Kultur | 06.10.2011

Kot, Küken und Katzenfutter

Vorwiegend Spass haben will das Publikum an der Slam Movie Night. Sobald ein Film eklig oder nachdenklich wird, wird er ausgebuht. Am Shnit machte am Samstag ein Architekt das Rennen, mit einem Film - im wortwörtlichen Sinne - für die Katz.
Siegerehrung an der Slam Movie Night im Progr.
Bild: Patrick Hofer Musiker und Produzent Dodo Jud gab den Schiedsrichter. Bilder: Matthias Käser Daniel Blatters Plan, mit seinem Film das Publikum zu unterhalten, ging auf: "Chili con" gewann.

Die Stimmung im Saal ist schnell aufgeheizt, es wird laut. Dodo Jud, Schweizer Reggaesänger, führt durch den Abend. Er ist gleichzeitig Schiedsrichter und muss aufgrund der Publikumswertung entscheiden, ob der Film rausfällt oder nicht. Das Publikum begrüsst er mit einem schnellen Rap zum Kurzfilmfestival. Dieses ist sehr wählerisch. Offensichtlich kommen Kurzfilme mit Fäkalhumor wie “Mit Scheiss” (2011) von Luca Zuberbühler nicht gut an. Der Film handelt von zwei Männern, die die Strasse entlang gehen und von ihren Frauengeschichten erzählen. Wenn die Schauspieler das Wort “Scheisse” aussprechen, werden sie sogleich von Kot überschüttet. Idee und Story sind zwar durchdacht, aber durch den Ekel, den der Film hervorruft, hat er keine Chance gegen die humorvollen Animationsfilme die unter anderem an der Slam Movie Night gezeigt werden. Der Film fällt raus.

 

Klick-Klack

Im Finale treten zwei Animationsfilme gegeneinander an. Der erste des 12-jährigen Regisseurs Wassim Hichri dauert nur ein paar Sekunden. Darin wird ein Ei in die Pfanne geschlagen, wobei der Geist eines jungen Kükens mit Heiligenschein entflieht. Das Publikum ist begeistert. Im zweiten Film “Chili con” wird jede Bewegung vertont. Stöckelschuhe mit ihrem Klick-Klack geben den Rhythmus vor. Dann geht eine Türe auf und zu, eine hungrige Katze miaut und Pfannen klappern. Alle Geräusche werden geloopt, zusammen ergeben sie eine fantastische Geräuschkulisse. Während “Chili con” wird fast die ganze Zeit geklatscht. Doch dann kippt die Stimmung kurzzeitig: Die Szene, in der das Fleisch für ein Chili con Carne fehlt, und die Kamera auf die Katze zoomt, lässt einen Übles erahnen. In der nächsten Einstellung sind Leute beim Mittagessen zu sehen. Im Publikum wird es still. Die Kamera schwenkt vom Tisch weg zur Katze. Sie frisst Katzenfutter, welches demnach auch für das Chili con Carne verwendet wurde. Das Publikum grölt –  der Gewinner steht fest.

 

Ursprüngliches Bewerbungsvideo

Daniel Blatter ist der Regisseur von “Chili con”. Im Gespräch wirkt der 27-Jährige zurückhaltend. Den Film hat er im Interesse gedreht, an der Zürcher Hochschule der Künste ein Bewerbungsvideo einzureichen. Das vorgegebene Thema lautete “Übergangslösung”. Sein Film solle vor allem unterhalten und die Leute zum Lachen bringen, sagt Blatter. Der ausgebildete Architekt hat den Kurzfilm alleine realisiert mit Adobe-Programmen, die er aus seinem Beruf kennt. “Der Aufwand war ziemlich gross, ich habe während drei Monaten daran gearbeitet, bis ich zufrieden war”, sagt er. Blatters Film besteht aus 500 Einzelbildern, jedes musste einzeln bearbeitet werden. Der prämierte Sieger besuchte schon mehrmals die Slam Movie Night. Dieses Jahr habe er sich nun überwunden, einen Film einzureichen. Er meint: “Es lohnt sich, ein Projekt durchzuziehen. Ich möchte alle dazu ermutigen, sich zu trauen auch einen Film zu realisieren.”

 

 

Slam Movie Night


Die Slam Movie Night bietet nach dem Vorbild des Poetry Slam jungen Regisseurinnen und Regisseuren eine Plattform um ihre Filme zu zeigen. Das Publikum entscheidet dabei während des Films mit Buh-Rufen oder Klatschen, ob der Film rausgeworfen wird oder ins Finale kommt. Der Gewinner erhält gemäss den Organisatoren “Ruhm und Ehre und einen ‚goldenen Slamy'”.