Macht, was ihr wollt!

Der verklemmte Mann, die uneroberte Frau, ein Drama ohne Akt. Nina Pauers Artikel, der vor einigen Wochen in der “Zeit” erschienen ist, kritisiert den Mann von heute und hat damit hohe Wellen geworfen. Junge Männer dächten zu viel über sich selbst nach und vernachlässigten dabei die wahren Wünsche der modernen Frau. Die Emanzipation sei zwar gut und richtig, habe dem Mann aber die Orientierung geraubt, weswegen er seine Beziehungen überreflektiere. Das sei ein grosses Problem und habe vielleicht etwas mit der Gesellschaft zu tun, vor allem aber mit den jungen Männern selbst.

 

Der Artikel fasst zwar die Klagen vieler junger Menschen zusammen, das Problem bezeichnet er leider nicht. Das wahre Problem ist nämlich der Artikel selbst. Pauer resigniert, genau wie ihre jungen Leute, vor der ach so verkehrten Welt, die doch ach so einfach sein könnte. Sie macht genau das, was sie dem Mann von heute vorwirft: Sie trauert selbstverliebt vor sich hin, anstatt eine Lösung zu suchen. Damit ist jetzt Schluss. Probleme und Lösungen: Davon handelt dieser Kommentar.

 

Problem 1: Peinlichkeit

Warum sollte man als Mann etwas wagen, wenn einem Spott und Demütigung drohen? In Fernsehserien wie “Two and a Half Men” und “Big Bang Theory” lachen wir tollpatschige Typen aus, die sich in urpeinlichen Aktionen am Laufband vor und von Frauen demütigen lassen. Hinter dem Gelächter steckt jedoch immer die heimliche Angst, selbst so einer zu werden. Die Boulevard- und Peoplepresse tut ihr Übriges, zerfetzt Prominente, die sich gerade scheiden lassen. Der Fehler wird in den Mittelpunkt gerückt, die guten Seiten gehen vergessen. Daher soll man sich nicht wundern, wenn der junge Mann sich heute sagt: Wer nicht wagt, der nicht verliert.

 

Problem 2: Perfektionismus

Der junge Mensch ist wie ein Börsencomputer. Er optimiert sein Leben, immer und überall, jede Chance wird gepackt, jede Marge ausgenutzt. Auch in seinen Beziehungen. Seiten wie Whatsyourprice.com suggerieren, dass nun einmal jeder Mensch einen Marktwert habe. Sobald die Kurse des Partners sinken oder sich eine neue Möglichkeit auftut, gilt es zu verkaufen. Das Gegenüber wird zum austauschbaren Objekt – das sieht man auch Woche für Woche im Ausgang. Wer in diesem entwürdigenden Menschenkasino nicht mitmachen möchte, bleibt dem Markt halt fern.

 

Problem 3: Rollenbilder

Die meisten Männer sind nicht wie Ryan Gosling (gesehen in: “Drive”). Vermutlich ist nicht einmal Ryan Gosling wie Ryan Gosling. Und hier liegt der Hund begraben: Die Emanzipation hat vielleicht die Körper, nicht aber die Köpfe befreit. Wir klammern uns noch immer an alte und neue Rollenbilder, anstatt so zu leben, wie wir das wollen. Wir schauen nach links und rechts, um uns zu vergewissern, ob wir auf dem akzeptierten Pfad bleiben, anstatt geradeaus zu schauen und den Weg einfach zu gehen. Die pausenlose Frage “Mache ich das richtig?” ist es, die unsexy wirkt, wie das Pauer auch lang und breit ausführt. “Der Mensch ist frei geboren und liegt doch überall in Ketten”, sagte Rousseau. “Ketten, die er sich selbst anlegt”, möchte man hinzufügen.

 

Lösung: Das Leben wagen

Das pausenlose Gerede über den “richtigen Mann” – wie oft er ins Krafttraining geht, was er beim ersten Date um jeden Preis vermeiden muss, wie er sich im Bett anstellt – ist die einzige Gefahr, welcher der Mann von heute mit aller Unerbittlichkeit entgegentreten muss. Solch abgehalfterte Vorurteile darf man, wie Gosling es im Film mit seinen Gegnern durchexerziert, auch einmal erbarmungslos durchprügeln, sie lenken nur vom Wesentlichen ab. Verbrennt eure Männermagazine, schaltet den Fernseher aus, boykottiert die People-News! Es muss sich wieder lohnen, eine eigene Sicht auf die Welt zu entwerfen. Dafür braucht es offene und mutige Männer und Frauen, aber garantiert keine weinerlichen Feuilleton-Artikel.

