Kultur | 24.01.2012

“60 Verrückte sind ein Riesenspass”

Text von Martin Sigrist
Mit ihrem Video zu "Baby Baby Baby" waren sie auf einen Schlag berühmt. Nackte Mädchen unterwegs in Paris haben dem Pariser Duo Make The Girl Dance den Durchbruch ermöglicht. Nun erschien ihr erstes Album, dass sie auf der aktuellen, eigentlich seit Jahren andauernden Tour in der Schweiz präsentieren. Tink.ch traf Greg Gozo und Pierre Mathieu in Basel und sprach mit ihnen über Alter, Boote und Champagner.
Greg Gozo (rechts) und Pierre Mathieu (links) mit -“ tradition oblige! -“ Reporter Martin Sigrist.

Wie geht’s euch?

Pierre Mathieu: Uns geht’s gut, aber wir sind hier auf einem Boot, das ist nicht der beste Ort für mich. Ich muss mich konzentrieren, dass mir nicht schwindelig wird.

 

War euch auf euren Konzerten schon mal etwas wirklich zu viel?

Greg Gozo: Na, wir haben wirklich schon alles gesehen. In Los Angeles waren wir auf einer Party, wo die Leute ihre eigenen Drogen gemacht haben.

Mathieu: Vor langer Zeit trafen wir ein Mädchen mit einer Flasche voller Pillen. Sie hat uns davon angeboten, wir haben aber abgelehnt. Wir haben schon sehr verrückte Momente mit unseren Fans, aber normalerweise sind es wirklich coole junge Leute, zwar etwas unter Drogen, aber ganz in Ordnung.

 

Die Mädchen wollen alle in eurem nächsten Video sein.

Gozo: Es haben schon welche an unsere Türen geklopft oder uns bei Konzerten gefragt. Als wir damals Mädchen gesucht haben für das Video haben sich so acht oder zehn gemeldet, was uns schon sehr erstaunt hat. Jetzt aber müssen wir den Mädchen absagen, jetzt sind sie zu spät. Wir werden das nächste Mal sicher was anderes machen.

 

Gab’s beim Videodreh zu “Baby Baby Baby” Probleme?

Mathieu: Nein, was uns sehr erstaunt hat. Wir hatten weder mit der Polizei Probleme, noch kamen Typen auf die nackten Mädchen zu. Wir waren sehr aufgeregt, haben es dann einfach mal versucht. Und es hat wunderbar funktioniert.

Gozo: Wir hatten Glück. Ich bin vorher noch mit dem Skateboard die Strecke abgefahren, denn normalerweise gibt’s in den Strassen immer Polizei zu Fuss. Zum Schluss haben wir dann schon welche gesehen.

 

Findet ihr’s langweilig, dass man euch immer nach dem Video fragt?

Mathieu: Nein, das Video war für uns sehr wichtig, denn ohne wären wir nicht da, wo wir jetzt sind. Wir sind uns dessen sehr bewusst. Dieses Video hat es uns ermöglicht, das wir seit drei Jahren Musik machen können. Wir haben zwar vorher schon Musik gemacht, aber nach “Baby” konnten wir plötzlich auf der ganzen Welt spielen.

 

Seid ihr denn ein One Hit Wonder?

Mathieu. Das war früher sicher ein Stück weit so, denn wir wurden alleine dieses einen Stück wegen gebucht. Das Lied war an sich ein Unfall, denn sonst haben wir Dinge produziert, die viel elektronischer und härter sind. Wir wurden dann in chice Champagner-Klubs gebucht, für die wir neben Baby keine passenden Songs hatten. Wir wollten natürlich spielen, aber viel härter. Es ist für uns schwierig, akzeptiert zu werden, denn jene Clubs wo wir eigentlich spielen wollten, haben uns nicht gebucht, denen ist Baby viel zu sehr Pop. Nach so vielen Konzerten wissen die Leute aber, was wir machen, eigentlich viel härtere Musik.

 

Welche Leute erwartet ihr normalerweise bei euren Konzerten?

Gozo: Junge Leute auf Drogen.

