Kultur | 22.11.2011

Ein Medium fürs 21. Jahrhundert?

Text von Bernhard Marsden | Bilder von zVg
Manch einer mag sich fragen, ob das Buch im digitalen Zeitalter überhaupt noch eine Rolle spielt. Der Besuch der BuchBasel liefert zu dieser Frage eine Antwort, die sowohl ein breites wie auch anspruchsvolles Publikum zugleich befriedigen dürfte.
Mehr als nur Bücher: Die BuchBasel zeigt Wege für die Zukunft des Buchmarktes auf.
Bild: zVg

Sofort zu Beginn der vom 18. bis 20. November währenden Messe fällt nämlich auf, dass das Medium Buch nicht unbedingt nur in der altbekannten, gebundenen Form existiert, sondern die digitale Revolution durchaus mitgemacht hat. Sony beispielsweise bietet während der Ausstellung bei dem Basler Kulturhaus Bider & Tanner seinen neuen “E-Book Reader” an. Dieses leicht in der Hand liegende Gerät erlaubt des, bis zu 1200 verschiedene Bücher gleichzeitig zu speichern. Die Werke sind jederzeit abrufbar und müssen nicht mehr mitgeschleppt werden. Dank einem hochauflösenden Display in Papieroptik vergeht der Lesespass nicht einmal bei starkem Sonnenlicht. Notizen zu interessanten Stellen kann man sich per Touchscreen sofort machen und unklare Begriffe  schlägt man in Wörterbüchern sowie im Internet in Sekundenschnelle nach. Durch Sonys “E-Book Reader” ist das Buch also nicht nur auf dem neusten Stand der Technik angekommen, sondern präsentiert sich auch als überaus komfortabel in originellem Design, das in Zukunft durchaus noch mehr Beachtung finden dürfte.

 

Alles rund ums Buch

Komfort scheint auch der Firma Betten Thaler wichtig gewesen zu sein, welche mit ihrem “Lesebett” eine Kuriosität der Ausstellung anbietet, die in ziemlich starkem Kontrast zum Messemotto “Unruhe und Bewegung” steht. Das Konzept des Produkts richtet sich weniger an modernitätsfreudige Kunden wie bei Sony, sondern vielmehr an Personen, die während der Herbst- und Winterzeit gerne im Bett liegen und lesen. Da dieser Ort zwar warm, oftmals aber nicht unbedingt auch gemütlich und entspannend ist, bieten Betten Thaler mit ihrer Idee eine Lösung an. Mit Hilfe des motorisierten oder einer von Hand verstellbaren Version lässt sich der Rücken- und Fussteil der Schlafstätte bequem in die jeweils benötigte Position bringen. Unschwer erkennt man also, dass die 223 Ausstellerinnen und Aussteller umfassende BuchBasel keine Mühen scheut, um das Medium Buch vielfältig und neu zu präsentieren.

 

Von Brecht zum Jungautor

Bei all diesen Neuheiten und kreativen Ideen darf trotzdem nicht verschwiegen werden, dass sich der Grossteil der Messe hauptsächlich dem traditionellen Buch in all seinen vielfältigen Formen und Erscheinungsweisen widmet. Freunde moderner Epik beispielsweise werden entzückt darüber sein, gleich zu Beginn auf den Doppelstand des Suhrkamp und Insel Verlags zu stossen, wo sie Werke von berühmten Autoren wie Hermann Hesse, Max Frisch oder Berthold Brecht in unterschiedlichen Ausgaben erstehen können. Gleich nebenan findet man dann den oben schon erwähnten Stand des Kulturhauses Bider & Tanner, der nicht nur Sonys neuste Produkte anbietet, sondern auch eine grosse Auswahl an Büchern präsentiert. Bekannte Werke aus dem Diogenes Verlag wie Martin Suters “Allmen und die Libellen” oder Paulo Coelhos “Schutzengel” finden sich hier. Für Bergfreunde dürfte weiterhin auch der AS Verlag interessant sein, der Sachbücher zu Themen wie Alpinismus, Radsport, Tourismus und Verkehrsgeschichte führt. Der Inhalt der Bücher wird hier oftmals durch schöne Schweizer Landschaftsbilder gelungen unterstrichen. Wem die Schweiz trotz ihrer überschaubaren Grösse aber noch zu allgemein sein sollte, der kommt beim Appenzeller Verlag oder den Graubünden Books auf seine Kosten. Hier werden unter anderem Bücher über die lokale Tier- und Pflanzenwelt ausgestellt oder über den speziellen Appenzeller Humor, dem mit dem “Appezäller Witz” sogar ein eigenes Buch gewidmet ist. Auch Jungautoren mit noch unveröffentlichten Manuskripten kommen nicht zu kurz. Sie finden auf der Messe eine gute Plattform für Kontakte zu Verlagen. Beispielsweise R. G. Fischer oder Novum, Verlag für Neuautoren bieten die Möglichkeit an, Manuskripte lesen zu lassen oder Offerten zu erstellen.

 

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker

Für das kulinarische Wohlergehen der Besucher sorgt das Messerestaurant, wo für vergleichsweise günstige Preise Snacks oder Menus erstanden werden können. Auch an Kinder ist gedacht worden. So bietet beispielsweise der Comix Shop Basel neben einer grossen Auswahl an Comics Zeichenkurse, bei denen Eltern ihren Nachwuchs ohne Sorgen unter Aufsicht zeichnen lassen können. Unterdessen haben sie die Gelegenheit, an einer angeregten Diskussion des Literatur-, Dialog-, oder Themenforums teilzunehmen. Hier werden passend zum Motto dann Thematiken wie “Literatur als Unruhestifterin” oder “Deutsch auf Forderfrau” besprochen. Letzteres ist das Motiv des neuen Buchs von Luise Pusch, die sich für eine gerechtere Sprache einsetzt, da die deutsche Sprache vorwiegend männlichen Interessen diene. Pusch: “Und wenn sie mir nicht glauben, dann fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker”. Im Anschluss an die Diskussion besteht dann natürlich noch die Gelegenheit, sich sein Buch von der Autorin persönlich signieren zu lassen. Vorausgesetzt, dass einem die Thematik auch gefallen hat.

 

Alles in allem kann man also sagen, dass sich die BuchBasel dem Buch auf eine äusserst vielseitige Art annähert. Informationen zu Neuerscheinungen, eine gute Übersicht über wichtige Autoren der Vergangenheit oder ausgefallene Wünsche wie das Buch zum Appenzeller Witz: Die Messe kann mit allem dienen. Mit der Anpassung an moderne Medienformate und mit Diskussionen zur Sprache bleibt das Buch schliesslich ein Medium, das trotz iPhones und Macbooks für Alt und Jung auch weiterhin gleichermassen von Interesse bleiben dürfte.