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Kopf über, Hand unter

In den Semesterferien schlenderte ich durch den Central Park in New York. Vögel zwitscherten, die Sonne schien, es fühlte sich wie Frühling an. Im Frühling erwache ich immer neu zum Leben. Da überkommt mich ein Energieschub, dass ich nur noch hüpfen und tanzen und lachen und Rad schlagen könnte. Rad schlagen. Das würde ich jetzt gerne tun, dachte ich. Aber nein, ich will mich ja nicht lächerlich machen. Ich kann gar kein richtiges Rad schlagen. Und Erwachsene machen das sowieso nicht. Schon gar nicht im Januar im Central Park. Ich wollte schon weiterlaufen, als ich mich an die zwölf “Must Do’s” erinnerte, die ich vor dem drohenden Weltuntergang noch erledigen wollte.

 

Vom grossen Denken zum kleinen Handeln

Auf einmal wurde mir klar, dass es nicht immer die grossen, aussergewöhnlichen Sachen sein müssen. Es gibt auch so viele kleine Dinge, die man aus Scham oder Angst nicht tut. Man kann sich auch ganz einfach einmal überwinden, genau das zu tun, was man gerade tun will – ohne darauf zu achten, wie das wohl auf die Mitwelt wirkt.

Also lief ich mit glänzenden Augen auf die Wiese und schlug ein Rad. Und dann noch ein zweites. Ein drittes, viertes und fünftes folgten. Ich hatte keine Ahnung mehr, wo oben und unten war. Ich wusste nicht mehr, wo oder was Himmel und Erde sind. Ich war einfach, drehte mich und fühlte mich so frei wie schon lange nicht mehr. Ja, Rad schlagen im Central Park. Impulsivität. Ein würdiger Anfang für zwölf Monate voller neuer Erfahrungen und Wagnisse, finde ich.

 

Dieser Artikel ist der erste aus der Serie “Das Ende ist nah”. Einmal im Monat legen die Tink.ch-Autoren hier Dinge nahe, die man unbedingt noch tun sollte, bevor die Welt am 20. Dezember (vielleicht) untergeht.

Was können wir heute für eine gesunde Zukunft tun?

Die 13. Nationale Gesundheitsförderungs-Konferenz war laut Thomas Mattig, Direktor der Gesundheitsförderung Schweiz, ein grossartiger Erfolg. Wird die darauf folgende Wirkung auch so positiv ausfallen? Zum ersten Mal war unter den Gästen auch junges Publikum. Die Suche nach jungen Leuten, die sich für Gesundheitsthemen interessieren, erwies sich jedoch als Hürde, die nicht eingeplant war. Auf die erste Anfrage an engagierte Jugendgruppen reagierte kaum jemand. Erst als man Jugendliche persönlich darauf ansprach, kam der Stein ins Rollen, wenn auch zögerlich. Von den anfangs erhofften 30 Jugendlichen brachte die Gesundheitsförderung Schweiz 17 zusammen. Ob das Interesse wohl schon beim Hören von “Gesundheit” gescheitert ist?

Wer trotzdem kam, den erwartete eine weite Debatte: Krank sein umfasst viel mehr als man denkt. Gesundheit lässt sich nämlich nicht nur als physischer Zustand beschreiben, sondern beinhaltet ebenso Psyche und Soziologie. Clemens Staub, einer der Organisatoren der Konferenz, zeigte sich trotz der etwas kleineren Gruppe an Jugendlichen sehr zufrieden und fand die wild durchmischte Gruppe sehr interessant.

 

Mehr Spielraum, mehr Gemüse

Die Jungen konnten an diesem Nachmittag selbst zur Tat schreiten. Sie hatten die Wahl zwischen drei Workshops zu den Themen Freizeit/Freiraum, gesunde und nachhaltige Ernährung oder Bildung. Dort erwarteten sie jeweils Experten und ein Moderator von Infoklick.ch. In einem Brainstorming konnten sie sagen, was sie in ihrem Alltag stört und suchten anschliessend gemeinsam nach einer Lösung. So forderte die Freirauminitiative, den Jugendlichen in der Freizeit mehr Spielraum zu bieten, zum Beispiel auf dem unlängst geschlossenen NT Areal in Basel. Es entstand auch der Plan zu einem Blog über Gemüse und Früchte der Woche im Lebensmittelladen. Mit welchen Läden man dabei zusammen arbeiten will, darüber wurde man sich nicht ganz einig, da sich weder die Biofreaks noch die Coop-Anhänger umentscheiden konnten. Präsentiert wurden die Konzepte an der anschliessenden Podiumsdiskussion.

 

Am Anfang waren die Jugendlichen skeptisch, ob es überhaupt einen Zweck hat, so viel Energie in etwas zu stecken, was “eh ke Sinn macht”. Nach vielen angeregten Gesprächen überzeugten sie sich nach der Arbeit aber selbst davon.

