Kultur | 15.10.2011

Irgendwie klarkommen

Text von Fabian Frei | Bilder von zvg
Der Film "Fritt Fall" der schwedischen Regisseurin Carin Bräck zeigt intime Bilder zum Thema der Fehlgeburt. Brisant, ruhig und doch intensiv.
Wenn du alles hast, kannst du alles verlieren. Lea (Ida Gyllensten) in "Fritt Fall".
Bild: zvg

Was morgens in trauter Zweisamkeit am Frühstückstisch beginnt, endet abends in der traurigen Einsamkeit zu zweit. Das Drama “Fritt Fall” der schwedischen Regisseurin Carin Bräck aus dem Jahr 2010 zeigt ein junges Paar mit dem Wunsch nach Kindern. Symptome wie vaginale Blutung und Bauchschmerzen machen die Protagonistin auf der Toilette auf eine mögliche Fehlgeburt aufmerksam. Das unangenehme Thema der Fehlgeburt ist dem Paar bewusst, aber man belässt es beim Schweigen. Eine schwierige Prüfung für die beiden, mit dieser Situation umzugehen.

 

Das Ende bleibt offen

Mit den ruhigen und doch intensiven Bildern macht Carin Bräck auf ein Thema aufmerksam, welches kaum öffentlich besprochen wird. In der Gruppe der 20 bis 29-jährigen Frauen gilt die Annahme, dass etwa die Hälfte der befruchteten Eizellen zugrunde gehen. Das sind etwa 30 Prozent aller Frauen, die in ihrem Leben von Fehlgeburten betroffen sind. Häufig werden sie allerdings nicht als solche erkannt, sondern als Unregelmässigkeit des Menstruationszyklus abgetan. Ein Verhindern von Fehlgeburten ist in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft medizinisch nur bedingt möglich. Das Gespräch über eine Fehlgeburt bleibt meist aus. So auch im Film. Die Protagonistin blockt ab, ihr Partner hakt nicht nach. Sie versuchen jeweils alleine mit der Situation irgendwie klarzukommen. Er ist überfordert und machtlos, sie kämpft und versucht zu vergessen, indem sie sich Vodka reinschüttet und auf der Toilette einer Bar mit einem Fremden rumvögelt.

 

Die psychische Belastung einer Fehlgeburt bedarf in der Regel einer Therapie und gegenseitiger Unterstützung. Das Ende des Films bleibt offen. Der Betrachter verlässt das Kino ohne eine Antwort, ohne eine Anleitung zum Umgang mit einer Fehlgeburt. Mit dem Vorhang ist der Film nicht zu Ende, er geht weiter in der Reflexion des Betrachters. Wie soll man denn nun damit umgehen? Carin Bräck möchte keine Antworten geben. Sie kennt sie auch nicht. Aber sie möchte die Fragen dazu zur Sprache bringen. Ihre klare Aussage:”Talk about it!” Der Titel des Films muss sich nicht zwingend einlösen.