Kultur | 10.10.2011

Frischer Wind im Sensebezirk

Text von Matthias Schafer | Bilder von Matthias Schafer
Klein ist ihr Personalbestand, ihr Sendegebiet, ihr Budget: die Lokalradios. Welche Arbeit jedoch hinter dem Aufbau steckt, wird meist unterschätzt. Radio Kaiseregg, ein junger Internetsender aus dem Freiburger Sensebezirk, feiert im laufenden Jahr sein 10-jähriges Bestehen. Grund genug, einmal die Ohren zu Spitzen im Senseland.
Christian Baeriswyl (22), Geschäftsführer von Radio Kaiseregg im Studio in Tafers, Kanton Freiburg.
Bild: Matthias Schafer

“Köörschù di früschi Luft?”, steht in blauweissen Lettern auf einem Plakat, daneben blinken und surren verschiedene technische Installationen und Computer. Ich befinde mich in einem der Räumlichkeiten des Lokalsenders Radio Kaiseregg im Vereinshaus in Tafers, Kanton Freiburg, wo ich mit Christian Baeriswyl (22) verabredet bin, dem Geschäftsführer des jungen Internetradios.

 

Freier Radio machen

“Angefangen hat alles im Jahre 2001”, beginnt Baeriswyl zu erzählen, von den meisten einfach Chrigù genannt. In einem heimeligen Privatlokal eines Gründungsmitglieds in Schwarzsee, einem Naherholungsgebiet in den Freiburger Voralpen, entstand die erste Sendeinrichtung, welches Chrigù als “gemütliches Wohnzimmer” beschreibt. Eine Handvoll aktive Radioleute wollten damals freier Sendungen gestalten, Beiträge nach ihrem Gusto verfassen, und überhaupt: tüfteln.

 

“Das Studio war ideal”, sagt Chrigù, der zwei Jahre nach der Gründung ins Unternehmen einstieg. Das Gros der Radiomacher wohnte in der Region, und auch die Hörerschaft konzentrierte sich auf das Senseoberland. Bald kam der Wunsch auf, ein Radio für den gesamten Bezirk aufzubauen. Dafür war das Studio in Schwarzsee jedoch zu klein und zu abgelegen – ein zentraleres, aber ebenso erschwingliches Mietlokal musste her.

 

Brand im neuen Vereinshaus

Im Vereinshaus im Bezirkshauptort Tafers wurden die Radiomacher vor vier Jahren schliesslich fündig. Ein unerwarteter Rückschlag geschah Ende 2010, als an einem Anlasse der Jubla Tafers ein Brand das gesamte Studio verrusste. Ein vorübergehendes Ausweichen ins ehemalige Lokal Schwarzsee war unumgänglich.

 

Mittlerweile hat das Radio Kaiseregg in Tafers wieder seinen festen Platz. Die heute rund 20 Mitarbeitenden setzen sich aus den verschiedenen Altersgruppen zusammen und stammen grösstenteils aus der Region. Radio machen sie in ihrer Freizeit. Dies wiederspiegelt auch gleich das Zielpublikum des Radios. “Wir möchten für jedermann etwas bieten”, so Baeriswyl. Was jedoch in Bezug auf das Programm eine schwierige Gratwanderung darstelle. Informiert man sich über das Sendeangebot, so findet man eine Sendung namens “MetalExpress”, das beliebte Drachenradio, welches die Auswärtsspiele des Eishockeyclubs Freiburg-Gottéron live überträgt, oder auch eine Sendung mit dem Titel “Schlager und volkstümlich” und sogenannte Spotlights – kurze redaktionelle Beiträge zu aktuellen regionalen Themen.

 

Secondhand, Pannen und Faszination

Der Empfang erfolgt hauptsächlich über Kabelanbieter und das Internet. “Als Lokalradio im Kanton Freiburg haben wir das Recht, höchstens 30 Tage pro Jahr über Ultrakurzwelle (UKW) zu senden.” Um mit der Zeit zu gehen, spielen für das Radio soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter eine immer wichtigere Rolle als Werbe- und Informationsquelle. “Ein ausgeglichenes Budget zu haben ist eine überaus schwierige Aufgabe”, meint Chrigù. Als Lokalradio kann Radio Kaiseregg weder auf staatliche, noch auf Unterstützung seitens der Billag zurückgreifen. Es finanziert sich folglich vor allem aus Geldern von Gönnern, Sponsoring und eigener Werbeproduktion wie beispielsweise Audioproduktionen für Werbespots und Vertonungen. Weiter arbeiten alle Mitarbeiter unentgeltlich. Das technische Equipment ist ausgemustert vom Schweizer Radio DRS.

 

Um mir ein besseres Bild zu machen, entschied ich mich, selbst beim Sender mitzuwirken. Als Moderator begab ich mich an die 19. Country-Night in Schwarzsee, ein von Radio Kaiseregg live übertragenes Musik-Event. Wie hektisch und aufwändig es sein kann, mit wenigen Mitteln eine akzeptable Sendung zu ermöglichen, leuchtete mir mehr und mehr ein. Interviewpartner ausfindig machen, technische Pannen entschärfen und das Programm am Laufen halten: dies erfordert eine überdurchschnittliche Faszination für das Radiomachen. Dabei blieb die Stimmung im dreiköpfigen Team stets kollegial und fröhlich. In diesem Sinne: “Vúù Glúck zùm Gebùrtstag!”