 

Es geht weiter

Nach der Podiumsdiskussion weiss jeder anwesende Politiker und Experte, was sich die heutige Jugend für die nachkommende Generation wünscht. Der Waadtländer Nationalrat Jean Christophe Schwaab (SP) zeigte sich beeindruckt von den Ideen der Jugend: “Normalerweise sagen die Leute: ‘Liebe Politiker, macht etwas!’ Diese Jugendlichen haben gesagt: ‘Wir machen etwas! Wir nehmen die Politik gerne als Partner, aber wir nehmen das in die Hand.'”

 

Am nächsten Tag trafen sich die Gesundheitsexperten wieder um zu besprechen, welche Ideen von Jung und Alt realisier- und umsetzbar sind. Je nach Einigung empfahlen sie den Gruppen, mit ihren Projekten fortzufahren. Nach weiteren zwei bis drei Wochen, also Mitte Februar, wird es wieder zu einem Treffen kommen, in dem die Gruppen das weitere Vorgehen besprechen, wobei sie Fragen zur Verantwortlichkeit, Durchführungsgruppe und Finanzierung klären müssen. Danach sollte es sich zeigen, ob man wirklich alle Hebel in Bewegung setzen wird oder ob alles nach kurzer Zeit wieder versandet – wie so vieles zuvor.

 

Gelungener Versuch

Thomas Mattig war positiv überrascht von der neuen Kombination Jung-Alt. Man habe die Eigeninitiative ergreifen können, was Kreativität in das Ganze brachte. Dazu will er die Jugendlichen ermutigen, sich nicht aus dem Konzept bringen zu lassen, sondern ihre Projekte trotz Hindernissen weiter zu ziehen. Und er stellt die Forderung an die Erwachsenenwelt, mehr Verständnis für die Jugend aufzubringen.

 

Es besteht noch Hoffnung, dass unsere Enkelkinder ein gesundes Leben führen werden. Nur: Wie wird die Definition von “gesund leben” in 30 Jahren sein? Wird ein BMI bis 28 “normal” sein oder wird es nur noch Fleisch von glücklichen Schweinen auf dem Markt geben? Wie gesund werden wir leben? Auf der einen Seite stehen Aktionen wie “Boykott von Mc Donalds” von drei Konferenz-Teilnehmerinnen, die kein Geld mehr an Fast Food verschwenden wollen. Auf der anderen Seite gibt es Eltern, die ihre Kinder nicht mehr alleine in die Pfadi lassen, weil sie sich verbrennen könnten, wenn sie ein Feuer machen. Doch eines ist sicher: Es gibt eine Hand voll junger Menschen, die sich für eine gesunde Zukunft einsetzen. Und das ist schon Mal ein guter Anfang.

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Concours d’ambition

Avec pour ambition de promouvoir la musique en Suisse Romande et de révéler de nouveaux talents, l’agence Gazie Publicity lance en 2012 le concours de chant Ambisings. Ce dernier s’écoulera de mars à  octobre et se déclinera en différentes étapes, la première consistant en pré-sélections sur une durée d’un mois. Des séances d’information, en plus de l’alternative web, seront données dans des villes telles que Genève, Lausanne ou encore Neuchâtel, durant lesquelles il sera possible de s’inscrire.

 

En plus de deux organisatrices ambitieuses et qui n’ont pas peur de se mouiller, Shana P, chanteuse americano-suisse dont le premier album est sorti en 2009, et Stevans, le groupe de pop-rock, maintenant bien connu des festivaliers sont les parrains de cette aventure. L’écart musical entre les deux artistes révèle la volonté du concours d’être varié et ouvert à  tous les styles, groupes ou chanteurs solos.

 

Pour un accès facilité et une proximité avec le monde de la toile, le processus de pré-sélection est le suivant; le candidat (qui doit être âgé d’au moins 18 ans)) se filme interprétant la chanson de son choix, l’envoie à  Ambisings qui la publie sur sa page YouTube. Ensuite, aux internautes de jouer! Les 300 candidats (au maximum) qui auront obtenus le plus de « J’aime » seront retenus pour les castings, du 4 au 14 avril 2012.

 

Tout au long de cette nouvelle étape, les graines de chanteurs se produiront devant un jury de professionnels composé de Mo Millar, chanteuse, parolière, coach vocal et professeur de chant, Alenko, chanteur, auteur-compositeur-interprète, également coach vocal et professeur de chant et Soulscent, chanteur, DJ et troisième coach vocal. A l’issue de ces dix jours, ceux qui auront choisis à  l’unanimité (trois oui) accéderont immédiatement aux demi-finales.

