Kultur | 16.01.2012

Sport im Theater

Text von Salome Kern | Bilder von zvg
Das Junge Theater Winterthur bringt seit 15 Jahren eigenhändig Produktionen auf die Bühne. Sie bestehen aus einer Gruppe von Jugendlichen zwischen 16 und 26 Jahren. Wie jedes Jahr spielen sie auch diesen Februar wieder im Theater am Gleis in Winterthur und sind fleissig am Proben. Tink.ch war an einem Probetag mit dabei.
Seit bald 13 Jahren spielt und organisiert die Gruppe Theater. Hier eine Aufführung von "19" aus dem Jahr 2010.
Bild: zvg

Vor dem Kulturzentrum Gaswerk in Winterthur befindet sich der Proberaum des Jungen Theaters Winterthur (JTW). Ein grosser Raum mit Kostümen und Requisiten. Es ist ziemlich kühl an diesem Sonntagmorgen. So verwundert es nicht, dass sich die Mitglieder vor einer Heizung sitzend und liegend versammelt haben. Miro Hintermüller ist der Projektleiter des diesjährigen Stücks. Er erklärt, dass es kein übliches Theater ist. Sondern es wird alles improvisiert, in der Fachsprache Theatersport genannt. Das Format dafür hat er von dem Theater-Ensemble Improphil übernommen, eine Mischung aus Theatersport und Bühnenpiraten. Das JTW präsentiert sogenannten Bühnenjournalismus und nennt sich “Die Redaktion”. So werden fünf Szenen angespielt und dann unterbrochen, dass Publikum wählt, welche sie nicht weitersehen möchte. So scheidet jede Runde eine Geschichte aus, bis zum Schluss die Titelstory fertiggespielt wird. Immer wieder wird vom Publikum etwas erwartet, es muss einen Spielort wählen, die Mordwaffe festlegen oder Namen verteilen.

 

Keine Hemmungen

Mittlerweile sind alle eingetroffen und sitzen gemütlich beisammen. Miro beginnt die Probe, schliesslich können sie nicht den ganzen Tag reden. Heute ist ein besonderer Tag, um 14 Uhr kommt ein Probepublikum um die Gruppe zu kritisieren. Als Erstes wird nun das Bühnenbild aufgebaut, es besteht aus lauter Zeitungsstapeln. Das Aufwärmen wird mittels “Let’s dance” gestartet, ein Lieblingsspiel der ganze Gruppe. Dabei wird Musik laufen gelassen und alle tanzen in einem Kreis frei dazu. Den sechs Mitgliedern ist das nicht peinlich, sie tanzen ausgelassen.

 

 

Ausgedachte Geschichten

Jetzt kommen erste Improübungen und alle spielen voller Begeisterung mit. Sie entwerfen Figuren, geben denen Gestik, Mimik und eine Hintergrundgeschichte. Dabei wird auch viel gelacht. Ob eine Apfelsaftproduzentin, die auf jung macht und sich ein Engelstattoo stechen lässt, das Christkind, das über seine Arbeit erzählt oder der Velokurier, der gefeuert wird. Die Geschichten werden gesponnen und zusammengeflochten.

Nach dem Mittagessen gilt es ernst. Mit Stimmübungen machen sie ihre Stimmbänder warm, dazu werden laute “TA”s und “TE”s durch den Raum geschleudert. Mit Kinderreimen und Zungenbrechern werden die Gesichtsmuskeln gelockert. Langsam kommt auch bei den übrigen Teilnehmern Nervosität auf.

Zur Stärkung der Konzentration stehen alle in einen Kreis und nehmen sich an der Hand. Mit geschlossenen Augen wird auf 20 gezählt, wenn zwei gleichzeitig zählen, muss die Gruppe von neuem beginnen. Das kommt allerdings nicht vor, die Konzertration im Raum ist förmlich spürbar.

 

Feuerprobe

Während die Schauspieler versteckt im Kostümraum stehen, nehmen die Zuschauer auf den Sofas Platz. Das Publikum ist zusammengewürfelt aus Eltern, Theaterpädagogen und den Teilnehmern der U16 des JTW. Nach einer kurzen Ansprache beginnt das Spiel. Die Schauspieler sind voller Energie und versuchen das, was sie in den letzten Monaten gelernt haben, anzuwenden. Die Szenen erzählen die Geschichte einer Beziehung von Grossmutter und Enkel, einer Feuerwehrmannschaft, eines Krimis, einer Spielefabrik und eine Liebesgeschichte. Die Zuschauer verfolgen gebannt die Geschichten und lachen, als Miro und Mathias zwei Frauen imitieren.

Applaus, aus, Ende! Die Schauspieler verneigen sich. Jetzt kommt die Kritikrunde, mit gezückten Notizblöcken werden die Punkte durchgegangen. Trotz einigen Hinweisen zur Verbesserung scheint das Publikum zufrieden zu sein mit dem Theater. Die Schauspieler sind stolz auf ihre Leistung, aber auch bereit an den Schwachstellen zu arbeiten. So kann es weitergehen. Wer sich selbst vom JTW überzeugen möchte, kann im Februar eine Vorstellung besuchen.

Links