Gesellschaft | 05.12.2011

Ungewisse Zeiten für eine Berner Tradition

Text von Yannick Voser | Bilder von myswitzerland.com
Das Münster in Bern ist eines der dominantesten Bauwerke der Berner Altstadt und dessen ganzen Stolz. Seit 1983 wurde dieses auffallende und aussergewöhnlich schöne Gebäude in das UNESCO-Verzeichnis der Weltkulturgüter aufgenommen. Doch schon gewusst, dass sich im Turm des Münsters eine - vielen unbekannte - Turmwartwohnung versteckt?
Wohnung auf 100 Meter Höhe. Berner Tradition.
Bild: myswitzerland.com

Das Münster in Bern ist die grösste und wichtigste spätmittelalterliche Kirche der Schweiz. Doch das Münster hat noch mehr zu bieten. Nach 344 Stufen erreicht man nämlich eine Wohnung auf diesem 100 Meter hohen Turm – die Turmwartwohnung auf dem Berner Münster bildet einen wichtigen Bestandteil der Berner Tradition.

 

Schon seit dem 15. Jahrhundert ist die Turmwartwohnung bewohnt. Früher hatte diese Wohnung vor allem einen funktionellen Zweck und diente als Ausguck, um vorzeitig vor potenziellen Bränden zu warnen, welche die Stadt gefährdet hätten. Doch mit der Zeit ging dieser Brauch verloren. Heute ist das Berner Münster vor allem eine Kirche, ein Kunstwerk und eine Berner Sehenswürdigkeit. Die Wohnung existiert aber immer noch.

 

Wie lebt man auf dem Münster

Die Wohnung besteht aus vier Zimmern und ist auf zwei Stockwerke aufgeteilt, die jeweils 80 Quadratmetern Fläche bieten. Im unteren Stockwerk befinden sich die Küche, das Badezimmer, das Schlafzimmer und das Wohnzimmer. Der Gang ist neugotisch gestaltet, aus dunklem Holz. Im oberen Teil der Wohnung ist ein grosser, ungeheizter Raum, der mit einem atemberaubenden Gewölbe versehen ist.

 

Zuletzt hat der Berner Peter Probst in der Turmwartwohnung gehaust. Jedoch musste er im März 2007 ausziehen, wegen Renovierungsarbeiten am Münster. Probst hat daraufhin eine kleine Geschichte verfasst, über den Münsterturm und seine Turmwächter. Das Buch trägt den Titel: “Leben auf dem Berner Münster”.

 

Welche Zukunft für die Münsterwohnung?

Doch die Räumlichkeiten, die sehr wahrscheinlich als höchstgelegene Wohngelegenheit in Bern fungiert, bleiben nicht ungenutzt. Während den Renovierungsarbeiten, die voraussichtlich bis spätestens Ende 2014 dauern, wird das obere Stockwerk als Aufenthaltsraum, Materiallager und Baubüro der Münsterbauhütte gebraucht. Im unteren Teil hat Marie-Therese Lauper ihr Büro untergebracht. Sie ist im Moment Turmwartin und stellvertretende Sigristin. Als Turmwartin hat sie die Verantwortung für den Turm, dessen Sicherheit und Sauberkeit.

 

Noch ist ungewiss, ob die Wohnung nach den Renovationsarbeiten wieder als exklusives Zuhause dienen kann oder nicht. Die Verantwortlichen der Turmwartwohnung und der Renovierungsarbeiten möchten noch keinen definitiven Entschluss fassen, was mit der einzigartigen Wohnung in Zukunft passieren wird. Auf jeden Fall ist klar, dass durch den Auszug des ehemaligen Turmwarts ein ganzes Stück Tradition verloren gegangen ist, das man so nicht mehr antreffen wird.