Gesellschaft | 14.11.2011

Japan ist ein gefährliches Land

Text von Patricia Lenz | Bilder von Patricia Lenz
Geht man als Tourist nach Japan, ist man meist von der Andersartigkeit der Schrift völlig überwältigt. Unbekannte Schriftzeichen überall; teilweise prangen sie übergross an den Gebäuden. Nach dem ersten Schock kann man sie aber ganz gut als Ornamente abtun und ignorieren. Bleibt man jedoch länger oder erlernt gar die Sprache, gelingt dies nicht mehr so reibungslos.
Im Land der aufgehenden Sonne wird einem erklärt, wie man sich vor Zügen schützt, wenn man aufs Gleis gefallen ist.
Bild: Patricia Lenz

Den grössten Teil der Schilder machen dabei neben der Werbung die Warnungen aus. Egal wo man hingeht, man wird gewarnt. Die ersten neuen Schriftzeichen, die ich in Japan gelernt habe, waren die beiden Zeichen für “Vorsicht”. Geht man zum Beispiel zum Bahnhof und möchte beim Automaten ein Ticket herauslassen, so hat es daneben eine akribische Anleitung. In Japanisch; wobei hier ausser Acht gelassen wird, dass die Einzigen, die damit nicht klar kommen, sowieso nur sprachunkundige Ausländer sind. Nachdem man das Ticketgate durchquert hat, geht man zur Rolltreppe. Diese ist an den Seiten mit Warnungen wie “Bitte stolpern Sie nicht”, “Vorsicht, lassen Sie nicht ihre Schlüssel in die Ritzen fallen”, “Nehmen Sie Kinder bei der Hand” und mein ganz persönlicher Favorit: “Vorsicht, bleiben sie nicht mit ihrem Schuhabsatz in den Rillen stecken”. Gleichzeitig warnt eine Stimme ab Band in regelmässigen Abständen mit einem höflichen “Vorsicht”. Verlässt man die Rolltreppe, wird man von Schriftzeichen am Boden dazu ermahnt, ja nicht stehen zu bleiben. Gleichzeitig wird man auch vor überhasteter Eile gewarnt, da dies gefährlich sei.

 

Wie man Züge überlebt

Nun befindet man sich auf den Bahnsteigen, wo die Türen der Züge sowie die Richtung, in die man sich anstellen soll, auf dem Boden eingezeichnet sind. Der Rest ist zum Beispiel bei der Monorail mit einem Metallzaun abgesperrt. An diesem hängen zahlreiche Warnschilder, unter anderem eine genaue Anweisung, was man tun soll, wenn man auf die Geleise fällt. Die Einschienenbahn ist nämlich unten etwas schmaler, man kann sich zwischen Bahnsteig und Schienen hinkauern. Auf diese Weise überlebt man einen einfahrenden Zug.

Hat man auch diese Gefahr überstanden und ist erfolgreich in den Zug eingestiegen, wird man zuerst durch Piepen dann durch eine Stimme gewarnt, dass sich die Türen schliessen. Auf diesen kleben Warnungen für die Kinder, sich nicht die Hand einzuklemmen. -¨Man nimmt Platz, ein Schild gegenüber warnt, dass sich die Stehenden bitte festhalten sollen. Ist man in einem Bus, gibt es an jeder Rückenlehne einen Aufkleber, worauf man aufgefordert wird erst aufzustehen, wenn sich die Türen öffnen. Desweiteren befindet sich an beinahe jedem Fenster den Hinweis, ob es ein Notausgang sei oder nicht und jeder Stopp-Knopf ist mit dem Satz: “Bitte drücken Sie hier, wenn sie aussteigen wollen.” beschriftet.

 

Alles dabei?

Bei jeder grösseren Haltestelle wird man zusätzlich daran erinnert ja nichts zu vergessen. Dieses Muster zieht sich durch alles Verkehrsmittel. Selbst in den Museen werden die Besucher in regelmässigen Abständen mit Durchsagen darauf aufmerksam gemacht. Zusammen mit den zahlreichen anderen Warnungen, den vielen “Vorsicht”-Schildern, bei denen oftmals nicht einmal klar ersichtlich ist, wovor gewarnt wird, gewinne ich langsam den Eindruck, dass Japan ein sehr gefährliches Land sein muss.