz wirft hohe Wellen. Ebenfalls hoch sollte die Pyramide aus Räppli sein, wenn der Gripen darunter vollständig getarnt werden sollte. Laut sorgfältig angestellten Berechnungen, würden 1879.03 m3 Räppli benötigt.

 

4. Mit Devisentransaktionen hat der ehemalige Präsident der Nationalbank Philipp Hildebrand einen Gewinn von 61’000 Franken erzielt. Damit könnten 9,4 Tonnen Räppli gekauft und somit ein Achtel des Gesamtverbrauchs der Basler Fasnacht bereitgestellt werden.

 

5. Da dem Doktor Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg ein Teil seines Titel wegen Plagiatsvorwürfen wieder aberkannt wurde, könnte der gute Herr seine 475 Seiten umfassende Doktorarbeit einstanzen lassen und würde 457’000 Räppli gewinnen.

 

6. Laut Insiderberichten aus der italienischen Bevölkerung wurde Kapitän Schettino zum Zeitpunkt des Malheurs auf dem Kreuzfahrtschiff Costa Concordia von einem versehentlich für einen Eisberg gehaltenen Räppli auf seinem Radar abgelenkt. Die italienische Regierung diskutiert zurzeit ein landesweites Verbot von Papierschnipseln auf Kreuzfahrtsschiffen.

 

 

7. Räppli zum Selber machen. Für alle, die noch nicht genug haben, geht es per Link zur Bastelanleitung.

 

Tink.ch wünscht weiterhin “e scheeni Fasnacht”.

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Ein Album ohne Ausfall

“Hell is round the corner where I shelter”, singt Adrian Thaws alias Tricky im gleichnamigen Song “Hell is round the corner”. Wobei: Singen kann man das nicht wirklich nennen, auch nicht rappen. Es ist eher eine besondere Art des Sprechens. Brummelnd, lethargisch, dunkel, depressiv, rhythmisch. Wie ein angeschossenes, wildes Tier, das sich mit letzter Kraft vorwärtsbewegt und vergeblich vor seinen Verfolgern zu fliehen versucht, so schleppt sich Trickys Stimme durch die Songs – man höre sich dazu etwa “Strugglin'” an. Kontrastiert wird seine tiefschwarze Stimme vom hellen, klaren Gesang von Martina Topley-Bird. Die stimmlichen Gegensätze lösen sich wie von Geisterhand auf. Schwarz gegen weiss, männlich gegen weiblich, dunkel gegen hell: Aus dem Gegeneinander wird ein Miteinander. Wie die Körper zweier innig Liebender schmiegen sich die doch so unterschiedlichen Stimmen in “Abbaon Fat Tracks” aneinander und verschmelzen zu einer Einheit. Das ist vielleicht der Unterschlupf (“shelter”), die Zuflucht, der letzte Ort des Trostes vor der Hölle, die sich, gefährlich nahe, gerade um die Ecke befindet. Trickys in Tönen wiedergegebene Hölle ist schummrig, lasterhaft, düster, definitiv verführerisch und wohl von dicken Rauchschwaden der einen oder anderen illegalen Substanz durchzogen. Er war dort und hat uns aus seiner Hölle dieses göttliche Album mitgebracht.

 

Zerrissenheit statt Gemütlichkeit

Wenn die Hölle so klingt wie auf “Maxinquaye”, dann muss diese sich irgendwo in der Nähe von Bristol (UK) befinden. Denn dort – so sagt man – entstand das Genre Trip-Hop, und von dort kommt die heilige Dreifaltigkeit des Trip-Hop: Tricky, Massive Attack und Portishead. Trip-Hop hat seine Wurzeln im Hip-Hop – das schon fast rockige “Black Steel” etwa ist ein Cover der Rap-Urgesteine Public Enemy. Das Genre verzichtet aber meist auf Rap und setzt dafür verstärkt auf weiblichen Gesang und – wie im Falle von Tricky – auf manisches Murmeln. Das Tempo wird gedrosselt, die Beats sind hypnotisch, und die Musik lädt eher zum melancholischen Zurücklehnen ein als zum fröhlichen Händewippen. Doch gemütliche Hintergrundmusik ist das nicht: Zweifel, Schmerz und Trauer überschatten die Musik, Zerrissenheit überall. “In a world that’s constantly changing / how can, how can I be sure”, fragt Tricky im grossartigen “Aftermath”. “She says she’s mine, I know she lies / First, I scream, then I cry”, heisst es in “Suffocated Love”. Im bereits erwähnten “Strugglin'” taucht einmal mehr die Hölle auf: “Because, in, in hell I’ll be lost in the layers of weakness”. Zeilen wie diese finden sich fortwährend, wenn man etwas genauer hinhört.

 

Himmlische Hölle

Trickys Debüt ist eines jener seltenen Alben ohne Ausfall. Etwas, was er mit seinen späteren Alben auf einer so durchgehend hohen Qualität nicht mehr erreichen wird. Alles wirkt wie aus einem Guss, was auch nach Jahren des Hörens fasziniert. Jedes Stück fügt sich in die dichte, schon fast mit den Händen greifbare Atmosphäre des Albums ein. Falls die Hölle tatsächlich so klingt wie auf “Maxinquaye”, dann kann es dort nicht gar so schlimm sein.

