Kultur | 18.01.2012

Das Schweizer Fernsehen – ist der Unterhaltungsbereich am Ende?

Text von Michael Küng
Hat das Schweizer Fernsehen akuten Zahlungsnotstand oder schwimmen die Verantwortlichen im Geld? Diese Frage kann nicht abschliessend beantwortet werden. Fakt ist, dass die Betreibergesellschaft, die SRG, ca. 40 Millionen Schulden hat, die sich über die letzten Jahre angehäuft haben.
Unterhaltung mit deinen Gebührengeldern. Braucht sie der SF richtig?

Der grosse Schuldenberg des SF führte in der Vergangenheit zu sehr prominenten Absetzungen. Wie zum Beispiel die wöchentliche Serie “Lüthi und Blanc”, die über 7 Jahre lang im Programm ihren festen Platz hatte. Ein ähnliches Schicksal ereilte auch die humoristischen Formate am Freitagabend, wie zum Beispiel “Fertig Lustig”. Somit hat das Schweizer Fernsehen keine selbst produzierten seriellen Formate mehr im Erwachsenenbereich. Dies obwohl das zu einem guten Profil eines Senders gehört. Die Gegner eines stark ausgebauten Schweizer Fernsehens argumentieren, dass diese Aufgabe nicht zu einem öffentlich-rechtlichen Fernsehen gehört. Einige namhafte Politiker und Medienleute wollen deshalb den Bereich der Unterhaltung gänzlich streichen. SF stellt sich auf den Standpunkt, dass sie gemäss Verfassung dazu verpflichtet sind für jede Bevölkerungsgruppe der Schweiz Programminhalte anzubieten. Für die Gegner von SF ist dies aber ein Luxusproblem, denn schliesslich bekommt SF als staatliches Fernsehen immer noch den Grossteil vom Gebührenkuchen ab.

 

Auch die Stammtischfraktion hat SF wieder auf seiner Seite, denn der neuen Führung ist es gelungen, das Fussball Monopol des Tele Club zu brechen. In Zukunft zeigt das SF 36 Spiele der nationalen Fussball Liga. Dies war ein langgehegter Wunsch der Fussballfans. Doch das SF darf sich nun auf keinen Fall auf den Lorbeeren ausruhen. Die Baustellen bleiben zahlreich, ein umfassender Umbau des Samstag- und Sonntagabendprogramms steht bevor. Am Samstag stehen Formate wie Happy Day und Benissimo auf der Kippe. Dies nicht unbedingt aus Quotensicht, sondern aus inhaltlichen und finanziellen Gründen. Das zeigt sich daran, dass die Politiksatire mit Walter Andreas Müller und Birgit Steinegger bei Benissimo aus dem Programm gekickt wurde.

 

So schrieb die Sonntagspresse Mitte des vergangenen Jahres, dass die Verantwortlichen von SF das Vertrauen in die Formate verloren hätten. Ich bezweifle, ob diese Aussage der Verantwortlichen wirklich der Realität entspricht. Fest steht jedoch, dass die Verantwortlichen diesen Schritt nur machen sollten, wenn sie gute Formate in der Hand haben. Die Unterhaltungsformate, die vergangenen Jahr neu gestartet sind, überzeugten mich gar nicht. Allen voran die Feriensendung Check-in, eigentlich nur eine Werbesendung für ein Reiseunternehmen. Die Spiele, die in dieser Sendung gespielt wurden, waren zusammengewürfelt aus Elementen, die so schon oft in verschiedenen anderen Sendungen vorkamen. Sollten die Klassiker der Samstagabendunterhaltung wirklich abgesetzt werden, müsste die Qualität der Nachfolger Sendungen merklich steigen. Fernsehdirektor Ueli Haldimann versprach bei seinem Stellenantritt, dass er die Planung einer neuen täglichen Serie in Angriff nehmen wird. Es gilt abzuwarten, ob er dieses Versprechen trotz Kostendruck halten kann.

 

Im neuen Jahr ist nun die Katze aus dem Sack. Mit Mike Müller plant das SF eine neue wöchentliche Krimiserie, wie SF über glanzundgloria.ch am 12.1.2012 verlauten liess. Dies ist besonders innovativ, da das Schweizer Fernsehen noch nie zuvor eine eigene Krimiserie hatte. So kann auch die Sparübung bei Benissimo nachvollzogen werden. Steckt vermutlich der eine oder andere Franken, der bei Benissimo eingespart wird, jetzt in der neuen Serie. Überlebt die neue Serie die Pilotphase, dann hat Ueli Haldimann sein Versprechen, die fiktionale Serie wiederzubeleben, eingelöst. Erste Schritte zu einem eigenständigen Unterhaltungsprogramm sind gemacht. Es bleibt abzuwarten, ob diese nachhaltige Wirkung zeigen.