Welt verändern

 

“Anstatt davon zu träumen wie man die Welt retten kann, fordern wir unsere Generation zum Handeln auf, hier und jetzt!”, das ist das Motto der unabhängigen Non-Profit Organisation euforia. Diese Woche stehen fünfzig motivierte Jugendliche im Zentrum, die selber aktiv werden wollen. Im Rahmen des fünftägigen Projektes Imp!act können sie in verschiedenen Programmen Ideen sammeln, sich über Non-Profit-Organisationen informieren und sogar selbst ein Projekt starten.

 

Von der Idee zum Projekt

Das Programm “Starte dein Projekt” beinhaltet während fünf Tagen verschiede Aktivitäten, die den Jugendlichen die notwendigen Werkzeuge, Tipps und Tricks mit auf den Weg geben sollen, damit sie ihre Idee umsetzen können. In verschiedenen Übungen werden die Jugendlichen auf globale und lokale Probleme sensibilisiert, erfahren von erfolgreichen Projekten der ehemaligen Teilnehmer und üben sich in Teamarbeit.

 

Ohne zögern

Immer wieder wird den zukünftigen Weltverändern das Wort überlassen, sie stellen erste Ideen und Ansätze der ganzen Truppe vor. Auf die Frage, wer denn beginnen möchte, herrscht für einmal kein betretenes Schweigen oder langes Zögern. Die Jugendlichen sind motiviert, mutig und bereit, sich zu engagieren. Zehn Projektgruppen sind am Start, die an konkreten Ideen arbeiten. Tink.ch verfolgt die Teams und berichtet.

 

L’envers du décor

Alex, 21 ans, d’origine autrichienne, est le technicien de l’équipe d’imp!act. Il est venu exprès d’Autriche pour intégrer le staff de cet événement particulier et innovateur. Mais comment s’est-il retrouvé ici? « Je cherchais un stage, quelque chose à  faire durant l’été, et je suis tombé sur imp!act en surfant sur le net ». Comme quoi, c’est utile, tout de même, Internet.

 

Son rôle au sein du staff consiste en la gestion, comme sa fonction l’indique, de la technique. « S’il y a des ordinateurs qui manquent, l’imprimante qui ne marche pas, des lumières qui ne s’allument pas ou le son qui ne fonctionne pas, c’est moi qui m’en occupe. On a eu des problèmes avec le wi-fi, mais il n’y a pas eu de grands incidents techniques pour l’instant». Un métier qui peut parfois être de dur labeur: « On a eu aussi ces talkies-walkies… et c’était un peu… quel bouton faut-il presser pour parler? (rires) ». Mais cette fonction lui a également demandé de la préparation et un entraînement qu’il a effectués avec les techniciens de l’Uni. Cet aspect de la collaboration, l’a cependant coupé, dit-il, des autres procédures internes étant toutes hors de son domaine. Mais de cet entraînement, il garde un souvenir amusant: « Le technicien de l’Uni s’appelle Gesus. Alors chaque fois que je disais « J’ai un rendez-vous avec Gesus » ou « Est-ce que vous voulez parler à  Gesus? » c’était toujours très drôle!».

 

Face au week-end qui approche et qui rassemblera plus de 200 participants dans 15 salles de l’Uni-Mail de Genève, il semble plus ou moins confiant: « J’espère que tout marchera. On a pris la grande sono de l’Uni pour la mettre dans le hall, il y aura des câbles de 20 mètres, des écrans plasma, des beamers dans toutes les salles, de la sono… Je vais courir tout le temps! Si seulement je gagnais par mètre que je cours… »

 

“Europäer nicht klüger als Andere”

Um Europa ging es auch dieses Mal. Dass er seinen Besuch in Zürich einhalten konnte, erstaune ihn selbst, schmunzelt Jean-Claude Juncker zu Beginn. Um der Probleme Herr zu werden, muss die Europäische Union zurzeit einen strengen Zeitplan fahren. Diesen Mittwoch beraten ihre Spitzen einmal mehr, wie es mit Europa weitergehen soll. “Europa – wie weiter?” war auch der Titel, den das Schweizerische Institut für Auslandforschung der Veranstaltung gab. Von den anstehenden, EU-intern Verhandlungen erhofft sich Juncker wegweisende Entscheidungen, die in der Griechenland-Problematik überfällig sind.