 

Pour les autres, des battles de chant les attendent dès le 28 avril et pour 5 semaines consécutives. Dix candidats s’affronteront mais il n’en sortira qu’un seul vainqueur, pour six demi-finalistes à  cette étape proche de la fin. Coachés par un membre du jury, chaque participant s’entraînera pour la demi-finale sur un titre imposé. Puis les deux finalistes interpréteront leurs propres compositions pour lesquelles ils auront reçu l’aide d’un producteur de musique et de leur coach vocal, au Théâtre du Léman à  Genève. Le vote du public définira finalement le gagnant du concours Ambisings 2012.

 

Web: Gazie Publicity

Ambisings (pas encore en service)

 

Überraschende Premieren, viel Geläuf

Sie wird als schönste Barockstadt der Schweiz bezeichnet. Und wer durch die Gassen der Solothurner Altstadt schlendert, fühlt sich tatsächlich fast in eine andere Epoche zurückversetzt. Solothurn, die perfekte Kulisse für Filmtage? Das dachten sich dieses Jahr jedenfalls so viele Besucherinnen und Besucher wie noch nie: Über 55’000 fanden den Weg in die Spielstätten der Solothurner Filmtage, entlang der Aare und über die Innenstadt verteilt.

 

Vom 19. bis zum 26. Januar waren zahlreiche Kinofilme und Premieren zu sehen. Gezeigt wurden vorwiegend Schweizer Produktionen und Co-Produktionen. Einigen Besuchern, wie den Filmkritiker Hans Jürg Zinsli, war dies gar zu viel der “Swissness” (siehe Umfrage unten). Anders sieht es Direktorin Seraina Rohrer, die Nachfolgerin von Ivo Kummer. “Die Solothurner Filmtage präsentieren und feiern das Schweizer Filmschaffen”, sagt die 34-jährige Zürcherin.

 

Wermutstropfen Platzmangel

Der Zuschauerrekord scheint den Organisatoren denn auch Recht zu geben. Trotz regerem Interesse im breiten Publikum, sind die Filmtage seit ihrer Gründung 1966 innovativ geblieben. Neue Gefässe sind dieses Jahr hinzugekommen, darunter eines für Kurzfilme von talentierten jungen Filmerinnen und Filmern. Nachwuchsförderung ist eines von Seraina Rohrers Steckenpferden: “Ich möchte die Solothurner Filmtage noch attraktiver gestalten für ein junges Publikum, sie sollen eine Plattform kriegen.”

 

Die Organisatoren scheinen also alles richtig gemacht zu haben. Nur an Zuschauerplätzen mangelte es, wie Pressefoyer-Mitarbeiterin Stefanie Steinmann feststellt. Tatsächlich mussten unter anderem bei der Filmpremiere “Bottled Life” einige 100 Besucher ohne Filmticket nach Hause geschickt werden. Insgesamt aber überwogen die sorgfältig ausgewählten, durch alle Genre hindurch gezeigten Filme den Wermutstropfen des Platzmangels. So wurde dieses Jahr der begehrte Prix de Soleure an den ausserordentlichen Dokumentarfilm “Vol spécial” (siehe Link) vergeben.

 

 

Umfrage


“Der Gewinnerfilm des Prix de Soleure ‘Vol spécial’ von Fernand Melgar schafft es neu in meine DVD-Sammlung. Der Film ist ein wichtiges Zeitdokument, das einen kritischen Blick auf die Schweiz wirft. Das Herz der Solothurner Filmtage sind die Filme und die Diskussionen darüber. Durch die vielen Begegnungen entsteht eine fast magische Stimmung. Wir haben dieses Jahr wieder einen Zuschauerrekord. Das freut mich sehr! Ich möchte die Solothurner Filmtage noch attraktiver gestalten für ein junges Publikum, sie sollen eine Plattform kriegen.”

Seraina Rohrer, Direktorin Solothurner Filmtage

 

“‘Courage’ von Greg Zglinski zieht einem auf emotionaler Ebene den Boden unter den Füssen weg. Um den ganzen Schrecken und die ganze Schönheit dieses Films wiederzuerleben, muss er auf jeden Fall in meine DVD-Sammlung (zumal Gefahr besteht, dass er in der Schweiz gar nie ins Kino kommt). Die Solothurner Filmtage besonders machen für mich die Suche nach lohnenden Premieren, überraschende Begegnungen mit Filmschaffenden und viel Geläuf zwischen Landhaus, Kino Canva und Reithalle. Meine Bilanz? Zu viel Swissness, aber auch einige mutige Filme wie zum Beispiel ‘Buebe gö z’Tanz’ von Steve Walker. Verbesserungsfähig ist sicher das Platzangebot für die Zuschauer, vor allem am Wochenende.”

