Kultur | 09.01.2012

“Wir spielen das, worauf wir Lust haben”

The Burden Remains aus Freiburg haben ein aufregendes Jahr vor sich. Gerade das neue Album "The Downfall of Man" draussen, spielt die Metalband Konzerte von Bern bis Genf. Beim Tüfteln kommen den vier Jungs die absurdesten Ideen, sagt der Gitarrist Thomas Jenny. Ein Gespräch mit dem 23-jährigen Germanistikstudenten.
Ausschnitt des Covers von "The Downfall of Men".
Bild: zVg "Die positiven Sachen erlebt man, die negativen hinterfragt man", Thomas Jenny (23). Yannik Waeber

Thomas, stell doch mal deine Band vor.

The Burden Remains (zu Deutsch: Die Bürde bleibt), spielen seit 2003 in der gleichen Besetzung. Bis vor einem Jahr nannten wir uns noch Cideraid. Wir beschlossen, uns im Zuge des neuen Albums komplett neu zu orientieren und unseren Bandnamen zu ändern. Unsere Musik lässt sich stilistisch schwer einordnen. Ich würde sie am ehesten als progressiven Thrash Metal bezeichnen. Als wir jünger waren, wollten wir wie Metallica tönen. Mit der Zeit öffneten wir uns anderen musikalischen Einflüssen, etwa dem Postrock, wie Mogwai ihn machen, oder dem Progressive Metal im Stil von Mastodon. Wir wollten uns nicht mehr einschränken, nur noch das spielen, worauf wir Lust haben.

 

Wer beeinflusst eure Musik noch? Beim Anhören der neuen CD kamen mir Pantera (Power Metal), Slayer (Thrash Metal) und beim Gesang ab und zu sogar ein wenig Manowar (True Metal) in den Sinn.

Das ist schwer zu sagen. Das grösste gemeinsame Fundament wird natürlich immer Metallica bleiben. Weiter finden wir alle die Band Testament und Gojira ganz stark. Slayer findet nur die Hälfte von uns super, die andere findet sie eher langweilig. Im Metal ist es aber unmöglich, an Slayer vorbeizukommen. Also sind gewisse Einflüsse schon vorhanden. Vom Gesang her sind Nevermore sehr wichtig. Bei den Melodien sind Arch Enemy kein schlechter Vergleich, bezogen auf unsere pompösen Refrains.

 

Welches Feedback erhaltet ihr auf eure CD? Ihr bietet sie ja gratis zum Download an.

Ganz verschieden. Ein Rezensent attestierte uns die Theatralik von Queen, in einer anderen Review hiess es: “Hey, ihr tönt ja wie Hatebreed!”, ein schräger Vergleich. Ich finde unseren stilistischen Mix interessant. Wir sind musikalisch offen und werden nicht nur durch Metalbands beeinflusst. Wenn du jünger bist, ist für dich nur wichtig, dass dein Metal das härteste und schnellste überhaupt ist, doch mit der Zeit – es ist nicht so, dass mich Metal langweilt, ich liebe Metal, – kommen andere Musikrichtungen dazu. Ich finde, es ist schade wenn man all das verpasst. Irgendwie beeinflusst dich alles, was du hörst.

 

Was bedeutet der Bandname “The Burden Remains”?

Wir wurden nach dem Namenswechsel oft danach gefragt. Es gibt ganz verschiedene Deutungen. Am Anfang machten wir ein Brainstorming. Lustigerweise gaben sich alle mit diesem Namen zufrieden. Später stellte sich raus, dass jeder eine komplett andere Vorstellung über die Bedeutung des Namens hat. Eine Deutung, die wir alle passend finden ist, dass wir alle über die Jahre die Gleichen geblieben sind und unsere Stärken, aber auch Fehler bestehen bleiben. Tommy Schweizer (Vocals/Bass) hat viel philosophischere Konzepte zum Ganzen und sagte: “Es bezieht sich einfach auf die Bürde, die ich mir durch meine Taten auflade, von der ich nicht loskommen kann.” Was heissen mag: “Ich bin der Letzte, der über mich selbst urteilen muss.”

 

Was sind eure Pläne für dieses Jahr?

Wir wollen primär an vielen Orten so oft wie möglich live spielen. Den Namen in die Welt hinaustragen. Bis jetzt waren wir nur in der Schweiz unterwegs. Es wäre toll, wenn wir in Zukunft auch im Ausland auftreten könnten. Ich denke, bald kommt eine Phase, in der wir uns langsam ans Songwriting machen werden. Zwei Songs haben wir schon mehr oder weniger fertig. Es ist ein Riesenspass, zu viert kreativ zu sein. Dabei kommen uns dann die absurdesten Ideen, wie: “Warum nicht das Riff zweieinhalb mal in einem 5/4 Takt spielen?”

 

Wie kam die Gestaltung des Albumcovers zustande? Was bedeuten die drei Dreiecke?

Der Titel heisst ja übersetzt “Der Niedergang der Menschheit”. Nicht, dass es ein Konzeptalbum sein soll, aber dennoch zieht sich der Titel wie ein roter Faden durch das Album. Die persönlichen Erlebnisse von Tommy liefern die Grundlage für die Texte, welche er fast alle alleine geschrieben hat. Du kennst das, man macht sich viele Gedanken zu dem, was man erlebt hat. Die positiven Sachen erlebt man, die negativen hinterfragt man. Mit dem Artwork haben wir versucht, den Niedergang der Menschheit symbolisch darzustellen. Ein Dreieck zeigt gegen unten, was den “Downfall” symbolisiert, die Abwärtsbewegung. Zwei weitere an dessen Ecken stehen für den persönlichen Niedergang und jenen des Umfelds und ein drittes Dreieck schliesslich für den Niedergang der Gesellschaft. Wie Tommy meint, bedrängen und beeinflussen sich die Aspekte gegenseitig.

 

Das scheint eine sehr pessimistische Weltsicht zu sein.

Da hast du Recht, aber das ist einfach unsere Wahrnehmung der Dinge. Nichtsdestotrotz sind wir vier fröhliche und lustige Typen. Bei uns geht es um den Rock n’ Roll und Metal. Wir machen viel Mist miteinander und hängen oft zusammen ab, da wir sehr gute Freunde sind.

 

 

Demnächst in Bern


The Burden Remains spielen am Samstag, den 14. Januar im Berner Kulturlokal Graffitti am fünfjährigen Jubiläum des “Headbangersball”. Zum Tanz laden neben The Burden Remains die Bands Amagortis (Brutal Death Metal), Disparaged (Technical Death Metal) und To the Marrow (Thrash- Death Metal).

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