Gesellschaft | 01.11.2011

Frisch und handlich

Text von Adrian Mangold
Basel hat ein neues Mitglied in der Medienlandschaft - die "TagesWoche". Für Gewisse ist es eine "Anti-Basler Zeitung", für andere eine simple Alternative. Doch was hat das neue Blatt, was andere nicht haben?
Nicht zu gross und nicht zu klein: Das Format der "TagesWoche" gefällt.

Die Erwartungen waren gross, als am letzten Donnerstag die “TagesWoche” enthüllt worden war. Mit einem grossen Fest, viel Freibier und Gratisexemplaren begrüsste man die neue Zeitung im Unternehmen im Herzen von Basel. Bereits am nächsten Tag lagen die frischgedruckten Ausgaben in den Briefkästen der Abonnenten. Doch kann die “TagesWoche” die Erwartungen erfüllen?

 

Ein indirektes Kind der “Basler Zeitung”

Alles fing vor rund einem Jahr an. Im Sommer 2010 wurde mit der Verpflichtung des ehemaligen «Weltwoche«-Journalisten Markus Somm Stimmen in Basel laut, dass die einzige Basler Zeitung von den Zürchern übernommen wurde. Ein halbes Jahr später gab es Gerüchte über ein Coaching von SVP-Stratege Christoph Blocher bei der Basler Zeitung, was Tage darauf bestätigt wurde. Mit der Bekanntgabe der Verpflichtung von Christoph Blocher wurde kurzerhand eine Petition gegen ihn lanciert und vor dem Hauptsitz der Basler Zeitung (BaZ) demonstrierten dutzende Menschen. Viele hatten nun Angst, dass sich die BaZ nun politisch rechts positionieren würde. Durch die schnelle Übernahme im November 2010 von Crossair Gründer Moritz Suter, verklangen dann schnell die kritischen Stimmen in Basel. Doch ehemalige BaZ-Mitarbeiter gaben nicht auf und schlossen sich zusammen. Gemeinsam starteten sie ein neues Zeitungsprojekt, welches nun seit letzten Freitag druckfrisch jede Woche erscheinen wird.

 

Interessanter Ansatz

Schlägt man die erste Ausgabe der “TagesWoche” auf, fällt einem auf den ersten Blick das ungewöhnliche Format auf. Sie ist kleiner als eine normale Tageszeitung, aber grösser als eine Pendlerzeitung. Sie ist weder zu gross noch zu klein. Und ganz ehrlich: Die “TagesWoche” ist somit richtig handlich. Dass sie geheftet ist, macht die Sache noch komfortabler. Bereits auf der siebten von 63 Seiten findet man den Slogan der “TagesWoche”: “Mehr als eine Zeitung”. So gewagt der Spruch ist, so experimentierfreudig ist die Redaktion. So will die “TagesWoche” versuchen, die gedruckte Zeitung so stark wie möglich mit der Onlinewelt zu verknüpfen. Zum Beispiel kann der Leser online seine eigenen favorisierten Themenbereiche zusammenstellen. Das führt dazu, dass dann nur die Artikel auf der Hauptseite erscheinen, die den Leser interessieren.

 

Alternativ kann der Leser auch online an zukünftigen Artikeln aktiv mitarbeiten oder mit einem fünfstelligen Webcode, welcher unter allen Artikel in der gedruckten Ausgabe steht, direkt auf den Onlineartikel zugreifen. Auch die Redaktion soll mit dem Leser eng verbunden sein, so kann man mithilfe des grünen Dreiecks auf der Homepage direkten Draht zur Redaktion aufnehmen.

 

Eine gute Alternative

Die “TagesWoche” steckt noch in den Kinderschuhen. Als ernsthafte Konkurrenz der “Basler Zeitung” sollte man sie noch nicht sehen. Trotzdem macht sie einen frischen Eindruck und versucht, Neues mit Traditionellem zu vermischen. Der Ansatz, dass eine Zeitung hauptsächlich im Netz verfügbar ist, ist äusserst interessant. Natürlich hat die “TagesWoche” das Rad nicht neu erfunden, dennoch wird sie eine gute Alternative zur herkömmlichen “Basler Zeitung” sein.