Hans Jürg Zinsli, Filmkritiker “Berner Zeitung” und Autor

 

“Der Gewinner des Publikumspreises, ‘Die Wiesenberger’ von Bernard Weber und Martin Schilt ist einer meiner Favoriten. Der Film über einen besonderen Flecken Schweiz berührt. Ein Männerchor, der zusammenhält und Emotionen zeigt: Wo sieht man das sonst noch? Toll fand ich aber auch ‘Courage’. Greg Zglinski thematisiert in seinem Film aktuelle Themen aus dem Stadtleben wie Gewaltübergriffe und Überwachung mit der Handykamera. Ich lerne an den Solothurner Filmtagen immer wieder neue Geschichten und Schicksale aus der Schweiz und anderen Ländern kennen, aber es hatte einfach zu wenig Platz für den grossen Besucherandrang. Für die Premiere von ‘Bottled Life’ am Sonntag mussten viele Leute wieder nach Hause geschickt werden.”

Stefanie Steinmann, Mitarbeiterin Pressefoyer und Studentin

TR4NSgression

A ceux qui prêtent parfois attention aux spots promotionnels diffusés dans les transports publics à  Genève, vous n’avez pas pu rater ce curieux clip à  base de bataille de polochons. Aux autres, il n’est jamais trop tard pour s’informer ! « Le festival transdisciplinaire sera transdisciplinaire ou ne sera pas » : on n’ose pas en douter. Entendu dans le tram après visionnage : « Original et tordu, tout comme j’aime ! ». Entre danse, théâtre, musique et performance, en voilà  un festival inclassable. Le mal est déjà  fait : notre curiosité est piquée à  vif. Et si la culture effraie encore, il est temps de se jeter à  l’eau !

 

Quelques morceaux choisis du programme de cette 4ème édition :

– la lecture de Claudine Galea, lauréate du Grand Prix de Littérature Dramatique 2011 : un «monologue de théâtre râpeux, politically uncorrect» (source : www.grutli.ch)

– Ivo Dimchev, artiste bulgare, et ses performances déréglées au-delà  des tabous

– «Traduire Manticore», pièce policière trilingue montée par le traducteur Mike Sens.

 

On ne manquera pas de jeter un Š“il voire deux sur ce pêle-mêle d’artistes suisses et internationaux, qui le temps d’un spectacle ouvrent leur univers au public ; ne serait-ce que pour le plaisir de passer un temps à  la Maison des Arts du Grütli, à  la fois oasis de culture et troublante réalité parallèle. On s’y sent vite chez soi, et le risque est grand de n’en pas vouloir ressortir. Fort heureusement, TR4NS investit tout le quartier ; rendez-vous aussi au Bâtiment d’Art Contemporain et au Zabriskie Point, petit kiosque vitré au rond-point de Plainpalais (mystère…). Pourquoi résister à  ce « chantier artistique rayonnant » que l’on nous promet ? Le pass journée qui permet d’assister à  trois spectacles la même soirée est à  26 CHF. En somme, la culture s’invite dans nos lieux de vie et à  un prix abordable : qu’on ne lui reproche plus d’être inaccessible.

 

Nathan, wie man ihn noch nie gesehen hat

Lessings Stück spielt in Jerusalem im 12. Jahrhundert, einer Zeit, in der Anhänger der drei monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) sich gerade in einem Waffenstillstand befinden, der jedoch bloss von kurzer Dauer ist. Nathan (Marcus Schäfer), ein reicher Jude, kehrt von einer Reise zurück und wird von Daja (Diana Dengler), der christlichen Gesellschafterin seiner Tochter, darüber in Kenntnis gesetzt, dass sein Haus in Brand geraten war. Seine Tochter Recha (Hanna Binder) wäre beinahe verbrannt, hätte sie nicht ein junger Tempelherr (Julian Sigl) aus dem Brand gerettet. Dieser war kurz zuvor vom Sultan Saladin (Oliver Losehand) begnadigt worden und dadurch zufälligerweise dem Tod entronnen. Später bittet der Sultan auf Anraten seiner Schwester Sittah (Boglárka Horváth), Nathan zu sich, damit dieser ihn von seinen Geldsorgen befreie. Doch als Nathan bei ihm eintrifft, fordert der Sultan ihn zu aller erst dazu auf, ihm die Weisheit zu demonstrieren, die das Volk ihm nachsagt. Diese zu prüfen, stellt Saladin ihm die Frage nach der wahren Religion. Nicht nur die Beantwortung dieser Frage, sondern auch die plötzlich entstandene Liebe zwischen Recha und dem Tempelherrn scheinen schwer lösbare Probleme zu sein.

