Gesellschaft | 04.12.2011

Statuen, Gespensterschrecken und ein nackter Mann

Text von Matthias Käser
Bereits fünf Tage sind auf meinem abenteuerlichen Kurztrip vorbei. Halbzeit. Nach Deutschland und Holland geht es nun weiter nach Belgien, Luxemburg und Frankreich. Die selbsterklärten Regeln sind dieselben: Autostop, Couchsurfing und Spontaneität! Parties mit Überraschungen, der DJ Bobo-Assistentin und pinkelnden Statuen...
Luxuscouch - Couchsurfing mit Stil. Die lebende Pflanze aka die Gespenstschrecke, ein gut getarntes Insekt. Fotos: Matthias Käser

Nach meinem Aufenthalt in Amsterdam reise ich am Montag nach Brüssel. Der Gastgeber zeigt mir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der belgischen Hauptstadt. Die alten Gebäude in der Altstadt blieben seit über hundert Jahren unverändert. Gerade was die Architektur angeht, ist die Stadt sehr sehenswert. Jetzt in der Weihnachtszeit hat Brüssel einen überaus grossen Weihnachtsmarkt.

 

Beim Schlendern durch die Gassen zeigt mir mein persönlicher Stadtführer natürlich auch das Manneken Pis, eine Statue eines kleinen Jungens, der in einen Brunnen pinkelt. Was aber viele nicht wissen: es gibt ein weibliches Pendant in einer Sackgasse, das Janneken Pis. Die lieblich dargestellte Figur lässt auf eine aufgeschlossene Gesellschaft in Brüssel schliessen, denn ich persönlich würde eine solche Figur nicht tolerieren. Mein Gastgeber zeigt mir auch das Delirium Tremens, die Bar mit den meisten verschiedenen Biersorten der Welt. Sie bietet sogar Schweizer Biere an, die selbst ich nicht kenne. Es wird spät.

 

Lebende Pflanzen

Dienstags bin ich in Luxemburg. Hier werde ich von einem Geschäftsmann beherbergt, der noch jung geblieben ist. Sein Hobby ist das Jonglieren und die Akrobatik. Er trainiert momentan für den Cirque du Soleil, einen weltbekannten Zirkus. Natürlich bitte ich ihn darum, mir etwas zu zeigen und bin begeistert. Am Tisch bemerke ich auf einmal eine etwas sonderbare Pflanze. Er meint, ich solle sie mir mal genauer ansehen. Ich erschrecke, als sich die Pflanze plötzlich etwas bewegt. Nun erkenne ich, dass es sich um mehrere Insekten handelt. Es sind Gespenstschrecken, die sich perfekt tarnen, da sie aussehen wie trockene Blätter. Ich bin fasziniert von den Tieren. Bevor ich schlafen gehe, sagt er mir noch, dass die Tiere manchmal ins Bett krabbeln. Na dann, gute Nacht!

 

Butterbrötchen im Ausgang

Die letzte Reise geht nach Strassburg. Auch hier lande ich wieder in einer WG von Studenten. Zuerst schauen die Gastgeberin und ich uns den ersten Teil von Star Wars an. Ich hätte nie gedacht, dass eine Frau ein so grosser Fan von Science Fiction sein kann. Dann geht es an eine Biologie-Party. Im Vorfeld denke ich mir, dass dies wohl ein gemütlicher, ruhiger Abend sein wird. Falsch gedacht. Die Leute machen bei jedem Song voll mit und es herrscht allgemein eine feucht-fröhliche Stimmung. Als ich mich etwas umsehe, erschauere ich plötzlich. Da steht doch tatsächlich ein nackter Mann hinter der Theke. Später begibt er sich in die Menge um Brötchen mit Butteraufstrich zu verteilen. Für die Leute hier scheint dies völlig normal zu sein. Ich finde es witzig und merke, dass man auch in Frankreich feiern kann. Da erscheint es nicht sonderbar, wenn auch in der letzten Nacht der Schlaf zu kurz kommt.

 

Zehn Tage und Lust nach mehr

Nach zehn anstrengenden Tagen ziehe ich Bilanz. Ich bin froh, dass ich endlich wieder in der Schweiz bin. Ich war in über 30 Autos mitgefahren. Mal im Stau gestanden, mal mit Rauchern unterwegs. Ein Hund hat mich geschnellt, weil er keine Fremde im Auto mag. Ein anderer Fahrer versuchte mich zu einem Gottesdienst mitzunehmen. Wieder andere waren zu viert in einem kleinen Auto mit viel Gepäck und nahmen mich trotzdem mit – überflüssig zu erwähnen, dass es ausgesprochen eng war. Auch die Assistentin von DJ Bobo nahm mich ein Stück weit mit, sowie ein Lastwagenfahrer, der schon viel zu lange unterwegs war.

 

Während dieser Zeit habe ich sehr viele Leute kennengelernt und mich auch in den Disziplinen Autostoppen und Couchsurfen geübt. Es war ein Riesenspass und ich kann jeder und jedem empfehlen, es auch auszuprobieren. Zum Glück hatte ich kein einziges schlechtes Erlebnis, obwohl ich manchmal etwas unvorsichtig war. Ich werde sicherlich weitere solche Reisen unternehmen.

 

 

Fortsetzung folgt


Auch Lust auf Couchsurfing und Autostoppen gekriegt? Nächste Woche verrät euch Tink.ch-Reporter Matthias die wichtigsten Tipps und Tricks für solche Reisen.

Auf die Reise, fertig, los!