Gesellschaft | 29.11.2011

Weihnachten vor Halloween

Du betrittst an einem sonnigen, warmen Herbsttag mitten im Oktober die Migros. Positiv eingestellt, denn schliesslich ist die Einkaufliste so kurz, dass dir beim Taschentragen nicht gleich die Arme abfallen. Pfeifend schlenderst du durch die Regale hindurch, bis du plötzlich abrupt stehen bleibst.
Weihnachten das ganze Jahr hindurch -“ warum denn nicht?
Bild: Val Lawless/stockvault.net

Vor deiner Nase türmen sich fette Schokoladenweihnachtsmänner, deren Grinsen bis zu den Ohren reicht. Daneben zwei Haufen an Zimtkeksen und Geschenkpapier, dessen Schimmern sich gegenseitig zu übertrumpfen versucht. Kurz schliesst du die Augen, atmest tief durch und öffnest sie wieder, da du nicht glauben kannst, was du gerade gesehen hast. Doch da ist sie wieder: Die Realität.

 

Geschäfte beginnen immer früher mit dem Werben für das Fest der Liebe. Obwohl doch Halloween erst in zwei Wochen an der Reihe ist. Und nach dem Tag des Gruseln müssen die Kinder noch mindestens 56 Mal schlafen, bis die Glöckchen klingeln. Wo steckt hier der Sinn? Gebackene Kürbiskerne verkaufen sich wohl nicht so gut wie Weihrauchkerzen. Der Ursprung liegt sicher bei jemandem, der die Schnauze voll hatte von bunten Blättern, seine Freude an trällernden Tannenbäumen entdeckte und fand, dass er diese ab sofort allen mitteilen muss. Und wie könnte man dies besser vermitteln, als in einem Lebensmittelgeschäft, in dem Hunderte von Leuten ein und aus gehen. Oder es war eine unterbeschäftigte Kundin, die sich beschwerte, weil ihr langsam die Geschenkideen ausgingen, sie aber trotzdem die Besorgungen für die Enkel so bald wie möglich erledigt haben möchte. Wieso auch nicht.

 

Das Grundprinzip des Konkurrenzdenkens lautet: Wenn jemand eine tolle Idee in die Tat umsetzt, muss man dies ebenso tun muss. So hat sich der frühe Weihnachtsverkauf selbst lanciert und sich zu einer der fragwürdigsten Traditionen des Verkaufs entwickelt.

 

Jetzt stellt sich aber die Frage: Wieso beginnt man nicht gleich nach dem Sommerschlussverkauf mit dem Aufstellen von Weihnachtsbäumen und Elchen mit roten Nasen? Oder noch viel besser: Im Sommerschlussverkauf die Schnäppchen als Weihnachtsgeschenke anbieten. Damit man die Geschenke schon frühzeitig hat und im Dezember nicht in den Stress kommt und das alles zu einem sagenhaften Preis. Das wäre Mal eine Geschäftsidee.