 

Toleranz im Gaza-Streifen

Ein Stück, in dem Lessing für die gegenseitige Toleranz der Religionen plädiert. So manch einer erwartete hier die dieser Thematik angemessene Seriosität. Stattdessen verstand es Tim Kramer (Inszenierung), sowohl die Tragik als auch das Komische, das durchaus aus Lessings Werk zu lesen ist, einzufangen. Dank der Unterstützung durch Gernot Sommerfeld (Bühne), Natascha Maraval (Kostüme) und Heinz Fallmann (Musik) gelang es nicht bloss, diese anspruchsvolle Lektüre auf eine verständliche, menschliche Ebene herab zu brechen, sondern auch die Probleme der Moderne zu verdeutlichen und dem Zuschauer wieder einmal ins Gedächtnis zu rufen, dass mangelnde Toleranz nicht zwingend etwas Altertümliches, längst Vergangenes sein muss. Gernot Sommerfeld hat die Bühne in ein kleines Fleckchen im Gaza-Streifen verwandelt. Eine sowohl physisch als auch geistig unüberwindbare Mauer im Hintergrund und im Vordergrund ein verlassenes Trümmerfeld, das die friedliche, kriegsarme Welt repräsentieren könnte – das alles unterstreicht die Idee der Inszenierung.

 

Der Templer im Duschvorhang

Bis zu drei Texthefte, allesamt auf der Bühne verteilt, vorgelesene Regieanweisungen, plötzlich erschei- nende Charaktere, die mit keinem Wort im Stück erwähnt werden – diese Elemente der Inszenierung werden nicht jedem gleichermassen zusagen. Die Bandbreite der Adjektive, die für diese eigenartigen Ideen verwendet werden, wird wohl von “genial” bis hin zu “grotesk” reichen. Auch die von Natascha Maraval eingesetzten Kostüme, wie ein mit einem Kreuz verzierter Duschvorhang als Umhang des Tempelherrn, werden wohl nicht jedermanns Geschmack treffen, vielleicht sogar als “unverschämt” empfunden werden.

Da es sicherlich schwierig ist, unter diesen Bedingungen auch noch schauspielerisch zu überzeugen und dafür zu sorgen, dass das Stück amüsant, aber in keiner Weise trivial daher kommt, muss allen Schauspielern an dieser Stelle für ihre Leistung gedankt werden. Sie alle spielten ihre Rollen hervorragend, anders kann man es nicht ausdrücken. Besonders stach Marcus Schäfer hervor, der die Rolle des Nathan glanzvoll meisterte. Er repräsentierte den Menschen, den Lessing wohl darstellen wollte, der einerseits ein bedachter Geschäftsmann andererseits ein liebender Vater ist, grossartig. Des Weiteren fiel Julian Sigl als Tempelherr auf. Er spielte seine Rolle mit reichlich Vehemenz, die jedoch nicht übertrieben wirkte. Auch die blauäugige, plötzliche Verliebtheit in Recha nahm man ihm vollkommen ab. Zu guter Letzt muss David Steck, der nun schon seit 1988 festes Mitglied im Schauspielensemble St.Gallen ist, zu seiner Verkörperung des Derwisches Al Hafi gratuliert werden, denn er spielte seine Rolle nicht nur herausragend gut sondern auch sehr authentisch.

 

Somit lässt sich viel Positives über diese Aufführung sagen. Auch die Idee, die letzten Zeilen monologisch durch Nathan lesen zu lassen (siehe Bild), weil die übrigen Ensemblemitglieder vor den Bombenangriffen fliehen müssen, ist an und für sich gut, bloss die Tatsache, dass die Worte schlussendlich im Bombengedröhn ganz verloren gehen, ist überaus bedauernswert. Da das die einzig negative Kritik ist, die ich anzubringen habe, möchte ich abschliessend nur noch sagen, dass diese Inszenierung wieder einmal überaus gelungen ist, und möchte allen dringendst empfehlen, eine der verbleibenden Vorstellungen zu besuchen.

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Ideen für die Apokalypse

Recherchiert man im Netz zum Thema Maya-Kalender und Weltuntergang, wird man von Informationen überflutet. Was sich vereinfacht und einigermassen sicher sagen lässt: Die Maya hatten drei Kalender, die sie parallel benutzten. Einer davon ist der viel besprochene Kalender, der angeblich am 21. Dezember 2012 endet. Allerdings endet er gar nicht wirklich. Vielmehr wird der Kalender an diesem Freitag erstmals wieder am ursprünglichen Ausgangspunkt ankommen, quasi am Tag der Schöpfung. Das lässt viele Forscher zum Schluss kommen, dass am Tag der Wintersonnenwende im Jahr 2012 etwas Neues beginnt und etwas Anderes aufhört.

