Le surréalisme en 2011, une utopie?

Paris, 1924. Le groupe des Surréalistes se forme. Leur but est de « changer le monde » (comme l’entendait Marx) et de « changer la vie » (comme l’a dit Rimbaud). Ainsi, e mouvement surréaliste ne se veut pas seulement artistique, mais surtout révolutionnaire. L’art y est conçu comme un moyen permettant la libération de l’homme en laissant l’inconscient s’exprimer. Il s’agit d’abolir la limite trompeuse mais communément acceptée entre « conscient » et « inconscient », entre « réel » et « imaginaire ». Hélas, la société moderne, flanquée de ses valeurs matérialistes et de son rationalisme, a imposé à  l’homme toutes sortes de normes et a fait de l’imaginaire, au mieux un domaine négligeable de la vie, au pire un obstacle au bon fonctionnement de la société. Les Surréalistes visent cette libération de tout carcan social via l’art – notamment la poésie et les arts plastiques. Car la connaissance de l’homme total requiert la conscience de l’inconscient.

 

Bâle, 2011. Un musée, la Fondation Beyeler, cherche à  recréer l’atmosphère artistique d’une exposition surréaliste. Le visiteur déambule dans le musée comme dans les collections personnelles des mécènes, muses et artistes surréalistes. Il est confronté à  des toiles, des sculptures, des dessins, des textes du groupe surréaliste. Peut-être que la toile Carnival, de Kurt Seligmann, un Bâlois, lui évoque l’univers bien connu de Fasnacht. Ou peut-être  que son regard est attiré par un totem d’art primitif colombien… Mais comment le visiteur d’aujourd’hui se positionne-t-il par rapport à  l’Š“uvre qu’il observe ? Les idéaux surréalistes résonnent-ils encore d’une certaine manière au XXIème siècle, évoquant un monde meilleur? Voici les impressions de quelques visiteurs à  la sortie de l’exposition.

 

Nombreux sont ceux qui évoquent l’importance du rêve dans notre vie.

“Der Surrealismus ist eine Flucht in eine andere Welt.”

“On ne peut pas échapper au surréalisme, même si on ne s’en rend pas compte.”

 

Mais tous ne voient pas les choses de cette manière…

“Der Surrealismus ist vorbei und abgeschlossen. Unsere heutigen Gedanken stimmen nicht mehr damit überein.”

 

D’autres parlent des aspects esthétiques de l’art surréaliste:

“Der Surrealismus bringt gute Gespräche über Komposition und Geschichte der Kunst.”

“Heute ist im Surrealismus keine Politik mehr sichtbar, nur noch Kunstobjekte.”

 

Et justement, les avis concernant les idéaux politiques sont partagés:

“Die Surrealisten haben es sicher geschafft, die Gesellschaft zu verändern.”

“Vielleicht ist die Macht der Kunst, die Gesellschaft zu verändern, übertrieben.”

“Heute denken immer mehr Menschen wie der Mainstream. Kunst kann etwas dagegen bewirken.”

“Der Surrealismus bringt der Gesellschaft Offenheit bezüglich Tabuthemen.”

“Die Finanzkrise hat surreale Aspekte.”

 

Les avis si divers montre que le surréalisme résonne de manière différente chez chacun, mais qu’il ne laisse certainement pas indifférent… Il fait encore parler de lui, et donc, d’une manière ou d’une autre, il est encore bien présent dans notre société. Il donne lieu à  des débats, à  des expositions, et nous rappelle la force des mots et des couleurs. Comme l’écrivait André Breton, „l’homme […] est encore libre de croire à  sa liberté. Il est son maître, en dépit des vieux nuages qui passent et de ses forces aveugles qui butent. N’a-t-il pas le sens de la courte beauté dérobée et de l’accessible et longue beauté dérobable ? “

Vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie

Wie gut kann ich mich noch daran erinnern, wie ich als Kind den Gesprächen meiner Eltern horchte und mich selbst fragte, ob Erwachsene überhaupt dieselbe Sprache sprechen wie Kinder. Ihr Geplapper über Politik, Gesellschaft und weiss der Kuckuck was prallte an mir ab wie Regen an einer Fensterscheibe. Zu viele Fremdwörter, zu lange Wörter und überhaupt zu viele Wörter in einem Satz. Jetzt, wo ich sozusagen selbst die Rolle dieser Erwachsenen eingenommen habe, finde ich mich in einer ähnlichen Situation wieder: “Was machen nochmals die Droiden? Sind die Jedis jetzt die Guten oder die Bösen? Wozu braucht man denn bitteschön eine Cyber-Track-Brille? Boba Fett? Kann man das essen?” So oft ich diese Fragen auch stelle, ich kann mir die diversen Star Wars-Figuren nicht merken. Wenn wir dann am Esstisch sitzen und sich das Gespräch wieder so langsam in Richtung Sternenkrieg bewegt, dann klinke ich mich gleich von Anfang an aus, mitreden kann ich so oder so nicht. Aber vielleicht sollte ich das auch nicht erwarten?

 

Erwachsene verboten!

