Gesellschaft | 22.11.2011

Willkommen im digitalen Leben

Text von Daria Moor | Bilder von Stapferhaus
Nachdem beim Empfang bereits der Eintritt bezahlt wurde, schreitet man zur Garderobe, die ein paar Meter nebenan liegt und zieht die Schuhe, die Jacke und das Gepäck aus, denn das lässt man einfach da, bis man sich die ganze Ausstellung angeschaut hat. Dann betritt man mit den von der Ausstellung bequemen geschenkten Socken die einzelnen Kinoräume.
Die Ausstellung ist noch bis zum 27. November zu sehen.
Bild: Stapferhaus

Im ersten finsteren Raum stellt sich Tim Candrian 19 Jahre alt und Ego-Shooter Spieler vor. Auf dem Flachbildschirm wird gezeigt, wie Tim an seinem Fernseher sitzt und ein Killergame spielt. Er erzählt vom Ablauf des Spiels: “Während dem Spiel muss man schon eine gute Augen und Hand Koordination haben”, berichtet Tim, als sein Avatar im Spiel gerade wieder mit seinem Gewehr und angezogen als Soldat gnadenlos feindliche Soldaten abknallt. “Taktisches Denken sollte man auch haben, denn wenn man Fehler macht, muss man wissen, was es war, damit man daraus lernen kann”, spricht Tim weiter. “Es ist so als wenn man sich ins Spiel einstecken würde und dann auch im Spiel drin wäre”, schliesst er.

 

Tim Candrians Mutter sagt dazu, dass er mit elf zwölf Jahren begann sich für Spiele zu interessieren. Das ging sechs Jahre lang so weiter mit seiner Sucht. Aber mit achtzehn Jahren, als er die Ausbildung zum Informatiker absolviert hatte, ass er auch wieder regelmässiger mit der Familie am Tisch und spielte nicht mehr praktisch den ganzen Tag lang Killerspiele. “Es war nicht immer einfach, aber wir haben es überstanden”, spricht die Mutter. “Eine Zeit lang habe ich mich schon gefragt, was der Grund dafür sein könnte, dass Tim nicht mehr von diesem Spiel loskommt”, sagt sie. So viel zu Tim Candrian.

 

Spielsüchtiger Familienvater

Im nächsten Raum lief eine Video über Steve Bass 42 Jahre alt und World of Warcraft Spieler. Im Gegensatz zum vorherigen Gamer spielte er acht bis neun Stunden am Tag World of Warcraft. Steve ist Ehemann und Familienvater von einem Sohn und zwei Töchtern, die im Video auch vorgestellt werden. Man wählt in diesem Spiel irgendeinen Spieler zum Beispiel einen Muskelbepackten Mann mit einem Wolf als Begleiter aus und trifft auf andere Figuren, die darin vorkommen. Die werden von Personen aus aller Welt, die auch gerade am Spielen sind gesteuert. So kann er dann währen des Spiels mit wildfremden verschiedenen Leuten gleichzeitig chatten.

 

Ging Steve nach acht- bis neunstündigem Spiel ins Bett, hatte er immer noch Bilder davon im Kopf. «Wenn ich mich auslogge, läuft die World of Warcraft weiter«, sagte er. Seine Ehefrau meint dazu Folgendes: «Er hat es sehr intensiv gespielt. Aber trotzdem nahm er Rücksicht auf die Familie, indem er nur abends spielte, als seine Kinder im Bett lagen«, erzählte sie. «Am Anfang fand ich es gut doch dann fragte ich mich, ob wir uns auseinander gelebt hatten.« Anstatt, dass es ja nur wegen seiner Spielsucht schlimmstenfalls zu einer Scheidung gekommen ist, diskutierten Steve und Daniela über seine Sucht. Mit dem positiven Endresultat, dass ihr Ehemann immer seltener und kürzer World of Warcraft spielte. Seinen zwölf Jahre alten Sohn störte die Spielsucht seines Vaters nie. «Er kann ja machen, was er will«, lautete sein Kommentar. Die zwei Töchter sagten im Video nichts.

 

Andere Wege, das Internet zu nutzen

Die 32 Jahre alte Martina Heeb, Online Campaignerin geht dahin wo die Leute sind. Sie macht Engagements über die Online Tools. Ihr Lieblingsprojekt ist ein sogenannter Widersang, den sie für das Ausschalten der Atomkraftwerke geschrieben hat. Gegen den Atomstrom. In ihrer Freizeit fährt sie gerne Velo und Ski, weil sie gerne den Wind in ihrem Gesicht spürt. Wie sie wörtlich selber sagt.

 

Stieg man die Treppe in das obere Stockwerk hinauf, standen Hocker mit abhörbaren Kopfhörern herum. Zahlreiche Fragen wurden da an Fachleute gerichtet. Dann konnte man einfach die entsprechende Frage drücken und die Antwort der Fachpersonen hören. Zum Beispiel stand da: «Vernetzter oder gehetzter?« oder «sozialer oder egoistischer?« Diese Fragen beschäftigen. Vor allem, weil es heute fast nur noch digital voran geht. Mit Computern, Fernsehern oder Smartphones.

 

«Wie verändert die Digitalisierung unsere Schulen?« war eine Frage. Jürgen Oelkers ein Medienwissenschaftler, Dominik Petko ein Medienpädagoge und Thomas Merz–Abt, auch ein Medienpädagoge beantworteten die Frage. «Grundsätzlich sollen digitale Medien zur Verfügung stehen. Aber auch Soziales muss gefördert werden. Sowie bei Kindern das gemeinsame Spielen im Wald«, erklärten sie.

 

Und zu guter Letzt beim Thema Wissen und Denken stand der Spruch:

“Wissen ist Macht.” Vom Brockhaus zu Wikipedia. Denn da kann jeder sein Wissen reinschreiben. Die Menschheit ist eigentlich intelligenter geworden. “Wir müssen uns vor zu vielen Informationen wehren. Das mussten wir vor Hundert bis Tausend Jahren noch nicht.” Lutz Jäncke schrieb im Buch “Home – Willkommen im digitalen Leben”: “Unser Gehirn hat eine beschränkte Kapazität Informationen zu verarbeiten und zu sammeln.” Wahrscheinlich meint er das wegen der Medien- und Informationsflut.

Ein Beispiel: Wenn man sich stundenlang im Internet durchklickt und trotzdem nicht das gefunden hat, was man ursprünglich wollte. Das wäre deprimierend und sinnlos.

 

Fazit

Es ist super, dass man egal, wo man sich aufhält, Informationen direkt aus dem Internet abrufen oder bei einem iPad alles machen kann. Doch eine Welt, die nur noch aus technischen, digitalen Robotern besteht, hört sich wirklich nicht gut an. Solange man es mit diesen Geräten nicht übertreibt oder nicht in eine Sucht gerät, wie Tim und Steve es gehabt haben, sind diese Erfindungen einfach genial.