Sport | 15.01.2012

Nur Kitzbühel kann mithalten

Text von Patricia Affolter | Bilder von Manuel Lopez
Das Lauberhornrennen ist ein Publikumsmagnet. Rund 60 000 Zuschauerinnen und Zuschauer reisen jährlich nach Wengen ins Berner Oberland, um ihr Team kräftig zu unterstützen. Was ist das Geheimnis des Volksfests am Lauberhorn? Auf Pulsfühlung im Weltcupdörfli.
Der Rummel um die Skistars gehört in Wengen dazu.
Bild: Manuel Lopez

Samstag frühmorgens um 6.30 Uhr. Die Jungfraubahnen sind bereits in Betrieb und fahren mit vollen Zügen nach Wengen. Nun beginnt das lange Warten auf den Start der Abfahrt. Fast jeder Besucher ist mit einer Schweizer Flagge und roter Bekleidung ausgerüstet. Nach langem Warten auf der Ziel- oder der Starttribüne zeigt die Uhr endlich halb eins – die Lauberhornabfahrt beginnt. Rund 38 000 feiern und fiebern während des ganzen Rennens mit Leib, Seele und Glühwein mit.

 

Was ist denn so attraktiv daran, das Skirennen in Wengen live mitzuverfolgen? Drei Gründe tauchen immer wieder auf, hört man sich unter den Besuchern um. Erstens hat der Skisport in den letzten 15 Jahren einen enormen Wandel durchgemacht; die Carvingski haben dem Sport eine neue Bedeutung verliehen. Dank ihnen kann heute auch der normale Hobbyskifahrer elegant Kurven schwingen. Zu sehen, was die Stars auf Carvingski alles erreichen, macht das Rennen noch spannender. Der Teilzeitsportler kann sich vergleichen und mitfühlen.

 

Zweitens ist das volksfestliche Ambiente ein unvergessliches Erlebnis, auch wenn mancher Zuschauer die Stimmung als “etwas zu patriotisch” wahrnimmt. Andere meinen, es sei eine “Ehre für die Schweiz”, ein solch “spektakuläres, internationales Sportereignis” zu beheimaten. Drittens gilt das Lauberhornrennen als grösstes und spannendstes Skirennen im Weltcup, neben jenem im österreichischen Kitzbühel. De facto ist die Lauberhornabfahrt mit 4,4 Kilometern die längste Rennstrecke der Welt. Einige heikle Stellen lassen das Publikum Daumen drücken und fachsimpeln.

 

Der Erfolg der Schweizer Skistars sollte dabei nicht vergessen werden. Durch sie wurden die internationalen Medien letztlich auf das Lauberhornrennen aufmerksam. Heute gehört der Medienrummel zum Programm dazu. Das Publikum will die Sportler dann doch am liebsten in echt sehen: zur Preisverleihung am Samstagabend reisen noch mehr Gäste aus den umliegenden Orten spontan an, schliesslich hat mit Beat Feuz ein Berner die Lauberhornabfahrt gewonnen.