 

Niemand weiss es

Die Meinungen über den Kalender der Maya und den 21. Dezember 2012 gehen auseinander. Manche sagen nur wage, es sei das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Andere sind davon überzeugt, dass alles untergehen wird – die Erde und wir mit ihr. Dritte hoffen, dass der Dezember der Beginn einer neuen, einer positiveren Ära sein wird. Und schliesslich gibt es da neben Hunderten anderen Meinungen die Gruppe, die das alles als Blödsinn abtut. Der Kalender der Maya macht den 21. Dezember 2012 zwar zu einem speziellen Datum, aber was das genau heisst, kann niemand wissen. Alle Theorien, brüsten sie sich auch noch so sehr mit Belegen, basieren schlussendlich auf einer Glaubenseinstellung und dem Standpunkt, von dem aus man auf die Beweismittel schaut.

 

Die Löffelliste

Sollten wir nach dem 21. Dezember noch existieren, könnte es trotzdem sein, dass alles anders wird. Oder was ist, wenn die Welt wirklich untergeht und wir nur noch zwölf Monate zu leben haben? Was muss man einfach erlebt haben, bevor dieser Planet nicht mehr ist, oder bevor er nicht mehr so ist, wie wir ihn kennen? Als die Autorin verschiedensten Menschen aus ihrem Umfeld ebenjene Fragen stellte, zeigte sich, dass die meisten zwar zuerst an etwas Extremes wie Bungee-Jumping oder eine Fahrt in den Weltraum denken, sich dann aber doch auf ihre Bescheidenheit besinnen. Sie entscheiden sich für einen Sonnenaufgang am Meer. Für Sushi. Für eine hemmungslose Schneeballschlacht. Für ausgelassenes Tanzen. In der Serie “Das Ende ist nah” wird bis zum 21. Dezember 2012 jeden Monat die Tink.ch-Löffelliste erläutert. Eine Liste, die man unbedingt abgearbeitet haben sollte, bevor die Welt untergeht.

 

 

The Bucket List


Der Begriff der “Löffelliste” kommt vom Film “Das Beste kommt zum Schluss” (Original: “The Bucket List”) mit Morgan Freeman und Jack Nicholson aus dem Jahr 2007. Darin geht es um zwei todkranke Männer, die eine Liste mit Dingen schreiben, die sie vor ihrem Dahinscheiden noch erledigen möchten.

“60 Verrückte sind ein Riesenspass”

Wie geht’s euch?

Pierre Mathieu: Uns geht’s gut, aber wir sind hier auf einem Boot, das ist nicht der beste Ort für mich. Ich muss mich konzentrieren, dass mir nicht schwindelig wird.

 

War euch auf euren Konzerten schon mal etwas wirklich zu viel?

Greg Gozo: Na, wir haben wirklich schon alles gesehen. In Los Angeles waren wir auf einer Party, wo die Leute ihre eigenen Drogen gemacht haben.

Mathieu: Vor langer Zeit trafen wir ein Mädchen mit einer Flasche voller Pillen. Sie hat uns davon angeboten, wir haben aber abgelehnt. Wir haben schon sehr verrückte Momente mit unseren Fans, aber normalerweise sind es wirklich coole junge Leute, zwar etwas unter Drogen, aber ganz in Ordnung.

 

Die Mädchen wollen alle in eurem nächsten Video sein.

Gozo: Es haben schon welche an unsere Türen geklopft oder uns bei Konzerten gefragt. Als wir damals Mädchen gesucht haben für das Video haben sich so acht oder zehn gemeldet, was uns schon sehr erstaunt hat. Jetzt aber müssen wir den Mädchen absagen, jetzt sind sie zu spät. Wir werden das nächste Mal sicher was anderes machen.

 

Gab’s beim Videodreh zu “Baby Baby Baby” Probleme?

Mathieu: Nein, was uns sehr erstaunt hat. Wir hatten weder mit der Polizei Probleme, noch kamen Typen auf die nackten Mädchen zu. Wir waren sehr aufgeregt, haben es dann einfach mal versucht. Und es hat wunderbar funktioniert.

Gozo: Wir hatten Glück. Ich bin vorher noch mit dem Skateboard die Strecke abgefahren, denn normalerweise gibt’s in den Strassen immer Polizei zu Fuss. Zum Schluss haben wir dann schon welche gesehen.

 

Findet ihr’s langweilig, dass man euch immer nach dem Video fragt?

Mathieu: Nein, das Video war für uns sehr wichtig, denn ohne wären wir nicht da, wo wir jetzt sind. Wir sind uns dessen sehr bewusst. Dieses Video hat es uns ermöglicht, das wir seit drei Jahren Musik machen können. Wir haben zwar vorher schon Musik gemacht, aber nach “Baby” konnten wir plötzlich auf der ganzen Welt spielen.

 

Seid ihr denn ein One Hit Wonder?

