Kultur | 23.01.2012

Preise für die Fleissigen

Text von Céline Graf | Bilder von zvg
Es gibt sie doch, die originellen Filme über Schweizer Politik. Am Wochenende wurde an den Solothurner Filmtagen zum ersten Mal der Nachwuchs in der Sparte "Upcoming" gekürt. Und das Publikum wählte traditionellerweise seine meistgemochten Trickfilme.
Hier erlebt der seltene Bartgeier gerade eine Wiederansiedlungsphase im Trickfilm "Gypeatus Helveticus" von Marcel Barelli.
Bild: zvg

“Es lohnt sich, die Jungen zu unterstützen”, sagte Seraina Rohrer am Samstag vor der Ankündigung der besten Nachwuchsfilme oder, “auf Schweizerdeutsch: der Upcoming Talents”, wie die neue Festivaldirektorin scherzte. Der mit 15’000 Franken dotierte Preis ging an den Kurzfilm “La noyée” von Vincent Weber (1989). Mit in zarten Farben gehaltenen Bildern erzählt der französische Regisseur von der Beziehung zwischen einem Jungen und seiner Mutter. Die “Poetisierung des Wirklichen” verhalf auch Piet Baumgartner zum Jurypreis für den besten Musikclip: Zum Lied “Hailey Fought the Law” der Zürcher Band Blanket fährt ein als Hase verkleideter Mensch elegant Rollschuhe.

 

Entwaffnender Humor

Hatte der Abend im Solothurner Landhaus ruhig begonnen, wendete sich das Blatt in der zweiten Hälfte. Jonas Raeber von Suissimage/SSA verkündete in zungenbrecherischem Sprechtempo gleich drei Publikumspreise für die besten Animationsfilme. “Ich kann mich noch an meinen ersten Publikumspreis an den Solothurner Filmtagen erinnern… da hatte ich mindestens so viele Haare wie der vorherige Gewinner”, informierte der Mann mit Glatze das Publikum zu dessen Amüsement. Der dritte “Preis für viel Fleiss” in Animation ging an den Zürcher Dustin Rees mit seiner tragikomische Liebesgeschichte um einen Grenzwächter.

 

Zuoberst aufs Podest schaffte es die formidable Dokumentation “Gypeatus Helveticus” über des Schweizers Angst vor dem Bartgeier aus der Feder des Tessiner Zeichners Marcel Barelli. Mit entwaffnendem Humor greift er die Einwanderungsthematik auf. Der dritte prämierte Trickfilm “Bon voyage” von Fabio Friedli aus Bern tut es ihm gleich.

 

Swiss Makers und Schafmacher

Der rote Faden zog sich thematisch weiter bis zur Ehrung der Gewinner im Wettbewerb “Upcoming Lab”. Die Aufgabe hatte darin bestanden, ein Remake, eine Parodie oder eine Hommage aus dem Klassiker “Die Schweizermacher” (1978) zu machen – nicht länger als 60 Sekunden durfte der Film dauern. Das Publikum hatte sich online vom Charme des Schauspielersohnes Raphaël Tschudi verführen lassen und dessen Film “Swiss Makers” die meisten Stimmen gegeben. Natürlich überzeugte auch die witzige Idee des unfreiwilligen Rollentauschs im Film.

 

Danach betrat ein ungleiches Duo die Bühne: Rolf Lyssy, der Regisseur von “Die Schweizermacher” und der Bündner Rapper Gimma gaben gemeinsam den Jurypreis für Thaïs Odermatts Beitrag “Die Schafmacher” bekannt. “Der Film hat die Substanz meines Films sehr getroffen”, begründete Lyssy den Juryentscheid im Gespräch mit Tink.ch. Wer darf Schweizer werden? Das sei damals wie heute ein aktuelles Thema, welches Odermatt neben dem damit verbundenen prominenten schwarzen SVP-Schaf mit viel Witz präsentiere. Da haben wir den Beweis: es gibt durchaus originelle, mutige und mit subtilem Humor verfeinerte Schweizer Politfilme an den Solothurner Filmtagen 2012.