Kultur | 09.11.2011

Abgrund der Vorstadt

Text von Uwe Bieri
Skyline heisst die Scheibe und wurde wie seine Vorgänger von Yann Tiersen als Ein-Mann-Orchester eingespielt. Für die Tour hat er sich aber Verstärkung geholt. Live wird er von einer fünfköpfigen Band unterstützt.
Der Franzose hat sich einen Namen gemacht, wird aber zu stark schubladisiert. Die Stimmung an Yann Tiersen Konzerten ist selten bis nie oberflächlich. Fotos: Uwe Bieri

„Dieser Typ, der den Amelie Soundtrack geschrieben hat.“ Ausserhalb von Frankreich kämpft Yann Tiersen seit dem Erfolg dieses Grossstadmärchens vor zehn Jahren gegen die engstirnigen und kurzsichtigen Schubladisierungstäter von Hitparadenhörer und Boulevard-Musikkritiker an. Aber all jene, die diesen aussergewöhnlichen Multi-Instrumentalist auf Hafen-Chansons und Eifelturm-Piano Melodien reduzieren werden seiner musikalischen Geschichte vor und nach Amelie nicht gerecht.

 

Auf seinem neuen Studioalbum „Skyline“ widmet er sich den dunklen urbanen Untiefen der menschlichen Existenz, dem Banlieu der Seele. Obwohl man von der Grundstimmung, die düster und fliehend, wie die in die Weiten des Ozeans abgegeben Sonar-Signale eines U-Bootes daherkommt, in dunkle Sphären getragen wird. Gibt es doch auch hin und wieder scheinbar erwärmende Augenblicke, wie die brennenden Autos in den kalten Strassen der Pariser Banlieus.

 

Am 31. Oktober spielte Tiersen sein einziges Schweizer Konzert auf der aktuellen Tour im Zürcher Club Xtra. Als Eröffnungsakt brachte er Christine and the Queens aus Frankreich mit. Wobei „The Queens“ eine Sammlung elektronischer Sampler sind und „Christine“ bei ihrem progressiven an klassische Chansons angelegten Indy-Pop begleiten.

 

Pünktlich um 21.00 hat dann die Tiersen Truppe begonnen. Der Saal war fast ausverkauft und unter den Gästen waren Leute allen Alters zu finden. Die Pariser Banlieues hielten Einzug an der Zürcher Langstrassen-Ecke. In eineinhalb Stunden präsentierten Yann Tiersen und seine Band fast das komplette neue Album und begeisterten auch mit einigen ihrer klassischen akustischen Lieder. Eine Höhepunkt des Konzertes war das von Tiersen mit der Violine getragene und von Synthieklängen entgegenwirkende Spiel des Chansons „Le Quartier“.

 

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