Gesellschaft | 31.01.2012

Was können wir heute für eine gesunde Zukunft tun?

Text von Chiara Nauer | Bilder von PD
Im Kongresszentrum Basel trafen sich vergangenen Donnerstag Interessierte aus der ganzen Schweiz um die Zukunft unseres Gesundheitswesens zu diskutieren. Dazu lud die Gesundheitsförderung Schweiz auch Jugendliche ein. Ob die Veranstaltung erfolgreich war, liegt noch in den Sternen.
Die Gesundheit geht alle etwas an, auch die Jungen. Die Nationale Gesundheitskonferenz bietet Raum, um die Zukunft des Gesundheitswesens zu diskutieren.
Bild: PD

Die 13. Nationale Gesundheitsförderungs-Konferenz war laut Thomas Mattig, Direktor der Gesundheitsförderung Schweiz, ein grossartiger Erfolg. Wird die darauf folgende Wirkung auch so positiv ausfallen? Zum ersten Mal war unter den Gästen auch junges Publikum. Die Suche nach jungen Leuten, die sich für Gesundheitsthemen interessieren, erwies sich jedoch als Hürde, die nicht eingeplant war. Auf die erste Anfrage an engagierte Jugendgruppen reagierte kaum jemand. Erst als man Jugendliche persönlich darauf ansprach, kam der Stein ins Rollen, wenn auch zögerlich. Von den anfangs erhofften 30 Jugendlichen brachte die Gesundheitsförderung Schweiz 17 zusammen. Ob das Interesse wohl schon beim Hören von “Gesundheit” gescheitert ist?

Wer trotzdem kam, den erwartete eine weite Debatte: Krank sein umfasst viel mehr als man denkt. Gesundheit lässt sich nämlich nicht nur als physischer Zustand beschreiben, sondern beinhaltet ebenso Psyche und Soziologie. Clemens Staub, einer der Organisatoren der Konferenz, zeigte sich trotz der etwas kleineren Gruppe an Jugendlichen sehr zufrieden und fand die wild durchmischte Gruppe sehr interessant.

 

Mehr Spielraum, mehr Gemüse

Die Jungen konnten an diesem Nachmittag selbst zur Tat schreiten. Sie hatten die Wahl zwischen drei Workshops zu den Themen Freizeit/Freiraum, gesunde und nachhaltige Ernährung oder Bildung. Dort erwarteten sie jeweils Experten und ein Moderator von Infoklick.ch. In einem Brainstorming konnten sie sagen, was sie in ihrem Alltag stört und suchten anschliessend gemeinsam nach einer Lösung. So forderte die Freirauminitiative, den Jugendlichen in der Freizeit mehr Spielraum zu bieten, zum Beispiel auf dem unlängst geschlossenen NT Areal in Basel. Es entstand auch der Plan zu einem Blog über Gemüse und Früchte der Woche im Lebensmittelladen. Mit welchen Läden man dabei zusammen arbeiten will, darüber wurde man sich nicht ganz einig, da sich weder die Biofreaks noch die Coop-Anhänger umentscheiden konnten. Präsentiert wurden die Konzepte an der anschliessenden Podiumsdiskussion.

 

Am Anfang waren die Jugendlichen skeptisch, ob es überhaupt einen Zweck hat, so viel Energie in etwas zu stecken, was “eh ke Sinn macht”. Nach vielen angeregten Gesprächen überzeugten sie sich nach der Arbeit aber selbst davon.

 

Es geht weiter

Nach der Podiumsdiskussion weiss jeder anwesende Politiker und Experte, was sich die heutige Jugend für die nachkommende Generation wünscht. Der Waadtländer Nationalrat Jean Christophe Schwaab (SP) zeigte sich beeindruckt von den Ideen der Jugend: “Normalerweise sagen die Leute: ‘Liebe Politiker, macht etwas!’ Diese Jugendlichen haben gesagt: ‘Wir machen etwas! Wir nehmen die Politik gerne als Partner, aber wir nehmen das in die Hand.'”

 

Am nächsten Tag trafen sich die Gesundheitsexperten wieder um zu besprechen, welche Ideen von Jung und Alt realisier- und umsetzbar sind. Je nach Einigung empfahlen sie den Gruppen, mit ihren Projekten fortzufahren. Nach weiteren zwei bis drei Wochen, also Mitte Februar, wird es wieder zu einem Treffen kommen, in dem die Gruppen das weitere Vorgehen besprechen, wobei sie Fragen zur Verantwortlichkeit, Durchführungsgruppe und Finanzierung klären müssen. Danach sollte es sich zeigen, ob man wirklich alle Hebel in Bewegung setzen wird oder ob alles nach kurzer Zeit wieder versandet – wie so vieles zuvor.

 

Gelungener Versuch

Thomas Mattig war positiv überrascht von der neuen Kombination Jung-Alt. Man habe die Eigeninitiative ergreifen können, was Kreativität in das Ganze brachte. Dazu will er die Jugendlichen ermutigen, sich nicht aus dem Konzept bringen zu lassen, sondern ihre Projekte trotz Hindernissen weiter zu ziehen. Und er stellt die Forderung an die Erwachsenenwelt, mehr Verständnis für die Jugend aufzubringen.

 

Es besteht noch Hoffnung, dass unsere Enkelkinder ein gesundes Leben führen werden. Nur: Wie wird die Definition von “gesund leben” in 30 Jahren sein? Wird ein BMI bis 28 “normal” sein oder wird es nur noch Fleisch von glücklichen Schweinen auf dem Markt geben? Wie gesund werden wir leben? Auf der einen Seite stehen Aktionen wie “Boykott von Mc Donalds” von drei Konferenz-Teilnehmerinnen, die kein Geld mehr an Fast Food verschwenden wollen. Auf der anderen Seite gibt es Eltern, die ihre Kinder nicht mehr alleine in die Pfadi lassen, weil sie sich verbrennen könnten, wenn sie ein Feuer machen. Doch eines ist sicher: Es gibt eine Hand voll junger Menschen, die sich für eine gesunde Zukunft einsetzen. Und das ist schon Mal ein guter Anfang.

Links