Kultur | 20.12.2011

Eine dunkle Welle

Text von Julian Stiefel | Bilder von Julian Stiefel.
Tanz, Feuer und Musik liefert die erfolgreiche deutsche Dark-Pop-Band Blutengel an ihren Konzerten. Passend zur Jahreszeit brachte sie am vergangenen Mittwoch die düstere Atmosphäre ins X-Tra in Zürich. Eine Party der etwas anderen Art.
Musik für Vampire: Chris Pohl und seine Band Blutengel.
Bild: Julian Stiefel.

Die Band Blutengel gilt als erfolgreichster deutscher Vertreter des Dark Pop. Ihre Musik verbindet unterschiedliche Welten und Genres miteinander. Die düsteren Songtexte werden begleitet von elektronischem, minimalen Sound zwischen Future Pop, Elektro und Industrial. Die tiefe und kraftvolle Stimme von Sänger Chris Pohl ergänzt die dunkle und sehnsuchtsvolle Atmosphäre. Begleitet wird Pohl dabei von den Sängerinnen Ulrike Goldmann und Anja Milow. Blutengel ist ein Musterbeispiel für den Dark Pop, eine in den späten 70er Jahren entstandene Spielart des Dark Wave, der mit Bands wie Joy Division oder The Cure seinen Anfang nahm.

 

Eine anspruchsvolle Show

Zu den Auftritten von Blutengel gehören anspruchsvolle Tanz- und Feuershows. Um Chris Pohl gesellen sich zahlreiche Tänzerinnen, welche einen interessanten Kontrast zum Sänger setzen. Blutengel schreckt an ihrem Konzert auch nicht vor einer Prise Fetisch-Erotik zurück, was manch ein Zuschauer schockieren könnte. Was etwas niveaulos wirkt, wird durch die sprachlich  harmlosen Songtexte wieder wettgemacht. Mit Ihrer Zuwendung zum Publikum wirken Blutengel und Chris Pohl sympathisch. Man gerät hier als Zuschauer nicht ungewollt in ein obskures Ritual, sondern in eine gut durchgeplante Show. Auch von Pyrotechnik und Videoprojektionen wird Gebrauch gemacht.

 

Eine Horrorgeschichte

Zentrale Themen der Band sind romantische Horrorgeschichten um Vampire, Tod und das ewige Leben. Was im ersten Augenblick etwas einseitig wirkt, setzt der Musik aber keine Grenzen. Jede Band hat ein zugrunde liegendes Thema. Blutengel arbeitet die Gestalt des Vampirs im 20. und 21. Jahrhundert auf. Manchmal wird explizit visuell und textlich darauf zurückgegriffen, ein anderes Mal kann man den Zusammenhang nicht einordnen. Gekonnt werden englische und deutsche Texte verwendet. Sogar Balladen findet man neben den Elektro-Sounds im Repertoire von Blutengel.

 

Chris Pohl, der stets im Anzug auftritt, führt ein halbes Dutzend Projekte. Blutengel ist 1999 in Berlin aus der Vorgängerband Seelenkrank hervorgegangen. Bei seinem neueren Projekt Miss Construction ist Pohl als Songwriter und Produzent tätig, erscheint aber nicht auf der Bühne. Vieles haben die Projekte gemeinsam: Sie setzen sich aus Elektro-Sound zusammen und könnten alle das “Parental Advisory” Logo tragen.

 

“Tränenherz”-Tour

Das Konzert am vergangenen Mittwoch im X-Tra war Teil der Tränenherz-Tour. Unter anderem wurden schon einige Songs der Winter-Special-CD “Nachtbringer” vorgeführt. Das Album ist mittlerweile erschienen. Blutengel hat es in den letzten Jahren geschafft, im Mainstream anzukommen, ohne sich musikalisch zu beugen. Auf ihrer Webseite heisst es, dass Popmusik und Fantasy ein gutes Paar abgeben, und dass es eine so viel interessantere Welt jenseits der Boys meets Girl-Hohlformeln zu entdecken gibt. Die “Dunkle Seite” besitzt einen enormen Massenappeal. Blutengel wird auch in Zukunft mit ihrer cluborientierten Musik das Publikum in die Welt der Vampire entführen.