Politik | 05.10.2011

Kämpfen bis zum letzten Atemzug

Text von Jan Müller | Bilder von feministing.com
Seit dem 18. August 1989 dürfte der Namen Troy Davis ein Begriff sein. Der US-Amerikaner wird aufgrund eines Tötungsdeliktes an einem Polizeibeamten im Bundesstaat Georgia des Mordes beschuldigt. Seitdem wurden Davis dreimal zum Tode verurteilt . Kurz vor der Vollstreckung wurden die Urteile allerdings wieder aufgehoben. Durch ein viertes Todesurteil wurde Davis dann hingerichtet.
Trotz internationaler Proteste wurde Troy Davis vor zwei Wochen hingerichtet.
Bild: feministing.com

Nachdem der weisse Polizist Mark McPhail auf einem Parkplatz in Savannah, Georgia erschossen wurde, schrieb die Polizei bald darauf den Afroamerikaner Troy Davis zur Fahndung aus. Dies geschah aufgrund einer Aussage von Sylvester Coles, welcher Davis beschuldigte, den Mord begangen zu haben. Davis stellte sich daraufhin freiwillig der Polizei, weil er seine Unschuld beweisen und dadurch untermauern wollte. Aufgrund den Aussagen von insgesamt 9 Zeugen – Coles eingeschlossen – wurde er allerdings im August 1991 zum Tode verurteilt.

 

Unschuldig verurteilt?

Daraufhin folgten viele Beschwerden und Einsprüche bei Staats- und Bundesgerichten. Die Verteidiger, sowie Davis selbst, warfen dem Gericht, respektive der Jury Rassismus vor und forderten vehement ein “faires Verfahren”. Das Urteil wurde bis an den obersten Gerichtshof der USA weiter gezogen. Dieses ordnete eine Wiederaufnahme des Falles an. Obwohl mittlerweile sieben der neun Zeugen ihre Aussagen zurückgezogen hatten –  sie berichteten, dass sie von der Polizei gezielt unter Druck gesetzt wurden, Falschaussagen zu machen – bestätigte das Gericht in Savannah das Todesurteil. Coles steht allerdings noch immer zu seiner Darstellung der Dinge. Nebst den Zeugenaussagen gibt es keine weiteren Beweise, die Davis belasten.  Einer der Geschworenen aus dem ersten Prozess wurde von CNN wie folgt zitiert: “Wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiss, sässe Troy Davis nicht in der Todeszelle!”

 

Internationale Unterstützung

Troy Davis wird nebst diversen Organisationen wie Amnesty International von vielen Einzelpersonen unterstützt. Auf einer Liste mit Unterstützer finden sich Namen wie Bruce Springsteen, Jimmy Carter (Ex-US-Präsident), Desmond Tutu (Friedensnobelpreisträger aus Südafrika) oder gar Papst Benedikt XVI. wieder. Mit dieser breiten Hilfe konnte der Vollzug der Todesstrafe dreimal erfolgreich ausgesetzt werden. Weltweit gab es seit dem ersten Todesurteil Hunderte von Aktionen, die sich gegen die Tötung von Troy Davis einsetzten. In vielen Städten wurde gegen das Todesurteil protestiert. Amnesty International rief wiederholt dazu auf, eine im Internet veröffentlichte Petition zu unterschreiben. Bis zum Todestag von Davis sind dabei über 660’000 Unterschriften zustande gekommen!

 

Das vierte Todesurteil

Nach einer wiederholten Überprüfung der Akten im Jahre 2010 befand ein Gericht, Davis könne seine Unschuld nicht beweisen. Die Unschuldsvermutung wurde also außer Kraft gesetzt. Das Todesurteil blieb aufgrund dessen weiter bestehen. Der Oberste Gerichtshof schloss sich dann im März dieses Jahres diesem Urteil an. Somit war der Weg frei für den vierten und finalen Hinrichtungsbefehl. Dieser wurde am 5. September 2011 von einem Gericht unterzeichnete. Die Hinrichtung wurde dadurch auf den 21. September um 19 Uhr Ortszeit festgelegt. Einen Tag vor dem geplanten Vollstreckungsdatum tagte der Begnadigungsausschuss von Georgia zum Fall. Der Ausschuss hatte die Hinrichtungsbefehle bis jetzt aufgrund des grossen, öffentlichen Druckes und der Zweifel an Troys Schuld immer aufgehoben. Diesesmal wurde des Gnadengesuch von Davis allerdings abgelehnt. Der Hinrichtung von Troy Davis stand dadurch nichts mehr im Wege. Seine Unterstützer gaben bis zuletzt nie auf. Sie riefen weiterhin dazu auf, die Gnadenpetition zu unterschreiben und die zuständigen Behörden mit Briefen, Anrufen und Faxen zur Meinungsänderung zu bewegen.

 

Die Hinrichtung

Alle Versuche die Hinrichtung von Davis abzuwenden, respektive seine Strafe in eine lebenslange Haftstrafe umzuwandeln, verliefen im Sand. Es gab diverse Mahnwachen und Demonstrationen, unter anderem direkt vor dem Gefängnis, welches komplett von der Polizei und den Behörden abgeriegelt worden war. Obwohl die Hinrichtung aufgrund des grossen öffentlichen Druckes um einige Stunden verzögert werden konnte, wurde Troy Davis am 21. September 2011 durch die Giftspritze hingerichtet. Kurz vorher verweigerte er die Einnahme der Henkersmahlzeit und erklärte gegenüber Amnesty International: “Ich werde bis zu meinem letzten Atemzug kämpfen.” Sein Tod wurde um 23:08 Uhr Ortszeit festgestellt.