Wenn ich die Kinder beobachte, tue ich dies oft mit ein klein wenig Nostalgie. Es ist doch noch gar nicht so lange her, da sass ich selbst mit wackelnden Zähnen am Esstisch und erzählte aufgeregt von meinem Schultag. Doch langsam aber sicher beginne ich mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass ich tatsächlich kein Kind mehr bin und der Entscheid zum Au-pair-Aufenthalt ein konkreter Schritt in Richtung Erwachsenenwelt war. Als die Kinder das erste Mal die Köpfe zusammensteckten um über die neusten Klassengerüchte zu tuscheln – Wer ist in wen verliebt? Wer hat über wen gelästert? Ob die Klassenlehrerin wohl verheiratet ist? – und mich darauf hinwiesen, dass sie gerade über etwas Geheimes sprechen, das ich nicht hören dürfe, ertappte ich mich selbst dabei, wie ich mich etwas ausgeschlossen fühlte. Ich hielt einen Moment inne und realisierte: Ich habe überhaupt keinen Grund mich ausgeschlossen zu fühlen. Eine Szene meiner Kindheit spielte sich vor meinen Augen ab und ich sah, wie ich selbst mit meinen Freundinnen tuschelnd den Erwachsenen auswich. Doch jetzt sah ich mich selbst zum ersten Mal in meinem Leben auf der Seite der Erwachsenen stehen, die eben nichts vom Kindergetuschel mitkriegen dürfen. Situationen dieser Art häufen sich immer mehr an und ich beginne Dinge aus einer Sicht zu betrachten, die mir bis anhin völlig fremd war. Meine Au-pair-Tätigkeit erlaubt mir sozusagen den Blick hinter die Kulissen. Ich weiss, dass es meine Mutter nervte, wenn ich nicht rechtzeitig zu Tisch kam oder wenn meine Kleider überall herumlagen. Wirklich gestört hat mich das nie und hinterfragt habe ich es auch nicht. Das war einfach so. Doch plötzlich stehe ich selbst vor einem gedeckten Tisch und rufe die Kinder, plötzlich hebe ich selbst die herumliegenden Kleider vom Boden und denke: Liebe Mama, jetzt verstehe ich dich.

 

Alter oder Interesse?

Die Feststellung dieser Woche also: In zehn Jahren kann viel passieren. Ein Kind kann erwachsen werden und eine neue Generation kann heranwachsen. Doch mein Unwissen bezüglich Star Wars liegt wohl trotz allem weniger an der Zeit, die vergeht, als vielmehr an meinem Desinteresse. Die Geschichte über den Krieg der Sterne, der sich “vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie” abspielte, gibt es schliesslich schon seit über dreissig Jahren.

Rock mit Klassik

Rocker, Metalhead, Goth und Anzugsträger – hier treffen sie alle zusammen. Gekennzeichnet durch die rosarot leuchtenden Eintrittsbändel versammelt sich das Publikum schon am frühen Abend in der Stadthalle der beschaulichen Luzerner Stadt Sursee. Hauptakt des Abends wird ohne Zweifel Within Temptation. Auch das übrige Line-up lässt sich sehen: Die beste Schweizer Hardrock-Band Shakra, die deutsche Metal-Band Krypteria und die Westschweizer November-7 laden zum Headbangen ein.

 

Zeitgemässe Bühnenshow

Within Temptation überzeugt mit einer grossartigen, zeitgemässen Bühnenshow. Das Konzert startet mit der Einspielung der eigenen Kurzfilmreihe “Mother Maiden”, welche selbst schon ein Meisterwerk darstellt. Die Halle wird dunkel, das Publikum schweigt und jeder lauscht dem unheimlichen Kurzfilm. Die Kombination von Film- und Toneinblendungen begleitet auch das weitere Konzert. Orchestrale Elemente oder ein Chor werden eingespielt. Die perfekt durchgeplante Show, die aufgeräumte Bühne mit mehreren Ebenen, die Lichtshow und die grosse LED-Videowand sind fast schon revolutionär.

 

Symphonic-Metal vom Feinsten

Musikalisch beeindruckt Frontfrau Sharon den Adel mit ihrer engelhaften Stimme, mit der sie die Halle in eine atemberaubende Atmosphäre taucht. Der hohe, vibratoarme Klang ist prägend für den Symphonic-Metal. Diese Musikrichtung ist vor allem durch Within Temptation und Nightwish geprägt. Klassische Musik wird mit Rock und Metal kombiniert. Oft geschieht das durch die Verwendung eines Orchesters oder Keyboards. Das aktuelle Album “The Unforgiving” zeichnet sich durch Einflüsse von Power-Metal-, Rock-, Pop-, und Disco-Elementen aus. Der Titel lässt erahnen, dass es im Album um die Themen Rache, Liebe und Leben geht.

 

Energiegeladen und zugleich ruhig

Von der Ballade „Fire and Ice“ über das Pop-Stück „Sinéad“ bis zum metallenen “In The Middle Of The Night” war bei diesem Konzert für jeden etwas dabei. Die dramatische Musik wirkt zugleich ruhig und extrem energiegeladen auf den Zuhörer. Die Atmosphäre lädt zum Mitsingen ein. Mit der gefühlvollen Zugabe “Stairways To The Skies” klang das Konzert aus und liess das begeisterte Publikum in einer nachdenklichen Stimmung zurück.

 

Positive Resonanz

Das Rocksound Festival hat bei den Besuchern einen positiven Eindruck hinterlassen. Eine angenehme Stimmung des Publikums projizierte den Fokus vor allem auf die Bühne. Einziger Kritikpunkt: Die grosse Halle, in der man sich an manchen Stellen schon fast verloren vorkam, liess ein gewisses Feeling aus. Knappe fünf Stunden beste Live-Musik am Stück konnte das aber wieder wettmachen. Within Temptation hat bereits zum dritten Mal am Rocksound Festival gespielt. Nach mehreren Ausgaben am Open Air Huttwil wird das Festival in Zukunft als Indoor-Event durchgeführt. Auch nächstes Jahr dürfen die Rock- und Metal-Fans wieder ein attraktives Programm in Sursee erwarten.

