Kultur | 10.10.2011

Einen guten Sonntagmorgen verbracht

Hanspeter Bundi und Jolanda Suter gingen am 6. Oktober mit dem dritten Preis am Helvetas Clip Award als Gewinner nach Hause. Mit ihrem Kurzfilm zum Thema "Wasser macht..." liessen sie jedoch beim Publikum die eine oder andere Frage offen.
Max Rüedlinger im Kurzfilm "Wasser macht Dichter". Spielort ist das Badezimmer des Schweizer Schauspielers.
Bild: zvg Hanspeter Bundi und Jolanda Suter, die Macher des Films, bei der Preisverleihung letzten Donnerstag im Kornhausforum. Manuel Lopez

Anders als in den Clips der Erst- und Zweitplatzierten schien der Zusammenhang zwischen der globalen Wassernot und der im 45-sekündigen Kurzfilm “Wasser macht Dichter” verarbeiteten Idee unklar. Darin mutiert der St.Galler Schauspieler Max Rüdlinger zum Dichter. Das Publikum kommt während 45 Sekunden in den Genuss, Rüdlinger bei seinem morgendlichen Ritual im Bad zu begleiten – Duschen, Zähneputzen und Nasenhaarentfernen gehören hier dazu. Nach dem Prozedere sehen die Zuschauer nun ein Spiegelbild von Max. Daher der Titel “Max. Frisch.”.

 

Nähe zum Thema fehlt

“Es ist das Max-Frisch-Jahr, da habe ich gedacht den Max Rüdlinger könnte man in das Max-Frisch-Jahr einbauen. Eine Idee, die mir einfach so eingefallen ist”, sagt Hanspeter Bundi. Der Journalist für Helvetas und Freund von Max Rüdlinger entwickelte die Idee zunächst ohne konkreten Anlass für die Umsetzung. Den Helvetas Clip Award 2011 sah er dann als Chance: “Warum sollten wir das nicht miteinander verbinden – auch wenn es mit Entwicklungszusammenarbeit nicht viel zu tun hat. Machen wir doch aus dem Max Rüdlinger den Max Frisch. Und dann macht Wasser eben auch Dichter.”

 

Zusammen mit der Regisseurin Jolanda Suter drehte das dreiköpfige Team den Kurzfilm in rund zwei Stunden bei Rüdlinger zu Hause im Badezimmer. “Wir haben einen guten Sonntagmorgen verbracht”, meint Suter zu den Dreharbeiten. Was aber haben Schauspieler und Dichter beziehungsweise Max Frisch mit der globalen Wasserverteilung zu tun? Bei dieser Frage weist Suter wiederholt auf Co-Produzent Bundi mit dem Kommentar: “Er ist der Entwicklungshelfer”. “Es ist wirklich eine schwierige Frage”, sagt dieser. “Da müsste man ein ganz grosses philosophisches Gebäude aufbauen und dann könnte man vielleicht sagen, doch, das hat etwas miteinander zu tun”, so Hanspeter Bundi, ein waschechter Frisch-Fan. Er weiss auf die Frage in Kürze keine Antwort zu geben. Bleibt also offen, welche Botschaft “Wasser macht Dichter” dem Publikum vermitteln soll.

 

Max Frisch-Bonus

Auf die Frage nach der Wirkung eines Kurzfilms erwidert Bundi jedoch: “Ich glaube nicht, dass wir mit diesem Filmchen ein Umdenken einleiten, das wäre ja wirklich vermessen. Ich glaube, selbst ein ausgezeichneter Film hat es sehr schwer, ein Umdenken zu bewirken”. Suter meint zudem, den dritten Platz dank “Sympathie-Bonus durch Max” erreicht zu haben. Den beiden Filmemachern ist es immerhin gelungen, ein bekanntes und charakteristisches Gesicht für ihren Clip zu gewinnen und dieses gekonnt einzusetzen. Das Wortspiel, welches sich hinter dem Titel “Wasser macht Dichter” verbirgt, klingt nach, wirft Fragen auf, regt zum Nachdenken an. Vielleicht gelingt es Bundi und Suter so, trotz fehlendem Zusammenhang mit der Thematik Entwicklungshilfe, auf die an Bundesrätin Doris Leuthard gerichtete Petition “Sauberes Wasser für alle” aufmerksam zu machen.

 

Die Fachjury des Helvetas Clip Awards 2011, bestehend aus zwei Filmschaffenden und zwei Helvetas Mitarbeitern, wählte aus 40 Einsendungen die drei besten aus. Berücksichtigt wurden die drei Kriterien Originalität der Idee, Qualität der Umsetzung und Nähe zum Thema. Letzteres sei dieses Jahr bewusst offen gewählt worden, sagt Angelika Koprio von Helvetas. Damit liessen sie den Filmemachern die Wahl, ihre eigenen Prioritäten zu setzen – sei es die Botschaft im Sinne der Entwicklungshilfe oder allein der Filmwettbewerb. “Den dritten Platz verdanken Suter und Bundi unter anderem dem guten Schauspieler, dem Witz und der Pointe”, so Koprio. Ausserdem engagiere sich die Helvetas auch in verschiedenen Theaterprojekten und sei daher von Kultur “nicht abgeneigt”. Den ersten Platz hätte “Wasser macht Dichter” deshalb nicht erreichen können, weil die Nähe zur Thematik fehle, brilliert habe der Clip dank dessen filmischen Qualität aber trotzdem.

 

 

Die Jury


Michael Burtscher, Regisseur und Vorstand Kurz&Knapp

Sabine Gisiger, Regisseurin und Dozentin an der Zürcher Hochschule der Künste

Stefan Stolle, Leiter Kommunikation & Fundraising bei Helvetas

Guillaume de Buren, Freiwilliger bei der Helvetas Regionalgruppe Genf

 

Den drittplatzierten Clip “Wasser macht Dichter” und alle weiteren eingereichten Clips sind auf Youtube zu sehen. Bis am 31 Oktober kannst du hier für den Publikumspreis des Helvetas Clip Award 2011 abstimmen.