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Mehr Stoff darf es sein

“Ewigi Liebi” läuft in der fünften Spielsaison und ist mit über 1,5 Millionen Besuchern das meistgesehene Musical in der Schweiz. Mit “Alperose” ist nun ein zweites Heimatmusical, ausschliesslich mit Mundarthits von Alttroubadour Polo Hofer auf der Showbühne. Alles abgekupfert? Nicht ganz. Zwar dreht sich die voraussehbare Story um Liebe, Sehnsucht, Träume und Bern im Kreis, begeistert aber mit Detailreichtum Lokalpatrioten und altgewordene Hofer-Fans. Mattequartier, Marzili und Kirchenfeldbrücke kommen ebenso vor wie Polos grösste Hits.

 

Sexy Sekretärinnen?

Erzählt wird eine langfädige Liebesgeschichte mit einer guten Portion Lokalpatriotismus: Der freiheitsliebende aber eigentlich feige Tagträumer Pesche lässt seine Freundin Lorraine zuhause sitzen und haut ab. Er geht reisen, weit weg. Lorraine weint sich an der Schulter ihres besten Freundes Johnny aus, sie werden ein Paar. Pesche überlegt es sich anders, kommt zurück und sieht seine verflossene Liebe wieder: Das Gefühlschaos ist perfekt. Lorraine beginnt unter der Gefühlsachterbahn zwischen den Fronten zweier Möchtegern-Machos zu rauchen, bevorzugt Alkohol wieder gegenüber dem Kamillentee – Lotti, ihre beste Freundin, bringt es auf den Punkt: das Karma ist kaputt.

 

Das Karma leidet aber noch unter einer anderen Tatsache. In “Alperose” wird Haut gezeigt. Zu viel Haut. Und wenn man sich in den völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Tanzeinlagen der sexy Sekretärinnen wiederfindet, glaubt man sich eher in einer Burlesque-Show, denn in einem Heimatmusical. Die erotischen Tanzeinlagen sind heiss. Zu heiss. Zumal sie der Handlung nicht wirklich zuträglich sind.

 

Ein Stück (für) Bern

Es sind die Details, die Stadtberner Herzen höher schlagen lassen. Die Klischees und Kultobjekte, die mehr oder weniger versteckt auftauchen. Das rote Combino-Tram von Bernmobil auf der Kirchenfeldbrücke, der Kiosk im Marzilibad, welcher aber vielmehr jenem aus dem Aarebad Lorraine stilecht nachempfunden ist. Die Beiz “Pot du Feu” erinnert stark an das Kultcafé “Les Pyrenées”, Polo Hofers Stammlokal. Die Kulissen und Bühnenbilder sind denn auch das Beste an “Alperose” und lassen zumindest ein wenig Heimatstimmung aufkommen.

 

Daneben vermag das Stück einzig mit wenigen schauspielerischen Einzelleistungen zu begeistern. Allen voran etwa der Urberner Heiri, der doch eigentlich nur seine zwei, drei, vier Feierabendbier in der Beiz geniessen will. Durch markige Machosprüche und Kommentare wird er schnell zum Publikumsliebling. Oder das bernische Pendant zu Freddy Hinz, der mit der Frage “Hesch mr e Stutz?” die ganze Badi auf die Palme bringt. Trotzdem wirkt “Alperose” langfädig. Hits sind so interpretiert, dass sie keine Hits mehr sind, die Handlung kann man sich schenken. Und so lässt sich das Publikum gerne ablenken. Vom Taucher etwa, der im Schwimmbad seine Runden dreht. Da gibt es dann schon mal Szenenapplaus.

 

Das Ganze wird untermalt durch knapp zwei Dutzend Stücke aus dem Repertoire des Alt-Rockers und Berner Liedermachers Polo Hofer. Die Produzenten haben sich dabei aber nicht auf die landläufigen Hits wie “Giggerig” oder “Teddybär” beschränkt, sondern tief in Hofers Musikarchiv gegriffen und Unbekanntes wie Altes integriert.

 

Der Akzent mit Akzent

Doch es fehlt nicht nur ein wenig Stoff in der Handlung und um die Oberschenkel der Darstellerinnen. Das Musical weist fundamentale Schwächen auf: Die Hofer-Hits sind meist schlecht interpretiert und umgesetzt. Und bei einem solch unerfahrenen Team kommt es schon mal vor, dass ein Ton nicht auf Anhieb getroffen wird. Die Tanzschritte sitzen nur einigermassen, die fröhliche Stimmung auf der Bühne wirkt gekünstelt und in der Technik schleichen sich Fehler ein. Zu laute oder gar übersteuerte Mikrophone, schlechte Abmischung – die Show wirkt zuweilen unprofessionell, die Protagonisten zumindest stellenweise laienhaft und unsicher.

 

Auch bei der Aussprache und Betonung des berndeutschen Dialektes hapert es noch. Das typische Berner Wort “Äuä” will geübt sein. Sollte das Musical ebenso viele Besucherinnen und Besucher anlocken wollen wie “Ewigi Liebi”, haben die Darsteller noch ein bisschen Zeit, Abläufe, Rollen und Dialekt besser kennenzulernen. Bis dahin beantworten wir die Frage, ob man das Musical besuchen soll, mit “Äuä (scho)”.