Kultur | 02.01.2012

Überzeugend vom ersten Ton an

Vollbesetzt konnte das Theater St. Gallen die Premiere von Mozarts Meisterwerk aufführen. Die Produktion überzeugte musikalisch und man konnte der Geschichte recht gut folgen.
Papageno, der Naturbursche spielt sein Glockenspiel. Sarastro mit seinen Priestern vor dem Tempel.
Bild: Toni Sutter, T+T Fotografie

Die Zauberflöte ist eine Oper, an der jeder seinen Gefallen finden wird, sei es wegen der Musik oder wegen der Geschichte mit ihrem Hintergrund, die hinter der ganzen Oper steckt. Tamino verliebt sich in ein Bild einer bezaubernd schönen Frau, worauf er beschliesst, sie zu finden, egal welche Folgen das für ihn haben könnte. Papageno ist der „Naturbursche“ in diesem Stück und lebt so, wie sich das Leben gerade leben lässt. Er fängt Vögel für die Königin der Nacht. Zusammen erleben Tamino und Papageno so einiges, bis Tamino seine Pamina und Papageno seine Papagena gefunden hat.

 

Türen statt Berge

Die schwarze Wand begann sich zu drehen, als der erste Ton des Orchesters ertönte. Auf der einen Seite der Wand kam Tamino (Julien Behr), auf der anderen Seite Pamina (Simone Riksman) zum Vorschein. Danach sah man, wie sich Tamino und Pamino gegenüber standen und sie nur die Wand in der Mitte trennte. Man konnte der Geschichte ziemlich gut folgen. Wer aber ein schönes Schloss oder zwei hohe Berge erwartet, sollte sich darauf einstellen, dass diese durch Türen in ebendieser Wand ersetzt wurden. Dadurch, dass die Kulisse aus einer schwarzen Mauer und je nach Akt anderen Türen gestaltet wird, wirkt die Bühne an gewissen Stellen etwas sehr dunkel. Doch das Licht im Hintergrund konnte an gewissen Stellen die Stimmungen auf der Bühne verdeutlichen.  Besonders interessant war Sarastros (Roman Polisadov) Palast in fröhlichem Orange-gelb, der einen mit Blumen geschmückten Torbogen hatte, vor dem Sarastros Priester an zwei Tischen sassen.

Vom Naturburschen bis zur modernen Prinzessin-¨Die Kostüme haben sich seit Mozart auch verändert: Wer sich unter Tamino einen Königssohn vorstellt, der wird sich wundern, denn Tamino hat nun ein Studenten-Outfit. Anstatt eines blauen Kleids und eine Krone trug die Königin der Nacht (Beate Ritter) eine sonnengelbe Hose und Blazer an. Monostratos (Riccardo Botta) gleicht einem Affen in der Uniform eines Zirkusdirektors. Papageno (Markus Beam) ist einem Naturburschen gerecht angezogen. Mit verfilzten Haaren, einer blauen Latzhose und einer älteren Brille und dem Lächeln im Gesicht spielt er seine Rolle sehr gut. Pamina glicht einer Prinzessin in einem pinken Kleid.

 

Musikalisch ausgefeilt

Vom ersten Ton an überzeugte das Sinfonieorchester St Gallen unter der Leitung von Jeremy Carnall. Die kurzen Staccati waren deutlich und schön gespielt. Die Sänger stimmten gut mit dem Orchester zusammen und sie sangen klar verständlich. Die Königin der Nacht brachte Schauspielerisches und Musikalisches gut unter einen Hut. Sie traf fast jeden ihrer hohen Töne ohne Probleme. Die drei Knaben (Jonathan Basedau, Evan Gray und Philipp Luft) sangen rein und überzeugten sogar zweistimmig sehr. Auch Sarastro zog mit seiner deutlichen und tiefen Stimme viele in den Bann. Nach dem festlichen Schluss und einer kurzen Stille ertönte ein langanhaltender kräftiger Applaus.

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