Politik | 05.10.2011

Das AKW im Hinterhof

Text von Daria Moor | Bilder von Daria Moor
Was halten die Nachbarn von ihrem Atomkraftwerk? Vier Bewohner des Dorfes Niedergösgen, das zwischen Olten und Aarau liegt, geben ihre Ansichten gegenüber dem Gösger Atomkraftwerk bekannt.
Droht Gösgoshima? Gemäss den Atomgegnern im Land: Ja. Filiz Göktas möcht von der Atomkraft wegkommen... ...wie Margrit Moor bezieht sie aber Strom vom Kraftwerk. Auch Befürworter finden sich in Niedergösgen. Leander gehört dazu.
Bild: Daria Moor

Filiz Göktas hat zwei kleine Söhne und ist 40 Jahre alt. Ihr Haus steht wenige Meter gegenüber des Einkaufszentrums mitten in Niedergösgen. Während sie bei schönem Wetter ihre Hecke schnitt, fragte ich sie nach ihrer Meinung zum nahen Atomkraftwerk. Sie antwortete, dass es im Moment notwendig sei, sie sich aber schon vor dem Unglück in Japan gestört hätte. Sie bezieht Atomtrom, obwohl sie es gerne durch Solar-, Wasser- oder Windenergie tauschen würde.

 

Frau Gmür, die mit ihrem Hund unterwegs war, wollte sich nicht fotografieren lassen. Dennoch bezieht sie deutlich Stellung, was die Atomkraft betrifft: “Es ist unverantwortlich. Ich halte nichts davon.” Das Unglück in Fukushima hat dabei nicht den Ausschlag gegeben: “Ich war schon vorher dagegen. Aber was will man schon machen…”. Dennoch erhält auch sie den üblichen Strommix aus der Steckdose.

 

Beide Frauen stehen dem Atomkraftwerk in Dorf  negativ gegenüber. Beide würden sie ihren Strom lieber durch erneuerbare Energien beziehen. Auch Margrit Moor steht der Kernkraft skeptisch gegenüber. Die Rentnerin lebt mit ihrem Hund in einer Alterssiedlung und ist 77 Jahre alt. Sie hält nicht viel vom nahen Atomkraftwerk, denn sie will auf keinen Fall, dass spätere Generationen die Verantwortung tragen müssen für die Fehler von heute: ein Missgeschick im AKW oder beim Abtransport des radioaktiven Abfalls. Sie bezieht ihren Strom jedoch auch durch das Gösgener Atomkraftwerk und würde, wenn sie könnte, stattdessen gerne Solar-, Wind- oder Wasserenergie verwenden.

 

Es gibt aber auch klare Befürworter der Atomkraft in Niedergösgen. Leander sieht in der Kernkraft vor allem viele Vorteile: “Ich finde dieses Atomkraftwerk gut, denn es ist sicherer als andere in anderen Ländern und bringt sehr viel Strom. Vor dem Unglück in Japan habe ich genau gleich darüber nachgedacht. Bei mir wird mit Erdöl geheizt, aber es wäre nicht schlecht, es mit Wind-, Solar- oder Wasserenergie zu versuchen.” Das Atomkraftwerk in Niedergösgen erfährt also auch Unterstützung im Dorf. Leander hatte nie Bedenken und werde auch nie welche haben, versichert er.