 

Finanzmarktregulierung, statt –strangulierung

Diese Entscheidungen werden nur langsam getroffen, das bestreitet Juncker nicht. Demokratien funktionieren anders als Finanzmärkte, denn sie fordern Legitimierung. Ihre Entscheidungen müssen begründet und wohl überlegt sein, die der Finanzmärkte sind schneller, weshalb ihnen häufig beides fehlt, so der Luxemburger.

Auf politischer Ebene entfalte sich zwar momentan eine enorme Entscheidungsgewalt, streckenweise sei sie jedoch noch zu langsam für die gebotene Dringlichkeit. Er bringt es auf die einfache Formel: “Demokratien haben keine Zeit, Finanzmärkte nehmen sich keine”.

Juncker fordert daher eine Finanzmarktregulierung und die nicht nur bei der EU, nicht nur in Europa, sondern weltweit.

Die mangelnde Moral an den Finanzmärkten käme daher, dass die Regel, dass der für den Schaden aufkommt, der ihn auch verursachte, außer Kraft gesetzt wurde. Für daraus resultierenden Kardinalssüden hatten Staaten haften müssen. Und das heißt: die Bürger.

Diese Umlenkung der Verantwortung an sich ist nichts Neues. Unser Versicherungssystem beruht auf demselben Credo. Mit dem Gefühl der Versicherung kommt Sicherheit und aus ihr kann Achtlosigkeit entstehen, wie es scheinbar vielfach an den Märkten der Fall war, deren Versicherung der Staat ist.

 

Epizentrum weltweiter Bedrohung?

Bei der derzeitigen Lage handle es sich nicht um eine Eurokrise, sondern um die Schuldenkrise einiger europäischer Länder. Seinen Standardsatz ergänzte er um einen weiteren: Eher „zu wenig, als zu viel Europa“ trage Schuld daran.

In den angelsächsischen Medien werde Europa derzeit als „Epizentrum weltweiter Bedrohung“ dargestellt, was zwar keine Verschwörung sei – denn die Leute „sind einfach so“ – aber unverhältnismäßig. Die USA und Japan stünden nicht besser da.

Tatsächlich hat die USA im Juli bereits eindrucksvoll bewiesen, dass auch sie vor einem möglichen Staatsbankrott nicht gefeit ist. Aber Verschuldung spielt nicht allein eine Rolle, sondern auch die Frage, inwiefern die Schulden bedient werden können. Fraglich bleibt, warum die USA letztendlich darin besser sein sollten, als Länder Europas.

 

In der Europäischen Union sind verschiedene Kulturen, unterschiedliche Länder vereint. Das unterstreicht auch Juncker nochmals: Jedes Land muss als Einzelfall gesehen werden. Wie schon eine einzelne „Nation“ keine homogene Maße ist, so sind es die Länder der Euro-Zone erst recht nicht. Irland beispielsweise erholt sich besser von seiner desolaten Lage, als Griechenland es tut.

Griechenlands prekäre Situation sei nicht einzig durch das Versagen der nationalen Regierung zu erklären. Die griechische Staatsführung und ihr Selbstverständnis sei ein ganz anderes, als das von Staaten wie der Schweiz oder Luxemburg. So ist z.B. das griechische Grundbuch nach Personen und nicht nach Grundstücken geführt, wodurch nicht immer klar ist, in wessen Besitz sich bestimmte Ländereien befinden. Ansprüche können vielfältig geltend gemacht werden, was Unsicherheit bei Käufern und Anliegern verursacht.

 

Vorbürgerkriegsähnliche Zustände

Hinter den Staaten stehen Menschen. Dessen ist auch Juncker sich bewusst. In Griechenland handle es sich momentan um „vorbürgerkriegsähnliche Zustände“, die aus den enormen Restriktionen entstehen, die man den Griechen abverlange. Es stimme nicht, dass hier nichts geschehe, aber Beschlüsse müssen nun auch umgesetzt werden.

Diese bedeuten auch eine Beteiligung der Gläubiger, Juncker beziffert sie auf 50 Prozent. Die Haftung von Privatinvestoren, wie Banken, sieht Juncker kritisch. Sie sei notwendig und gerecht, könne jedoch künftige Investoren abschrecken.

Ein weiteres Ziel ist die Rekapitalisierung der Banken. Wer sein Geld für etwas hergibt, soll auch Mitspracherecht bekommen. Wenn also Steuergelder der Bürger in Banken fließen, müssen diese auch mitbestimmen dürfen, was nur der Staat garantieren könne.