Mathieu: Wenn wir Leute mit Tattoos und Hüten sehen, dann wird’s gut, aber bei Leuten über 30 in hübschen Kleidern leeren wir das Lokal. Wir sind alt, das ist ein Problem. Wir wollten vor 25- bis 30-Jährigen spielen. Aber unsere Freunde kommen nie zu unseren Konzerten, die hassen unsere Musik, die eher etwas für 16- bis 25-Jährige ist.

 

Ist das Alter wichtig für euch?

Mathieu: Auf unserem Album sind auch softe Stücke, die eher für unser Alter sind. Die jungen Leute hingegen sehen uns live und erwarten auch auf dem Album harte Musik. Aber wir mögen halt auch ruhige Songs, die sind auf dem Album mit drauf. Das Album soll tanzbar sein, aber auch teilweise ruhig, denn auch dazu kann man tanzen. Wenn wir live spielen, geht’s aber schon richtig ab.

Gozo: Wir wollten ein Album machen, dass wir auch daheim hören möchten. Daheim würden wir uns nie eine Stunde Techno anhören. Das ist elektronische Musik für daheim.

 

Ein Blick auf den Titel eures Albums: “Everything Is Gonna Be OK In The End”. Ist es denn nun schon okay?

Mathieu. Ja, am Schluss schon. Das kann heute Abend sein. Soweit es noch nicht okay ist, ist es eben noch nicht das Ende.

 

Ihr habt auf eurem Album mit den Schweizern Solange la Frange gearbeitet.

Mathieu: Ja, deren Sängerin ist die beste Person, die wir in drei Jahren kennenlernten. Wir haben mit ihr in Chur gespielt. Wir haben uns damals gefragt, ob da überhaupt Leute kämen, ob die solche Musik hörten, so in den Bergen. Aber der Klub war voll, es war verrückt. Und sie war verrückt, mit Wodka auf dem Kopf, überall Tattoos, das ist eine echte Punk-Rockerin. Wir wurden Freunde und sie hat für uns die T-Shirts gemacht. Sie hat immer Superideen, die Arbeit mit ihr ist sehr inspirierend.

 

Ihr habt neulich getwittert, dass ihr die Schweiz liebt.

Mathieu: Die Schweiz ist so ein kleines Land, aber wir dürfen hier so oft spielen. In Frankreich gibt’s fünf grosse Städte, das ist es dann. Wir wissen vorher nicht, wie gross die Klubs sind, es kommt auch nicht drauf an. 1’000 Leute können langweilig sein, aber 60 Verrückte sind ein Riesenspass. Wir lieben auch Basel, einfach dieses Boot nicht.

 

Gozo: Wir konnten auf dem SXSW in den USA für Journalisten spielen. Das war auf einem Boot, so musste ich den Auftritt alleine absolvieren. Die Leute haben sich dann aber eh nicht für die Musik interessiert, die wollten einfach trinken. Ich habe dann vielleicht knapp 20 Minuten gespielt für 10 Leute, die mich nur komisch angeschaut haben.

 

Mathieu: Zusammen haben wir dann noch an dem Festival in einer Bar gespielt, um 16 Uhr! Stell dir das vor, unsere Musik in einer Bar, nachmittags. Da waren vielleicht 20 Leute, die auf eine Rock-Band nach uns gewartet haben und uns dann von der Bühne geschrieen. Wir haben auch in Miami gespielt, aber das war nicht so unser Ding. Miami ist sehr chic, eine Stadt für Champagner und grosse Ferraris. Wir haben vorher unser Ende erwähnt. Wir möchten mal am Coachella in Kalifornien auf der Hauptbühne spielen, um 21 Uhr. Dann können wir aufhören. Das ist ein gutes Ziel. Wir haben immer gesagt, das Coachella ist unser Ziel, dann haben wir gemerkt, dass kleine französische Bands dort bereits gespielt haben, aber auf kleinen Bühnen. So mussten wir unser Ziel etwas höher schrauben.

 

Gozo: Wir müssen dramatisch enden.

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