Ein Labyrinth durch den Surrealismus

Ein sonderbares Königspaar begrüsst die Ausstellungsbesucher aus dem Foyer beim Museumseingang. Wenn man dieser mächtigen Plastik näherkommt, wird es immer schwieriger zu beschreiben, was Max Ernst darin formte. Menschliches vermischt sich mit Körperteilen von Tieren und während man anfangs nur zwei thronende Mischwesen zu erkennen glaubte, sieht man bald bis zu sieben solcher Figuren ineinander vereint. Wieso alles genau definieren? Der Surrealismus will, dass man auch die Gegensätze in einer Gesamtheit zulässt. “Capricorne” ist erst der Anfang einer Reise mit der Fantasie.

 

Labyrinth der Sagen und Träume

Unter den Mischwesen von Max Ernst kann man auch einen Minotauros erkennen, eine Kreatur mit Menschenkörper und Stierkopf. In der antiken Mythologie lebte dieser in einem Labyrinth, indem sich seine Opfer darin verloren. Im Paris der 1930er Jahre war der “Minotaure” ein Künstlermagazin, von dem in Basel einige Exemplare in Vitrinen ausgestellt sind. Das aufwendig hergestellte Magazin beinhaltete neben literarischen Werken auch Originale namhafter Künstler, doch – wie auch in der Basler Ausstellung – konnten darin auch weniger bekannte Zeitgenossen beeindrucken.

 

Das Labyrinth der Ausstellung führt immer tiefer in das Reich der Sagen und Träume. Auf schwarzen Wänden leuchten die Gemälde, die ihrerseits den Blick in andere Welten öffnen. Keines der Werke zeigt auf den ersten Blick, was auf ihm dargestellt ist. Mirós kunterbunte Gemälde etwa laden den Betrachter dazu ein, selber Assoziationen zwischen den dargestellten Worte und Bilder zu kreieren. Auch die Frottage-Bilder von Max Ernst ziehen den Betrachter in ihren Bann, da er immer wieder neue Figuren darin erkennen kann.

 

Viele Namen, viele Objekte

Etwas anders geht der belgische Künstler René Magritte vor. Mit seinen Titeln bereitet er jeweils den Weg für Assoziationen vor, lässt aber dabei offen, ob dieser zu einer richtigen Interpretation führt. Den Mann mit Melone, den wir auf “Der grosse Krieg” von 1964 sehen, versuchen wir mit dem Titel politisch zu identifizieren. Vielleicht handelt es sich aber gar nicht um einen bewaffneten Kampf, sondern um den mit der Fantasie, die unbedingt herausfinden will, wie das Gesicht hinter dem grünen Apfel aussieht? Magritte sucht mit seinen Bilderrätseln nach neuen Worten für die Gegenstände, die er abbildet. Ein Damenschuh bezeichnet er in seinem “Der Schlüssel der Träume” als Mond, ein leeres Glas wird als Gewitter angeschrieben. Schliesslich seien diese nicht so sehr an ihren Namen gebunden, dass man nicht einen besseren finden könne.

 

Die Anhänger des Surrealismus bearbeiteten auch vorgefundene Alltagsgegenstände so, dass diese eine “absolute Realität” vermitteln sollten. Die auf einem Tablett präsentierten Damenschuhen von Meret Oppenheim dürfen in dieser vielfältigen Ausstellung ebensowenig fehlen wie surrealistische Fotografien von Man Ray und Filme wie Bunuels “Andalusischen Hund”.

 

Die Fondation Beyeler lockt mit drei Namen nach Riehen: Dalí, Magritte, Miró. Alle drei sind Künstler, welche die Moderne entscheidend beeinflusst haben und auch heute bestens bekannt sind. Zweifellos hat die Ausstellung viel mehr zu bieten. Neben Ernst, der schon genannt wurde, fallen viele weitere Künstler mit ihren Werken auf. Es erstaunt weniger, dass auch Pablo Picasso seinerzeit zu der Bewegung gehörte, als dass Alberto Giacometti nur wegen seiner Auseinandersetzung mit der sichtbaren Natur davon ausgeschlossen wurde.

 

Keine surrealistische Ausstellung

Philippe Büttner konnte wichtige Werke aus den Sammlungen von Simone Collinet und Peggy Guggenheim nach Basel holen. Wie wir auf grossformatigen Fotos sehen, hängte Guggenheim die Bilder an ebenfalls dunkle, zusätzlich gebogene Wände und verstärkte damit den Eindruck einer Traumwelt. Obwohl die Fondation Beyeler sich darum bemüht, die Atmosphäre der surrealistischen Ausstellungen zu vermitteln, muss sie dabei unweigerlich scheitern. Indem sie den Surrealismus in einem musealen Kontext präsentiert, macht sie deutlich, dass die einst aufrührerischen Experimente nun zu millionenschweren Kunstwerken geworden sind.

 

Wie der Beitrag von Annabelle Görgen im Ausstellungskatalog nacherzählt, wollten die Surrealisten ihre Besucher mit allen Sinnen ansprechen. Marcel Duchamp kreierte 1938 zum ersten Mal eine Ausstellung, welche die Besucher in ihrem Unterbewusstsein packen  sollte. An der Decke hängende Kohlesäcke machten die Räume so dunkel, dass die Besucher selber Taschenlampen mitnehmen und so nach den Kunstwerken suchen mussten. Ein brennender Ofen am Boden, die versperrten Notausgänge und der Ton von hysterischem Gelächter versetzten sie in existentielle Angst.

