Kultur | 15.10.2011

Filmen liegt bei ihm in der Familie

Elias Dellers schaffte es mit seiner Komödie "Himmelbank" über ein Warteraum im Jenseits auf den zweiten Platz am Jugendfilmwettbewerb der Valiant - und an die Filmhochschule. "Ich kann nicht nicht an einem Projekt arbeiten", sagt der Berner, der zusammen mit seinem Bruder ein Filmunternehmen führt.
"Du bisch tot, mann!" Szene aus dem Kurzfilm "Himmelbank" (2011).
Bild: zvg Elias Dellers gründete die Firma 7film im Alter von 14 Jahren zusammen mit seinem Bruder. Louisa Nelle

“Me nimmts, wis chunnt.” So blickte der 19-jährige Elias Dellers aus Gümligen bei Bern vor der Entscheidung auf das Rennen der beiden Favoritenfilme im Valiant Junior Contest, zu denen auch sein Film “Himmelbank” gehörte. Inzwischen ist bekannt, dass Martin Klöckener mit seinem Film “Plus quam perfekt – Mehr als Vergangenheit” die 4000 Franken gewonnen hat. “Himmelbank” landete auf dem zweiten Platz. Elias setzt sich in seinem Film humorvoll mit dem Tod auseinander. Alle zu früh gestorbenen Menschen erhalten noch keinen Platz im Himmel. Sie müssen auf der Himmelbank ihren altersbedingten Todeszeitpunkt abwarten.

 

Über Knete und Stop-Motion zu Schauspiel

Elias hat sich mit diesem Film zum Thema “Übergangslösung” im Frühling dieses Jahres an der Zürcher Hochschule der Künste beworben – und wurde genommen. Er verrät, dass die Grundidee eigentlich von seinem Vater stamme, der früher auch Filme gedreht hat. Im Winter vor einem Jahr rollte Elias die Idee neu auf, überarbeitete sie, entwickelte sie weiter und realisierte sie schliesslich als Film. Als er vor fünf Jahren mit dem Filmen begann, wusste er noch nicht, dass sein Vater früher auch zu den Filmemachern gehörte.

 

Die Arbeit mit der Kamera liegt eindeutig in der Familie. Mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Saladin führt Elias das Unternehmen 7film. Auf Anfrage produzieren sie Hochzeitsfilme, Werbespots, Videoclips und vieles mehr. Auf die Frage, wie die Zusammenarbeit der Geschwister denn funktioniere, erklärte er, dass sie eine Abmachung hätten: “Meinungsverschiedenheiten werden vor dem Dreh ausdiskutiert. Am Set muss alles geklärt sein, damit wir schnell vorankommen.” Ausserdem sei Saladin ein hervorragender Schauspielführer, er selbst sei besser im Umgang mit der Technik.

 

“Schliesslich verliert man sich doch wieder”

In das visuelle Schaffen sind Elias und Saladin über die Fotografie eingestiegen. Der nächste Schritt waren Stop-Motion-Filme mit Knetfiguren. Schliesslich begannen sie Kurzfilme mit echten Schauspielern zu drehen. Seitdem sind die behandelten Themen ernster geworden, und auch in der Produktion hat sich vieles verändert. Zu Beginn bestand ihre Filmcrew nur aus den beiden Brüdern. Mit der Zeit fragten sie Kollegen um Hilfe am Set. Heute stellen sie für jeden Film ein neues Team aus Fachleuten zusammen. “Das ist schon speziell”, findet Elias, “zuerst kennt man einander nicht, dann wächst man auf dem Set zu einer richtigen Familie zusammen und schliesslich verliert man sich doch wieder aus den Augen.” Mit welchem Schauspieler er denn gerne einmal einen Film drehen würde? “Ich will lieber einen Schauspieler, der wirklich in die Rolle passt, als einen, der berühmt ist. Das ist mir viel wichtiger”, sagt er.

 

Zehn Jahre lang war Elias selbst als Schauspieler bei der Jungen Bühne Bern tätig. Heute steht er lieber hinter der Kamera. Die Zeit neben dem Studium sei knapp. Aber er wolle Filme machen und was man wolle, schaffe man. “Es ist wie eine Sucht, ich kann gar nicht nicht an einem Projekt arbeiten!”, sagt er lachend. Sein neustes Projekt mit dem Arbeitstitel “Frei Gefangen” befindet sich mitten in der Vorproduktion. Elias schreibt das Drehbuch, sein Bruder wird Regie führen. Früher habe er nach Ideen für einen Film suchen müssen, erinnerte sich Elias. “Heute habe ich Tausende, die ich gar nicht alle umsetzen kann.”

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