Gesellschaft | 17.01.2012

Wenn Gebeine erzählen

Text von Daria Moor | Bilder von Daria Moor
Interessiert man sich für sterbliche Überreste und deren Geschichte, dann lohnt es sich die aktuelle Sonderausstellung im Naturhistorischen Museum in Basel zu besuchen. Ein beeindruckender Einblick in die "Knochenarbeit" der Forscher erwartet den Besucher.
Skelette haben einiges zu erzählen -“ wenn man sie zum Sprechen bringt. Rund 10'000 menschliche Überreste befinden sich im Naturhistorischen Museum in Basel.
Bild: Daria Moor

Das Naturhistorische Museum in Basel beherbergt momentan 10-˜000 menschliche Skelette, darunter 300 Schädel. Sie alle befinden sich im Obersten Stock des Gebäudes. Nachdem der Besucher die Treppe erklommen hat, marschiert er in den Ausstellungsraum hinein und trifft auf Glasregale, auf denen bis zu 100 Schädel und Gebeine liegen, die in ganz Europa ausgegraben wurden.Manche Menschen stösst dieser Anblick ab, sie finden es unheimlich und widerwärtig, sind andere von den Gebeinen fasziniert und wollen mehr über dieses Thema erfahren.

 

Wenn man sich um die eigene Achse dreht, sieht man überall weitere Glaswände und Regale, so weit das Auge reicht. Rechts davon liegt ein kleinerer Raum mit fünf Skeletten, die auf einem schwarzen Tuch ausgebreitet wurden. Zusätzlich befindet sich im gleichen Raum eine gepolsterte Sitzbank, auf der mehrere bereitgestellte iPads bereit stehen. Weil die Skelette in der Barfüsserkirche in Basel ausgegraben wurden,  schildern die Tablet Computer die Geschichte der Stadt Basel mit Bildern aus dem Mittelalter.

 

Den Toten auf der Spur

Nachdem man den Skeletten den Rücken zugekehrt hat, begibt man sich weiter in den hinteren Teil der Ausstellungsräume. In einem grossen und langen Tisch stecken Bildschirme mit Touchscreen. In Filmsequenzen zeigen Wissenschaftler, wie sie menschliche Skelette untersuchen. Sie finden heraus ob es ein Mann oder eine Frau war, wie alt, wann die Person gelebt hat und wie alt sie wurde. Beruf, Ernährung, Todesursache: Tatsächlich können Wissenschaftler heutzutage praktisch alles über ein menschliches Skelett herausfinden.

 

Erstaunlich ist auch die Arbeit von Bernhard Egger, der an der Universität Basel Informatik studiert hat. Egger kann praktisch bei jedem Schädel herausfinden, wie die jeweilige Person, die vor wer weiss wie vielen Jahrhunderten gelebt hat, ausgesehen haben muss. Mit seinem speziellen Computerprogramm, durch das er den Schädel einscannt, kann er erkennen, wie dieser Mensch vielleicht tatsächlich ausgesehen haben könnte.

 

Goldene Forschung

Daniel Mathys vom Zentrum für Mikroskopie an der Universität Basel hatte ein ähnliches Vorhaben. Doch er untersucht nicht das Aussehen, sondern die Todesursache der Skelette anhand von Spuren, die auf den Knochen oder Schädeln zu finden sind. Bei dem Skelett eines Mannes hat er beispielsweise herausgefunden, dass er höchstwahrscheinlich von jemand anderem mit einer Klinge verletzt wurde. Entweder hat der Feind die Klinge in die Rippe hinein gestossen oder die Haut damit aufgeschlitzt. Mathys klebte zuerst das Rippenstück mit einem Klebstoff auf einen kleinen runden Metallteller, klebte ein wenig Gold darauf und stellte es in ein Raster-Elektronenmikroskop. Das Rippenstück wird mit einem Elektronenstrahl beschossen, das Gold reflektiert die Elektronen und wirft sie ins Mikroskop zurück. Über einen Computer steuert Mathys das Ganze. Am Schluss sieht man das Rippenstück auf dem Bildschirm vergrössert. Darauf ist ein V-förmiger Kratzer zu erkennen.

 

Hat man genug über die Erforschung von menschlichen Skeletten erfahren, wendet man sich vom Tisch aus gesehen nach links. Dort stehen Sofas, auf denen Geschichten aus der Vergangenheit erzählt werden. Man kann einen beliebigen Knopf drücken und eine Stimme erklingt aus einem Kopfhörer oder Telefon und erzählt eine erfundene Geschichte über ein Skelett, das in der Sonderausstellung gelagert wird.

 

 

Wer mehr über die Geschichte der Knochen wissen möchte, geht am besten selbst ins Naturhistorische Museum: Die Ausstellung ist noch bis am 29. April zu besuchen.

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