 

Die meisten Besucher in Basel werden Philippe Büttner und seinem Team verzeihen, die Ausstellung nicht wie die Surrealisten gestaltet zu haben. Viele werden es auch schätzen, dass er Ordnung in das vielfältige Durcheinander der Bewegung bringt. Wenn auch im Gegensatz zu einer surrealistischen Ausstellung von 1942 kein meilenlanger Faden quer durch die Räume gezogen worden ist, so führt ein imaginärer Faden über die packenden Werke der verschiedenen Kunstgattungen, durch das Labyrinth hindurch, zurück zum Foyer, wo die Reise angefangen hat.

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Wie wäre es, selbst positiv zu sein?

Was bedeutet es, ein Leben mit dem HI-Virus führen zu müssen? Niemand sucht sich diese Krankheit aus und, ob einer Risikogruppe zugehörig oder nicht, treffen kann es jeden. Wenn sich eine HIV-positive Person jemandem anvertraut, ist die prompte Frage oft immer noch: “Und wo hast du dich angesteckt?” Je nach Antwort wird dann ein Urteil über die Person gefällt. Denn HIV und Aids berühren die Themen, die in unserer Gesellschaft Tabu sind: Sex unter Männern, Drogensucht, Prostitution. Versuche mal die Perspektive einer HIV infizierten Person einzunehmen. Vieles würde wohl nicht mehr sein wie jetzt.

 

Wenn ich HIV-positiv wäre

Sieht mir rein äusserlich die Krankheit niemand an. Ich kann mir also gut überlegen, wem ich mich anvertraue. Aus Angst vor unschönen Reaktionen es gar niemandem zu sagen, ist langfristig aber keine Lösung. Das Leben geht nicht einfach weiter. Dass du HIV-positiv bist und wie nun deine Zukunft aussieht, wird dich in all deinen Gedanken schwer beschäftigen. Auch möchtest du nach einem Arztbesuch mit jemandem über gute wie schlechte Veränderungen deines Virus reden können. Die Tabletten, die du täglich zu dir nimmst, haben eine lange Liste von Nebenwirkungen. Ein hoher Preis dafür, dass sich der Ausbruch der Krankheit Aids so lange wie möglich hinauszögert. Im Geschäft möchtest du zudem nicht die ganze Zeit mit Ausreden kommen, die für Absenzen während den Spitalbesuchen herhalten müssen. Nebst deiner geistigen Abwesenheit am Arbeitsplatz könnte dies bald der Grund für eine Kündigung sein. HIV-positive Menschen können grundsätzlich aber die gleiche Leistung erbringen wie alle anderen auch, trotzdem werden sie bei Bewerbungen oft benachteiligt.

 

Ekel vor dem eigenen Blut

Viele von HIV Betroffene fühlen sich in ihrer eigenen Haut schmutzig. Es kann durchaus sein, dass dich vor deinem eigenen Blut ekelt, wenn du dir beim Kochen in den Finger schneidest. Dieser Ekel hängt womöglich mit der gesellschaftlichen Übertragungsangst vor Aids zusammen. Viele wissen nicht, wie man sich anstecken kann und würden sich davor fürchten, mit dir aus derselben Flasche zu trinken. Die Krankheit stellt dich also nebst den körperlichen vor psychische Herausforderungen, da bist du auf soziale Unterstützung angewiesen und musst dich anderen anvertrauen können.

 

Wenn du einem dir nahe stehenden Menschen, oder warum auch nicht einem Chef, erzählen willst, du seist HIV-positiv, dann plagt dich dabei die Angst zurückgewiesen zu werden. Selbst wenn du dich deinem Partner oder deiner Familie anvertraust, ist die Konsequenz schwierig voraussehbar. Wenn dich dein Freund, deine Freundin ablehnt, ist er oder sie mal sicher nicht der oder die Richtige für dich. Nebst der tiefen persönlichen Kränkung scheint aber auch die Luftblase mit dem zukünftigen Einfamilienhaus und den Kindern in dem Moment zu platzen, wo der Mensch, den du magst, damit nicht klarkommt. Vielleicht denkst du dir dann: Und alles nur, weil die Menschen da draussen so schlecht Bescheid wissen, ich finde das diskriminierend. Und die Diskriminierung spüren du und andere HIV-Positive, egal ob nun bei einer antiretroviraler Therapie die Wahrscheinlichkeit einer Mutter-Kind-Übertragung nur noch bei 1-2 % liegt und selbst der ungeschützte Geschlechtsverkehr mit einem festen Partner besprochen werden kann, wenn die Virenlast auf ein fast nicht mehr nachweisbares Niveau gesenkt werden konnte. Sicherlich beschäftigt dich der Tod immer noch mehr als andere Personen, doch ein Ende ist jedem sicher.

 

Keine Bananen

Als HIV-positiver Mensch stehen dir auch sonst genau die gleichen Rechte und Pflichten zu und Du verdienst es, normal behandelt und nicht diskriminiert zu werden. Die aktuelle Kampagne zum Welt-Aids-Tag zeigt keine Banane, über die ein Kondom gestreift wird, sondern vier Persönlichkeiten aus unserer Gesellschaft, die sich mit HIV-positiven und aidskranken Menschen solidarisieren. Sie fragen uns von Plakaten her: “Würden Sie mich noch respektieren, wenn ich HIV- positiv wäre?” Findest Du nicht auch, es steckt mehr hinter der Frage, als man zuerst denkt? Würde man dich denn noch respektieren, wenn Du HIV-positiv wärst? Wie steht es um deinen Respekt gegenüber jemandem, der HIV-positiv ist?

