Kultur | 15.11.2011

Mehr als Strand und Shopping

Angefangen hat alles mit einer Reise nach Venezuela von Freunden, die nicht nur baden, sondern auch einen tieferen Einblick in das Land erhalten wollten. Aus der Studentenidee wurde ein Verein, der heute sein fünfjähriges Bestehen feiert. Initiative for intercultural Learning, kurz IFIL, will das interkulturelle Verständnis fördern. Und statt Bücher aufzuschlagen lernen die Teilnehmer direkt vor Ort.
Kalligraphie-Workshop in China.
Bild: zVg Reiseorganisatorin Alexandra Bär (links) zVg IFIL-Vorstandsmitglied Lukas Fiechter. Raphael Moser

Mit rund sechs Reisen pro Jahr bietet der Verein Initiative for intercultural Learning (IFIL) Studenten und jungen Berufstätigen die Möglichkeit, weit entfernte Gegenden der Welt zu erkunden. Nicht verloren auf eigene Faust, sondern zusammen mit einer Reisegruppe und erfahrenen Gruppenleitern. Zwei bis drei Wochen verbringen die Teilnehmer in Israel/Palästina, Mexiko oder Kenia und profitieren dabei von einem abwechslungsreichen Programm. Auf jeder Reise sollen kulturelle, soziale, wirtschaftliche, politische und historische Themen des Landes eine Rolle spielen.

 

Junge Experten

Die Gruppenleiter sind jedoch keine weisshaarigen Reiseführer sondern engagierte junge Studenten, die oft eine spezielle Bindung zu ihrem Reiseland haben. So auch Alexandra Bär. Die 23-jährige Aargauerin organisierte im September 2011 eine Reise nach China. “Ich habe mit 16 Jahren ein Austauschjahr in China gemacht – nun wollte ich, dass andere von meinen Erfahrungen profitieren können”, so die junge Studentin. Sie präsentierte der IFIL ein erstes Konzept, welche dann entschied, ob sie diese Reise durchführen und unterstützen.

 

Eine Reise zu organisieren ist schwieriger als man denkt. Deshalb ist es wichtig, das Land bereits zu kennen und über persönliche Kontakte zu verfügen. Bei der Planung der Reise achtete Alexandra Bär vor allem auf ein vielfältiges Programm. So besuchten die Teilnehmer die Firma Siemens, trafen Politiker und Professoren und nahmen an einem Kalligraphie-Kurs teil. Absolutes Highlight war der Besuch des SOS Kinderdorfs in Urumqi in der Provinz Xinjiang, wo die Schweizer Jugendlichen von einer Schar klatschender und jubelnder Waisenkinder empfangen wurden.

 

Unterstützung aus dem Hintergrund

Der Hauptorganisator dieser Reisen ist demnach nicht IFIL, sondern die Studenten selber. “Wir verstehen uns als eine Plattform, die die Reiseorganisatoren bei der Planung unterstützt.”, sagt Lukas Fiechter, Vorstandsmitglied des jungen Vereins. Dabei stehen sie den Studenten beratend zur Seite, machen sie auf Hindernisse und heikle Situationen während der Reise aufmerksam und helfen bei der Ausarbeitung des Budgets. Risikoanalysen zeigen, ob gewisse Programmpunkte durchgeführt werden können oder nicht.

 

Für Alexandra Bär ist es der Austausch, der im Mittelpunkt der Reisen steht. “Wenn man alleine mit dem Rucksack durch ein Land reist, hat man mehr Schwierigkeiten interessante Personen wie Politiker, Botschafter oder Professoren zu treffen.”, erklärt sie. Lukas Fiechter ergänzt: “Wir wollen jungen Menschen die Möglichkeit geben, an Orte hinzugehen, die sie alleine wohl kaum besuchen würden oder könnten.” 2009 gehörte der Verein zu den Gewinnern des Intercultural Innovation Awards, einem Preis der Allianz der Zivilisationen der UNO, welcher innovative Ideen im Bereich Interkulturelles Verständnis auszeichnet.

 

Neu: Schweizerreise

Für den Frühling hat IFIL bereits die nächste Reise geplant. Dieses Mal jedoch in der Schweiz. Während zwei Tagen sollen die Unterschiede zwischen Stadt und Land aufgezeigt werden und die Teilnehmer auf unbekannte Aspekte des Heimatlandes sensibilisiert werden. Auf der IFIL Homepage kann man sich direkt anmelden, einige Plätze sind noch frei.

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