Kultur | 18.10.2011

Der elektrisierend Gewöhnliche

Text von Amadis Brugnoni | Bilder von zVg
Böse Zungen behaupten, in Basel würde sich jeder Zehnte ein Rapper nennen. Dies mag so sein, jedoch sind die Wenigsten wirklich aktiv und bringen was Ernsthaftes auf die Beine - so wie es zum Beispiel der junge Daniel Gass alias "Dirty D" macht. Tink.ch nimmt seine neusten Kreationen "Musik/Hass" und "Idiopathy" unter die Lupe.
Daniel Gass alias Dirty D geht über den Horizont des gewöhnlichen Hip-Hop hinaus.
Bild: zVg

Wer den Namen “Dirty D” zu Ohren bekommt, könnte meinen, wir reden von einem Protagonisten aus einer Reality Show auf MTV. Er könnte meinen, wir sprechen von einem pensionierten Pornodarsteller, der in den 90er-Jahren die Hochsaison seiner Karriere erlebte. Oder er könnte meinen, wir portraitieren einen der härtesten Gangster der Basler Vorstadtgemeinde Allschwil. Dies stimmt jedoch alles nicht – bis auf seinen Heimatort Allschwil. Hinter “Dirty D” steckt ein ganz gewöhnlicher Rapper. Einer der seine Texte über ein Thema schreibt, wie es viele andere Künstler im selben Genre auch tun: über sich selbst.

 

Fast richtig gut

Dirty D veröffentlichte in diesem Spätsommer gleich zwei Scheiben: Seine erste EP “Musik / Hass” und ein paar Wochen später das Download-Mixtape “Idiopathy”. Dabei entstanden zwei Produkte, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Während “Musik / Hass” die gewöhnliche Hip-Hop-CD ist, die man von einem Hip-Hop-Künstler erwartet, stossen wir beim Hören von “Idiopathy” nicht mehr auf fett produzierte Beats aus Amerika. “Idiopathy” ist anders, elektronisch, schnell und laut. “Idiopathy” ist wild, roh und tanzbar. “Idiopathy” würde die Note “richtig gut” bekommen, wäre bloss nicht der Song «Real Talk« darauf – dort kommt der gewöhnliche Rapper “Dirty D” zum Vorschein, der einen ungewöhnlich mässigen Hip-Hop-Song wiedergibt.

 

Dirty D, der Nachdenkliche

“Musik / Hass” ist zwar auch gewöhnlich, aber nicht schlecht. Manch Hip-Hop-Fan wird Gefallen an den Instrumentals finden und die Texte sind nachdenklicher als auf “Idiopathy”. Es gibt weniger Textpassagen, welche man im Ausgang vor seinen Freunden zitieren kann, dafür kommt Daniel Gass hinter seiner Dirty D-Fassade hervor und zeigt uns, was einen 20-jährigen Jugendlichen in unserer Gesellschaft beschäftigt.

Wer also Lust auf gewöhnlichen Hip-Hop hat, der besorgt sich “Musik / Hass” im Fachhandel. Wer hingegen etwas Elektrisierendes sucht, oder einfach nur kostenlose Musik braucht, um die Bassbox im Auto zum Vibrieren zu bringen, der zieht sich “Idiopathy” herunter.

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