Kultur | 23.01.2012

Wir sind hier

Text von Jessica Hefti
Sie stehen noch ganz am Anfang, "French Films" aus Finnland. Bis jetzt ist der grosse Durchbruch noch ausgeblieben. Bei ihrem Konzert im Mascotte konnte man sich vom Potenzial der Nordeuropäer überzeugen.
Die Köpfe in richtiger Schieflage. Die Frenchfilms sind cool. Erinnert an den jungen Dylan: Der Sänger und Gitarrist Joni Kähkönen. Fotos: Guschi usgang.ch

Oldschool, Retro und so weiter. Man mag es manchmal nicht mehr hören. Irgendwie. Die Brockenhäuser-Durchkämmer, die Flohmarkt-Stöberer. Vinyl, 8mm und die restlichen Utensilien eines richtigen Hipsters. Was cool ist, das war und darum wird es wiederbelebt. So denkt man auch bei French Films. Die fünf finnischen Jungs verkörpern die Erinnerung an die alten Zeiten oder was uns dazu die Musik, Videos, Fotos und vor allem das Internet überliefert hat. Auf der Bühne in Lederjacken und Jeanshemden, im Netz die Fotos und Clips mit Nostalgie-Filter und in der Musik viel Surf Rock aus den 60er und Synthie Pop aus den 80er. Der Gitarrist erinnert optisch an den jungen Dylan und der Typ am Keyboard an Ian Curtis.

Aber das sollte man French Films nicht übel nehmen. Den das, was sie damit machen im Hier und Jetzt – laut dem Auftritt im virtuellen sozialen Netzwerk: “Dreaming, cold & dark winter, being alive” – ja, das kommt an. Die Jungs touren durch halb Europa, durch die Schuppen, in denen sich ihre Generation aufhält und bringen die Jungs in karierten Hemden und die Mädels mit den Hornbrillen zum Klatschen und Tanzen. So auch in Zürich.

 

Was noch werden kann…

Obwohl Ron Orp, das Kultgehör der Stadt, für den sonnigen Wellenreiterpop aufrief, war der Konzertsaal nur halb gefüllt. Auf der Bühne: Johannes Leppänen, Joni Kähkönen, die beide singen und Gitarre spielen, Mikael Jurmu am Bass, Santtu Vainio am Keyboard und Antti Inkiläinen mit den Drumsticks. Das sind Jungs, mit denen man gerne in der Schule gewesen wäre, aber auch ein Kollektiv, das viele weitere Bands in schmuddeligen Proberäumen vom Durchbruch träumen lässt. Mit ihrer ersten Platte und Konzerten durch ganze Europa, sind die Aussichten für French Films auf jeden Fall gut. Es ist alles noch ein wenig kurz, die erste Single unter drei Minuten, das erste Album eine Schnellzugfahrt von Zürich nach Olten lang und der Bühnenauftritt an diesem Abende eine knappe dreiviertel Stunde. Einige Lieder aber haben so einen Hymnencharakter, der über Konzerthöllen hinausgeht und auch die Reaktion von Tausenden aufnehmen vermag. Bis dahin darf Sänger Johannes das Publikum weiter noch “pretty” nennen, wie er es an diesem Abend in Zürich tat.

 

Was wir wollen…

Wenn man sich manchmal fragt, was die Backflashs im Heute zu suchen haben. Was unsere Generation gerade will. Mit welchem Eifer die Diskussion geführt wird, ob alle zwischen 20 und 30 super-opportunistisch, egoistisch, egozentrisch, egomannisch, ego sonst was sind. Mit so einem Konzertabend ist die Antwort darauf gefunden: Wir wollen gute Musik. Live. Am helllichten Tag Feuerwerke zünden, die Seifenblasen auspacken. Ein Bier. Noch ein Song. Und tanzen zu French Films. Da und jetzt.