 

Info


Die Ansteckungszahlen von HIV/ Aids, über den Globus gesehen, zeigen auch die Kehrseite eines nach wie vor ausweglosen Lebens mit HIV in Drittweltländern. In Afrika fehlen nicht nur die Medikamente, sondern auch die Ärzte für die anspruchsvolle Behandlung – selbst Kühlschränke um die Medikamente aufzubewahren sind nicht vorhanden. Weltweit gesehen ist HIV/Aids so die häufigste Todesursache unter den 15- bis 59-Jährigen. Bisher sind mehr als 30 Millionen Menschen daran gestorben, und jedes Jahr kommen annähernd weitere zwei Millionen dazu.

 

Links

Weihnachten vor Halloween

Vor deiner Nase türmen sich fette Schokoladenweihnachtsmänner, deren Grinsen bis zu den Ohren reicht. Daneben zwei Haufen an Zimtkeksen und Geschenkpapier, dessen Schimmern sich gegenseitig zu übertrumpfen versucht. Kurz schliesst du die Augen, atmest tief durch und öffnest sie wieder, da du nicht glauben kannst, was du gerade gesehen hast. Doch da ist sie wieder: Die Realität.

 

Geschäfte beginnen immer früher mit dem Werben für das Fest der Liebe. Obwohl doch Halloween erst in zwei Wochen an der Reihe ist. Und nach dem Tag des Gruseln müssen die Kinder noch mindestens 56 Mal schlafen, bis die Glöckchen klingeln. Wo steckt hier der Sinn? Gebackene Kürbiskerne verkaufen sich wohl nicht so gut wie Weihrauchkerzen. Der Ursprung liegt sicher bei jemandem, der die Schnauze voll hatte von bunten Blättern, seine Freude an trällernden Tannenbäumen entdeckte und fand, dass er diese ab sofort allen mitteilen muss. Und wie könnte man dies besser vermitteln, als in einem Lebensmittelgeschäft, in dem Hunderte von Leuten ein und aus gehen. Oder es war eine unterbeschäftigte Kundin, die sich beschwerte, weil ihr langsam die Geschenkideen ausgingen, sie aber trotzdem die Besorgungen für die Enkel so bald wie möglich erledigt haben möchte. Wieso auch nicht.

 

Das Grundprinzip des Konkurrenzdenkens lautet: Wenn jemand eine tolle Idee in die Tat umsetzt, muss man dies ebenso tun muss. So hat sich der frühe Weihnachtsverkauf selbst lanciert und sich zu einer der fragwürdigsten Traditionen des Verkaufs entwickelt.

 

Jetzt stellt sich aber die Frage: Wieso beginnt man nicht gleich nach dem Sommerschlussverkauf mit dem Aufstellen von Weihnachtsbäumen und Elchen mit roten Nasen? Oder noch viel besser: Im Sommerschlussverkauf die Schnäppchen als Weihnachtsgeschenke anbieten. Damit man die Geschenke schon frühzeitig hat und im Dezember nicht in den Stress kommt und das alles zu einem sagenhaften Preis. Das wäre Mal eine Geschäftsidee.

Öffentlich das Gesicht verlieren?

Wie alles begann…

Ein paar Wochen nach dem 1. Mai 2011, stellte die Stadtpolizei Zürich das erste Mal Bilder von verdächtigen Personen ins Internet. Dies tat die Polizei über ihre eigene Internetpräsenz. Es wurde ausführlich über den so genannten “Online-Pranger” berichtet. Die Polizei war stets bemüht zu erklären, dass man die Internetfahndung nur als allerletztes Mittel verwenden werde, sowie nur bei schweren Straftaten und wenn man sich sicher ist, dass diese Person sich etwas zuschulden hat kommen lassen. Weiter geschehe dies nur auf Geheiss der Staatsanwaltschaft.

 

Kurz nach dem Start konnte der Versuch gleich erste Erfolge verbuchen. Nach nur wenigen Tagen konnten sie bereits mehrere, auf den Bildern im Internet abgebildete Personen wieder aus ihrer Internetpräsenz löschen. Gleich nach dem Erscheinen der Bilder berichteten diverse Medien über die Onlineschaltung. Während der Tagesanzeiger online ein paar der verpixelte Fotos online schaltete, druckte die Gratiszeitung ‘Blick am Abend’ gleich sämtliche Gesichter auf die Frontseite. Die so oder so schon geringe Chance, dass die Bilder jemals wieder aus dem Internet verschwinden würden, sank somit auf null. Der Vorgang wiederholte sich bei den anderen Online-Prangern.

 

Über Recht und Unrecht

Ob die Fahndung nach Personen mittels Bildern im Internet nun ethisch vertreterbar ist, oder nicht, respektive geeignet oder ungeeignet, darüber scheiden sich die Geister. Rechtsanwälte streiten sich weiter darüber, ob ein solcher Online-Pranger überhaupt rechtens sein soll. Obwohl die Stadtpolizei angibt, den Online-Pranger juristisch und mit Datenschützern abgeklärt zu haben, ist bei Anwälten herauszuhören, dass sich Betroffene überlegen sollten, rechtlich dagegen vorzugehen. Egal ob nun rechtlich korrekt oder nicht, muss man sich allerdings fragen, ob es überhaupt sinnvoll ist, die Bevölkerung anhand von kleinen und teilweise stark verpixelten Bildern, auf “Räuberjagd” zu schicken. Auf mehreren Bildern sieht man gänzlich vermummte Personen. Hier werden sich wohl nicht einmal immer die Betroffenen selbst erkennen. Hinzu kommt der zeitliche Abstand, welcher zwischen dem Entstehen des Fotos und der Veröffentlichung verstreichen. Im Falle von den Bildern vom Central sind dies doch neun Wochen. Zudem besteht, besonders bei den extrem schlechten Bildern teilweise Verwechslungsgefahr, was fatale Folgen für die betroffene Person mit sich bringen könnte. Dies darf nie vergessen werden.

