Gesellschaft | 01.11.2011

Der lange Kampf ums Wasser

Wasser ist Menschenecht, Wasser ist Ware. Diesem Paradigmenstreit widmet sich Vandana Shiva in ihrem Buch "Der Kampf um das blaue Gold". Es eignet sich als Einstiegslektüre in die komplexe Thematik der globalen Wassserverknappung, erfüllt jedoch gewisse wissenschaftliche Kriterien mehr schlecht als recht.
Wertvolles "blaues Gold": Wasser.
Bild: youthmedia.eu / kahina

“Es gibt genug Wasser auf der Erde, und die Wassermenge an sich bleibt immer gleich. (…) Und trotzdem haben wir eine Wasserkrise.” Mit dieser Feststellung führt die Physikerin Vandana Shiva die Leser auf die zentrale Frage zu, warum auf immer mehr Teilen unserer Erde die Ressource Wasser knapp wird oder gar ganz versiegt.

 

Wasserrechte und Klimawandel

Vanadana Shiva erläutert die Fragestellung mehrperspektivisch und schafft so mit ihrem Buch einen Überblick über das komplexe und vielschichtige Themengebiet. “Der Kampf um das blaue Gold” beginnt mit einer fast 50 Seiten langen Einleitung, die mit realen Geschichten und Fakten in die Thematik einführt. Sie handelt vom “Paradigmenkrieg”, der Wasser als Menschenrecht contra Wasser als handelbare, zu privatisierende Ware beinhaltet.

 

Der Hauptteil des Buches ist viergeteilt. Der erste Teil ist eine Übersicht über die verschiedenen Wasserechte, darunter das Eigentumsrecht oder das Nutzniesserrecht. Die gebürtige Inderin Vandana Shiva zeigt auf, wie die Wasserrechte durch die Kolonialzeit und mit dem Beginn der Privatisierung verändert wurden. In der Sprache bedient sich Shiva dabei oftmals ungenauen Formulierungen wie etwa: “doch in letzter Zeit”, oder verwendet unpräzise Begriffe wie “Frontier-Logik”. Auf diese Weise vernachlässigt Shiva zwischenzeitlich die Objektivität und eine gewisse Differenzierung in der Begrifflichkeit.

 

Der zweite Teil zeigt auf, wie auch der Klimawandel grossen Einfluss auf den Wasserbestand nimmt. Eines der Kernprobleme dabei: mit den häufiger vorkommenden klimatischen Extremereignissen wird das Leben durch zu viel oder zu wenig Wasser beiderseits bedroht.

 

Paradigmenwechsel und ihre Folgen

Dass Shiva nicht nur auf einer wissenschaftlich analytischen Ebene bleibt, führt dem Leser die Realitäten ins Bewusstsein. Denn was in der Diskussion um Paradigmen(wechsel) oftmals vergessen geht, sind die realen Folgen für Menschen und Umwelt. Im dritten Teil wird in einer Vielzahl von Beispielen erklärt, wie besonders transnationale Unternehmen und Organisationen durch ihre Kapitalstärke über Wasserrechte verfügen und so durch nicht nachhaltige ökonomische Überlegungen eine eigentlich künstliche Wasserverknappung herbeiführen können.

 

Der vierte Teil schliesslich beschreibt, wie Jahrhunderte alte Techniken und Kulturen mit bescheidenen Wasservorkommnissen überleben und wie andererseits mit nicht adaptierten modernen Wassertechniken Ökosysteme zerstört werden können. Oftmals argumentiert Shiva fast ausschliesslich mit Beispielen und schliesst dann induktiv vom spezifischen Beispiel auf eine allgemeine Aussage. Wenn jedoch in Teilen Indiens mit dem Bau von Staudämmen durch unreflektiertes Planen ganze Landstriche unfruchtbar gemacht worden sind, so werden nicht – wie die Autorin schreibt – analog in anderen Teilen der Welt die Staudämme als ökologische Massenvernichtungswaffen betrachtet.

 

“Der Kampf um das blaue Gold” kann nicht als wissenschaftliches Buch gewertet werden. Es ist aber dank aktuellen und regelmässigen Quellenangaben und der mehrperspektivischen Herangehensweise ein Sachbuch mit solidem Aufbau. Deshalb eignet es sich für den Einstieg in die Thematik der globalen Wasserverknappung.

 

Shiva Vandana: Der Kampf um das blaue Gold. Ursachen und Folgen der Wasserverknappung. Zürich 2002, Rotpunktverlag. Empfohlen ab 14 Jahren.