Politik | 18.01.2012

Wenn Computerfreaks sich treffen…

Text von Jan Müller | Bilder von Zimbio.com
Hacker und Nerds trafen sich zwischen dem 27. und dem 30. Dezember gleich neben dem Alexanderplatz in Berlin anlässlich des 28. Chaos Communicaton Congress in Berlin. Für viele ein absoluter Pflichttermin. Dort konnte man Vorträgen lauschen, sich austauschen und eine gute Zeit zusammen verbringen. Natürlich hatte man auch vor, dem einen oder anderen Webseitenbetreiber auf die Nerven zu gehen.
Das Netz im Blick: Am Treffen des Chaos Computer Club trifft sich die Nerd-Szene.
Bild: Zimbio.com

Anlässlich des unter dem Motto “Behind enemy lines” (“Hinter feindlichen Linien”) stattfindenden 28. Chaos Communication Congress strömten die Nerds nach Berlin, genauer gesagt in das Kongresszentrum bcc. Mit einer Unmenge an Elektronik und Club Mate – ein über Szenegrenzen hinaus beliebtes koffeinhaltiges Getränk aus Mate Extrakten – konnte man sich auf ein sehr breites Programm freuen – falls man sich ein Ticket sichern konnte. Die normalen Tickets, welche einen Zutritt über die ganzen vier Tage garantierten, waren nämlich schon lange vor dem Kongressbeginn ausverkauft.

 

Wer wollte, konnte sein Glück am Morgen des jeweiligen Tages versuchen, einen Tagespass zu ergattern. Das Kongresszentrum platzte dadurch beinahe aus den Nähten. Die drei Säle waren immer gut gefüllt und nicht selten standen Leute kurz vor dem Beginn eines Vortrages vor dem Schild mit der Aufschrift “Saal voll”. Dann konnte man sich entweder vor einen der vielen Fernseher stellen, welche die Vorträge live übertrugen, einen Live-Stream des gewünschten Vortrags auf dem mitgebrachten Computer einschalten oder sich anderweitig zu unterhalten. Für Letzteres gab es diverse Möglichkeiten.

 

Man konnte sich entscheiden zwischen dem gemütlichen Ausruhen in der Cafeteria, welche mit Ballpool, Legobereich und einer Painstation gut ausgerüstet war oder man konnte sich in der verrauchten Lounge auslassen. Die Painstation der Cafeteria hatte es in sich. Anders als andere Spielkonsolen bestrafte diese ihre Spieler für Fehler mit Stromschocks, Hitze, Blitzlichtern oder Schlägen. Alternativ informierte man sich an den verschiedenen Infotischen über Projekte, nahm an Workshops teil oder vergnügte sich alleine oder in einer Gruppe am Computer. Aufgrund der Tatsache, dass das Kongresszentrum komplett mit W-Lan ausgestrahlt wurde, konnten sich alle ohne große Probleme mit dem Internet verbinden.

 

Neue digitale Möglichkeiten

Der Fahrplan des 28c3 – dies der generell genannte, kurze Name, sowie der Twitter-Hashtag des Chaos Communication Congress – bot eine Vielzahl von Vorträgen. Zu den Themen über Hacken und elektronische Geräte gesellte sich die Politik. Die Vorträge wurden mehrheitlich in englischer, teilweise aber auch in deutscher Sprache abgehalten. Vorgestellt und präsentiert wurde vieles. Immer mit dabei, eine Portion Humor. Eine Präsentation, welche eine 100 prozentige Prozessorauslastung über mehrere Stunden aufzeigte, wurde so mit viel Gelächter und Applaus aufgenommen. Stefan Burschka widmete sich der Analyse verschlüsselter Daten und wie man ohne diese zu entschlüsseln herausfinden kann, was hier verschlüsselt wurde. Jacob Applebaum und Roger Dingledine zeigten auf, wie Regierungen den Anonymisierungsdienst “Tor” zu blockieren versuchten. Dieser ermöglicht eine weitestgehend anonymisierte Verbindung zum Internet.Ein Dritter zeigte auf, wie das Bundesland Sachsen bei einer Blockade eines Neonaziaufmarsches gezielt die Daten der (Gegen-)Demonstranten sammelte und gespeicherten Anruf-, SMS- und Bewegungsdaten speicherte, um diese für Ermittlungen zu verwenden.

 

Das Bundesland Sachsen, respektive die Tätigkeiten von Judikative, Exekutive und Legislative, waren ein sehr beliebten und viel beachtetes Thema. Viel Beachtung wurde auch dem sogenannten Staatstrojaner #0zapftis, welcher vom Organisator des Kongresses, des Chaos Computer Clubs, entdeckt wurde, gewidmet. Der Trojaner, welcher Informationen von befallenen Computern an die Behörden sendet, wurde von der Firma DigiTask entwickelt und von den deutschen, österreichischen, niederländischen und schweizerischen Behörden für Ermittlungen verwendet.  Dieser weist allerdings gravierende Sicherheitslücken auf und ist rechtlich gesehen ziemlich zwielichtig.

 

No nerd left behind

Wenn Technik begeisterte Leute einen Kongress für Ihresgleichen organisieren, bemerkt man dies sehr schnell. Die Vorträge tauchten meist nur wenige Stunden später auf Youtube auf und die Slides der Präsentation kann man oft bequem von der ständig aktualisierten Homepage herunterladen. Fragen wurden unkompliziert und in kurzer Zeit mit der Hilfe eines Twitteraccounts kompetent beantwortet.

 

Ein weiteres Feature waren die freizugänglichen Streams. Wem der Weg nach Berlin zu weit war, oder keine Eintrittskarte ergattern konnte, musste somit nicht gänzlich auf den Kongress verzichten. Unter dem Motto “No nerd left behind” (“Kein Nerd wird zurückgelassen”), wurden in 15 Ländern Treffpunkte organisiert, um die Vorträge via Stream zusammen zu schauen. Befand man sich beispielsweise während des Kongresses ohne Ticket in Berlin, dann konnte man unter anderem nur wenige Minuten vom Alexanderplatz entfernt die Vorträge mitverfolgen. Dort gab es gratis W-Lan, eine Leinwand, Sitzgelegenheiten, einige Tische, viele Steckdosen sowie jede Menge Club Mate. Viel mehr wurde nicht benötigt. Alternativ konnte man sich die Streams bequem von Zuhause aus geniessen.

 

Nach den vier Tagen Kongress kehrte dann im Kongresszentrum wieder Ruhe ein. Die Hacker freuen sich bereits auf den folgenden Chaos Communication Congress im nächsten Jahr.