 

Auch die Polizei macht Fehler

Kurz nach der Veröffentlichung der Bilder vom Central wurde bekannt, dass zwei der Personen, welche auf den Bildern abgebildet waren, bereits von der Polizei gefasst worden waren. Gegen diese war ein Strafbefehl wegen Landfriedensbruch ausgesprochen worden. Die Stadtpolizei meinte dazu, dass die Gesichter der beiden bei der Einvernahme anders ausgesehen hätten. Dies darf allerdings bei einer solch weitreichenden Ermittlungsmethode wie der Onlinefahndung auf keinen Fall passieren.

Die Stadtpolizei hat, allen Beteuerungen über Sorgfalt und Anwendung nur im Notfall zum Trotz, Fehler gemacht. Hinzu kommt, dass die beiden Personen, welche fälschlicherweise ihr Foto online bei der Stadtpolizei betrachten konnten, anscheinend wegen Landfriedensbruch angeklagt worden sind. Dieser Strafbestand ist bereits gegeben, wenn die Personen sich per Zufall am Central und Umgebung aufgehalten haben und sich dann einfach nicht genügend schnell von der Gewaltquelle entfernt hatten oder beim sich entfernen gehindert wurden. Dies geschah am Central einigen. Es ist äussert fragwürdig, ob die Veröffentlichung von Fotos im Falle von Landfriedensbruch gerechtfertigt ist.

Polizeivorsteher Daniel Leupi will als Konsequenz wegen des Fehlers, die Bilder nun neu einen Tag vor dem normalen Erscheinen verpixelt online stellen lassen. Ob dies helfen wird, die “Pannenrate” zu senken, wird sich erst noch zeigen müssen. Nun sollen bereits die fälschlich Geprangerten selbst einschreiten. Dies müsste die Stadtpolizei eigentlich selbst tun, wenn sie ihren früheren Versprechen denn nachkommen möchte. Auch die Frist zwischen dem ersten und zweiten, “richtigen” Veröffentlichen ist sehr knapp gewählt. Die letzten Worte über den Online-Pranger sind mit Sicherheit noch nicht gesprochen und geschrieben.

Zibelemärit 2011

Montagabend. Ich entscheide mich, die nächste Nacht in Karlsruhe zu verbringen. Auf der Couchsurfing-Website finde ich eine Wohngemeinschaft, die mich für eine Nacht aufnimmt. Am Dienstag starte ich. Den Daumen strecke ich am Mittag zum ersten Mal raus und los geht die Reise vom Emmentaler Zuhause in Richtung Deutschland.

 

Abends komme ich dann bei der WG an. Ich werde freundlich begrüsst und mit einer guten Suppe beginnen unsere Gespräche in einem Gemisch aus Französisch und Deutsch. Die beiden Studenten sind ursprünglich aus Frankreich und leben seit einigen Monaten in Deutschland. Nach dem Abendessen verarbeiten wir zusammen mehrere Kilogramm Äpfel zu Apfelmus. Isaac, einer der Studenten, meint am Ende des Abends: “Toujours des pommes, c’est gut für die Gesundheit”.

 

Im falschen Milieu?

Am Mittwoch geht es weiter nach Frankfurt. Ich komme mit Autostopp schon viel schneller vorwärts als am Anfang. Von nun an fahre ich nämlich mit dem Skateboard immer bis zur nächsten Autobahnauffahrt. So habe ich am Nachmittag noch Zeit, die verschiedenen Sehenswürdigkeiten der Stadt anzuschauen. Abends begebe ich mich zur Adresse, die mir auf Couchsurfing angegeben wurde. Als ich sie finde, bin ich etwas geschockt. Das Haus befindet sich mitten im Rotlichtmilieu. Ich werde auf der Strasse angesprochen ob ich etwas Spass haben möchte. Nein Danke!

 

Mir wird mulmig zumute. Soll ich nun wirklich klingeln? Was soll ich tun, wenn ich hier bei einer zwielichtigen Wohngemeinschaft lande? Meine Kontaktperson war eine Julia, ob sie wohl seriös ist? Nachdem ich mich überwunden habe zu klingeln, sind meine Bedenken schnell verflogen. Hier wohnen wirklich zwei Studentinnen und ein Student. Glück gehabt.

 

Karneval mit Bürostuhlrennen-Meister

Am Donnerstag reise ich nach Köln. Das Pärchen, das mich beherbergt, ist in den Vorbereitungen für den Karneval am nächsten Tag. Als wir am Abend gemütlich beieinander sitzen meinen sie, ich solle doch auch am Karneval teilnehmen. Ich lasse mich also zwei Nächte in Köln nieder um die Kölner Kultur vollends auskosten zu können. Jan ist übrigens selbst per Autostopp bis in den asiatischen Raum gereist. Er gibt mir viele Tipps für die Weiterreise. Nebenher  ist er auch deutscher Meister im Bürostuhlrennen. Verwundert mich auch nicht, mit seinen langen Beinen bei einer Körpergrösse von über zwei Metern.