Mathieu. Das war früher sicher ein Stück weit so, denn wir wurden alleine dieses einen Stück wegen gebucht. Das Lied war an sich ein Unfall, denn sonst haben wir Dinge produziert, die viel elektronischer und härter sind. Wir wurden dann in chice Champagner-Klubs gebucht, für die wir neben Baby keine passenden Songs hatten. Wir wollten natürlich spielen, aber viel härter. Es ist für uns schwierig, akzeptiert zu werden, denn jene Clubs wo wir eigentlich spielen wollten, haben uns nicht gebucht, denen ist Baby viel zu sehr Pop. Nach so vielen Konzerten wissen die Leute aber, was wir machen, eigentlich viel härtere Musik.

 

Welche Leute erwartet ihr normalerweise bei euren Konzerten?

Gozo: Junge Leute auf Drogen.

Mathieu: Wenn wir Leute mit Tattoos und Hüten sehen, dann wird’s gut, aber bei Leuten über 30 in hübschen Kleidern leeren wir das Lokal. Wir sind alt, das ist ein Problem. Wir wollten vor 25- bis 30-Jährigen spielen. Aber unsere Freunde kommen nie zu unseren Konzerten, die hassen unsere Musik, die eher etwas für 16- bis 25-Jährige ist.

 

Ist das Alter wichtig für euch?

Mathieu: Auf unserem Album sind auch softe Stücke, die eher für unser Alter sind. Die jungen Leute hingegen sehen uns live und erwarten auch auf dem Album harte Musik. Aber wir mögen halt auch ruhige Songs, die sind auf dem Album mit drauf. Das Album soll tanzbar sein, aber auch teilweise ruhig, denn auch dazu kann man tanzen. Wenn wir live spielen, geht’s aber schon richtig ab.

Gozo: Wir wollten ein Album machen, dass wir auch daheim hören möchten. Daheim würden wir uns nie eine Stunde Techno anhören. Das ist elektronische Musik für daheim.

 

Ein Blick auf den Titel eures Albums: “Everything Is Gonna Be OK In The End”. Ist es denn nun schon okay?

Mathieu. Ja, am Schluss schon. Das kann heute Abend sein. Soweit es noch nicht okay ist, ist es eben noch nicht das Ende.

 

Ihr habt auf eurem Album mit den Schweizern Solange la Frange gearbeitet.

Mathieu: Ja, deren Sängerin ist die beste Person, die wir in drei Jahren kennenlernten. Wir haben mit ihr in Chur gespielt. Wir haben uns damals gefragt, ob da überhaupt Leute kämen, ob die solche Musik hörten, so in den Bergen. Aber der Klub war voll, es war verrückt. Und sie war verrückt, mit Wodka auf dem Kopf, überall Tattoos, das ist eine echte Punk-Rockerin. Wir wurden Freunde und sie hat für uns die T-Shirts gemacht. Sie hat immer Superideen, die Arbeit mit ihr ist sehr inspirierend.

 

Ihr habt neulich getwittert, dass ihr die Schweiz liebt.

Mathieu: Die Schweiz ist so ein kleines Land, aber wir dürfen hier so oft spielen. In Frankreich gibt’s fünf grosse Städte, das ist es dann. Wir wissen vorher nicht, wie gross die Klubs sind, es kommt auch nicht drauf an. 1’000 Leute können langweilig sein, aber 60 Verrückte sind ein Riesenspass. Wir lieben auch Basel, einfach dieses Boot nicht.

 

Gozo: Wir konnten auf dem SXSW in den USA für Journalisten spielen. Das war auf einem Boot, so musste ich den Auftritt alleine absolvieren. Die Leute haben sich dann aber eh nicht für die Musik interessiert, die wollten einfach trinken. Ich habe dann vielleicht knapp 20 Minuten gespielt für 10 Leute, die mich nur komisch angeschaut haben.

 

Mathieu: Zusammen haben wir dann noch an dem Festival in einer Bar gespielt, um 16 Uhr! Stell dir das vor, unsere Musik in einer Bar, nachmittags. Da waren vielleicht 20 Leute, die auf eine Rock-Band nach uns gewartet haben und uns dann von der Bühne geschrieen. Wir haben auch in Miami gespielt, aber das war nicht so unser Ding. Miami ist sehr chic, eine Stadt für Champagner und grosse Ferraris. Wir haben vorher unser Ende erwähnt. Wir möchten mal am Coachella in Kalifornien auf der Hauptbühne spielen, um 21 Uhr. Dann können wir aufhören. Das ist ein gutes Ziel. Wir haben immer gesagt, das Coachella ist unser Ziel, dann haben wir gemerkt, dass kleine französische Bands dort bereits gespielt haben, aber auf kleinen Bühnen. So mussten wir unser Ziel etwas höher schrauben.

 

Gozo: Wir müssen dramatisch enden.

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