 

Der Karneval am nächsten Tag ist für mich ein unübersichtlich grosser Event. Will man(n) auf die Toilette, gibt es eine Überraschung. Im Männerklo, das ich betrete, treffe ich auf verkleidete Frauen. Da ich zuerst meine, ich sei in der falschen Toilette, verlasse ich sie wieder und werde von den wartenden Frauen vor dem Damenklo belächelt. Ich verlasse  das Gebäude etwas verwirrt wieder.

 

Jukebox bis in die frühen Morgenstunden

Am Samstag bin ich in Amsterdam. Ich besuche ein Konzert einer Band namens Switchfoot, eine meiner Lieblingsbands. Dort treffe ich ein holländisches Mädchen. Obwohl mir vorher der 53-jährige Gastgeber gesagt hatte, dass man als Tourist mit Holländerinnen nicht ins Gespräch kommen kann, gehe ich nach dem Konzert mit ihr in eine Bar und werde eines besseren belehrt. Wir haben eine spannende Unterhaltung und übertrumpfen uns gegenseitig mit peinlichen Liedern aus der Jukebox. Wir sind in der einzigen Bar Amsterdams, die noch eine solche Musikbox besitzt, “Pollux” ist ihr Name. Ich komme erst morgens um sieben Uhr nach Hause und gehe mit meinem Gastgeber Kaffee trinken. Da ich noch nichts von der Stadt gesehen habe, beschliesse ich, noch eine Nacht länger zu bleiben.

 

 

 


Wenn ihr wissen wollt, was Tink-Reporter Matthias sonst noch alles auf seiner Reise erlebt, dann lest hier nächste Woche weiter! Das Abenteuer ist noch nicht zu Ende…

 

Rotlichtmilieu, Karneval und eine Jukebox

Montagabend. Ich entscheide mich, die nächste Nacht in Karlsruhe zu verbringen. Auf der Couchsurfing-Website finde ich eine Wohngemeinschaft, die mich für eine Nacht aufnimmt. Am Dienstag starte ich. Den Daumen strecke ich am Mittag zum ersten Mal raus und los geht die Reise vom Emmentaler Zuhause in Richtung Deutschland.

 

Abends komme ich dann bei der WG an. Ich werde freundlich begrüsst und mit einer guten Suppe beginnen unsere Gespräche in einem Gemisch aus Französisch und Deutsch. Die beiden Studenten sind ursprünglich aus Frankreich und leben seit einigen Monaten in Deutschland. Nach dem Abendessen verarbeiten wir zusammen mehrere Kilogramm Äpfel zu Apfelmus. Isaac, einer der Studenten, meint am Ende des Abends: “Toujours des pommes, c’est gut für die Gesundheit”.

 

Im falschen Milieu?

Am Mittwoch geht es weiter nach Frankfurt. Ich komme mit Autostopp schon viel schneller vorwärts als am Anfang. Von nun an fahre ich nämlich mit dem Skateboard immer bis zur nächsten Autobahnauffahrt. So habe ich am Nachmittag noch Zeit, die verschiedenen Sehenswürdigkeiten der Stadt anzuschauen. Abends begebe ich mich zur Adresse, die mir auf Couchsurfing angegeben wurde. Als ich sie finde, bin ich etwas geschockt. Das Haus befindet sich mitten im Rotlichtmilieu. Ich werde auf der Strasse angesprochen, ob ich etwas Spass haben möchte. Nein Danke!

 

Mir wird mulmig zumute. Soll ich nun wirklich klingeln? Was soll ich tun, wenn ich hier bei einer zwielichtigen Wohngemeinschaft lande? Meine Kontaktperson war eine Julia, ob sie wohl seriös ist? Nachdem ich mich überwunden habe zu klingeln, sind meine Bedenken schnell verflogen. Hier wohnen wirklich zwei Studentinnen und ein Student. Glück gehabt.

 

Karneval mit Bürostuhlrennen-Meister

Am Donnerstag reise ich nach Köln. Das Pärchen, das mich beherbergt, ist in den Vorbereitungen für den Karneval am nächsten Tag. Als wir am Abend gemütlich beieinander sitzen meinen sie, ich solle doch auch am Karneval teilnehmen. Ich lasse mich also zwei Nächte in Köln nieder um die Kölner Kultur vollends auskosten zu können. Jan ist übrigens selbst per Autostopp bis in den asiatischen Raum gereist. Er gibt mir viele Tipps für die Weiterreise. Nebenher ist er auch deutscher Meister im Bürostuhlrennen. Verwundert mich auch nicht, mit seinen langen Beinen bei einer Körpergrösse von über zwei Metern.

 

Der Karneval am nächsten Tag ist für mich ein unübersichtlich grosser Event. Will man(n) auf die Toilette, gibt es eine Überraschung. Im Männerklo, das ich betrete, treffe ich auf verkleidete Frauen. Da ich zuerst meine, ich sei in der falschen Toilette, verlasse ich sie wieder und werde von den wartenden Frauen vor dem Damenklo belächelt. Ich verlasse das Gebäude etwas verwirrt wieder.

 

Jukebox bis in die frühen Morgenstunden

Am Samstag bin ich in Amsterdam. Ich besuche ein Konzert einer Band namens Switchfoot, eine meiner Lieblingsbands. Dort treffe ich ein holländisches Mädchen. Obwohl mir vorher der 53-jährige Gastgeber gesagt hatte, dass man als Tourist mit Holländerinnen nicht ins Gespräch kommen kann, gehe ich nach dem Konzert mit ihr in eine Bar und werde eines besseren belehrt. Wir haben eine spannende Unterhaltung und übertrumpfen uns gegenseitig mit peinlichen Liedern aus der Jukebox. Wir sind in der einzigen Bar Amsterdams, die noch eine solche Musikbox besitzt, “Pollux” ist ihr Name. Ich komme erst morgens um sieben Uhr nach Hause und gehe mit meinem Gastgeber Kaffee trinken. Da ich noch nichts von der Stadt gesehen habe, beschliesse ich, noch eine Nacht länger zu bleiben.

 

 

Fortsetzung folgt


Wenn ihr wissen wollt, was Tink.ch-Reporter Matthias sonst noch alles auf seiner Reise erlebt, dann lest hier nächste Woche weiter! Das Abenteuer ist noch nicht zu Ende…

Schüler sind mehr als nur Noten

Der Elefant, die Robbe, der Hund, der Affe, der Papagei, der Storch und der Goldfisch haben sich auf einer Wiese versammelt. Hinter ihnen steht ein Baum, vor ihnen sitzt eine Lehrperson an einem Tisch. Heute haben die Tiere eine Prüfung, der Lehrer spricht zu ihnen: Zum Ziele einer gerechten Auslese lautet die Aufgabe für alle gleich: “Klettern Sie auf den Baum!”

 

Gesellschaft will Selektion

Diese Karikatur erzählt eine Geschichte, welche für vier Lehrpersonen zum Gedankenanstoss wird. Für Tink.ch setzen sie sich nach Schulschluss in einem Zimmer des Gymnasiums Seefeld in Thun zusammen, um über das Thema “Beurteilung” zu sprechen. Peter Herren, ehemaliger Rektor am Gymnasium Thun Seefeld, sagt zur Karikatur: “Die Aufgabe geht von der nicht unproblematischen Voraussetzung aus, dass die wichtigste Eigenschaft jedes Tieres sei, auf einen Baum klettern zu können.” Die Gesellschaft wolle die jungen Menschen selektionieren und dazu würden sie alle an der gleichen Aufgabe gemessen.

 

Blanca Thurian ist Heilpädagogin und arbeitet im Bereich der integrativen Förderung an allen Stufen. Sie hilft Schülerinnen und Schülern, die am Baum in der Karikatur nicht emporklettern können. “Das Beurteilungssystem passt nicht zum Gedanken der Integration”, findet die Pädagogin. Eltern verlangten laut Thurian, dass ihr Kind mit Noten gemessen werde. Peter Herren, der im Ruhestand als Steinbildhauer arbeitet und bis zu seiner Pensionierung Köpfe bildete, meint: “Kinder werden von klein auf systematisch darauf dressiert, im Notensystem zu denken. Leider mit Erfolg.” Anita Chiesa, eine junge Lehrperson an der Volksschule, denkt: “Feedbacks sind mir wichtiger als Noten, die wenig aussagen. Aber gerade beim Übertritt von Schülerinnen und Schülern in die Oberstufe zählt hauptsächlich die Note.”

 

Kompetenz- statt notenorientiert

Lehrpersonen, welche für Noten verantwortlich sind, nehmen Einfluss auf die Schülerschaft und beurteilen ihre Arbeit mit Zahlen. Hans Huggler arbeitet an der Berufsschule als Lehrer in “Allgemeinbildung” mit Schülerinnen und Schülern, die eine Berufslehre machen. Für ihn ist klar: “Die Schüler bekommen ein Zeugnis und dafür müssen sie Leistungen bringen. Das gilt für alle, obwohl die Voraussetzungen, welche die Schüler mitbringen, nicht dieselben sind.” Gerade deshalb freut sich Anita Chiesa auf den “Lehrplan 21”, der voraussichtlich Schuljahr 2015 in Kraft treten wird: “Das kompetenzorientierte Lernen, also die Beurteilung nach dem, was der Schüler kann, und nicht nach dem, was er nicht kann, wird stärker gewichtet werden.” Sie sagt weiter: “Beurteilen muss für mich aber absolut nicht in Form von Noten geschehen. Die Noten könnten wir auch abschaffen.” Zudem “können Noten die Kinder blockieren”, meint Blanca Thurian, denn man beurteile die stärkeren und schwächeren Kinder gleich. Hans Huggler fände eine Beurteilung ohne Noten grundsätzlich gut, merkt aber an: “Ich habe 120 Lernende. Wenn ich regelmässig in einigen Sätzen individuelle Rückmeldungen geben würde, ginge ich kaputt.”

 

Noten nehmen Lehrern Verantwortung ab

Das Gespräch neigt sich dem Ende zu. Die Diskussionspartner ziehen Bilanz. Peter Herren glaubt, dass heute die Verantwortung für die Beurteilung von Schülerleistungen durch Noten nicht  gestärkt, sondern vergröbert und teilweise aufgelöst werde: “Die Noten legitimieren ein Urteil der Lehrpersonen, ohne es transparent zu machen.” Blanca Thurian schlägt vor, dass man den Baum auf der Karikatur besser fällen sollte: “Das ermöglicht jenen, die können, einen Handstand darauf zu machen, andere können einfach darauf sitzen und sich auch mal ausruhen, so hätten aber alle ein Gefühl von Gesellschaft und Gemeinsamkeit, sie würden nicht selektioniert.” Anita Chiesa denkt an die Auswahl der Kinder: “Selektion geht an den Kindern nicht spurlos vorbei.”

 

Die Lehrpersonen am Tisch finden einen Konsens, obwohl – oder gerade weil – sie an verschiedenen Stufen unterrichten. Ob sich ihre Gedanken über das Beurteilungssystem auch in ihrem täglichen Unterricht niederschlagen?