Allerdings halten es nicht alle Staaten, genauer: Staatsmänner und –frauen, mit ihrer repräsentativen Pflicht gleich, wie der Fall Griechenland, aber auch Italien zeigt. Wenn der „Staat“ als korruptes System nicht den kollektiven, sondern eigenen Interessen nachgeht, kann auch diese Reglung letztlich nichts nützen.

 

Vom Erfolg ist man noch entfernt, zunächst müssen die Länder wieder auf Erfolgskurs gebracht werden. Das geschieht durchaus auch zum Selbstnutzen. Angela Merkel betont immer wieder, dass die eine, endgültige Lösung schön wäre, aber nicht möglich ist. In einem komplexen System und Netzwerk, wie es die EU, aber auch die globale Welt ist, kann ein einfacher Schnitt nicht mehr die Lösung für die Probleme sein. Die Probleme, die wir in der Europäischen Union sehen, sind globale Probleme.

Auch die Schweiz kann sich nicht von der restlichen Welt lossagen und schon gar nicht mit der Absicht, weiterhin von ihr zu profitieren. Juncker möchte die Schweiz nicht zu einem EU-Beitritt überreden. Er respektiert nationale Entscheidungen. Im Gegenteil sei er sogar ein großer „Schweizfreund“ und findet, dass das Land auf vieles stolz sein könne.

 

Plädoyer für Europa

So wohlwollend er gegenüber der Schweiz ist, so schwarz sieht er für die Nationalstaaten. Er ist davon überzeugt, dass einzelne Länder wie Deutschland und Frankreich, und schon gar nicht kleinere Länder wie Luxemburg oder die Schweiz, zukünftig eine entscheidende Rolle auf dem Weltmarkt spielen werden. Mit Wirtschafts- und Kulturgiganten wie China und Indien auf den Vormarsch, werden wirtschaftlich und vor allem demographisch kleine Länder im globalen Gefüge an Bedeutung verlieren.

Und auch Inder und Chinesen haben ein Recht auf den Aufschwung, den sie in diesen und in den kommenden Jahren erleben. Politik müsse endlich miteinander und nicht gegeneinander gestaltet werden, findet Juncker. „Wir sind doch nicht die Herren der Welt und als wir dachten, wir wären es, kam nichts Gutes dabei heraus“. Zum Ende seiner Rede wird Juncker noch passionierter, als er es ohnehin schon war.

 

Es ist ein flammendes Europabekenntnis, welches Jean-Claude Juncker auf gewohnt schlagfertige und charmante Weise hält. Es kommt nicht von ungefähr. Die „guten, alten Zeiten“, nach denen sich so viele sehnen, hat es nie gegeben. Kaum zwei Generationen ist es her, da tobte in Europa ein Krieg, in den alle Länder, ob gewollt oder nicht, ob parteiisch oder neutral, verwickelt waren. Keine zwanzig Jahre zurück liegt der Bosnien-Krieg, den viele als weit weg betrachten, der aber gerade mal drei Flugstunden entfernt ist.

 

Die Europäer sind nicht klüger, als andere Menschen. Daher müssen sie sich auch vor sich selbst in Acht nehmen und mehr Bescheidenheit üben, meint Juncker. Viele von ihnen seien zwar „in der Sonne groß geworden“, aber vergessen daher, was die Schattenseiten sind. Damit hat er Recht, denn die Europäische Union ist nicht nur eine wirtschaftliche Verbindung, sondern auch eine idealistische. Ihr Thema ist auch nach wie vor der Frieden und eine gemeinschaftliche Zukunftsperspektive.

Im Kreislauf der Zeit

Eine Gruppe aus 19 Tänzerninnen und Tänzern, Sängerinnen und Sängern tritt in Raum und Zeit ein. Sie tragen in dezenten Blautönen gehaltene Kleidung und bunte Turnschuhe. Schwingungen von Gesängen aus dem 14. Jahrhundert tragen die äusserst präzisen, abstrakten Bewegungen der belgischen Tanzkompanie Rosas. Aus der scheinbaren Monotonie entsteht Veränderung. Ein Kreis ist mit Sand auf den Boden gezeichnet. Der Kreis. Kein Anfang, kein Ende. Der Blick in eine neue Vergangenheit oder eine alte Zukunft? Während der nächsten 110 Minuten geht eine Neonleuchte nach der anderen an. Der Tag beginnt.

 

Minimal

Von 1978 bis 1980 besuchte Anne Teresa De Keersmaeker die Brüsseler Mudra-Tanzschule. 1981 studierte die heute 51-jährige Keersmaeker an der Tisch School of Arts in New York. Mit dem Stück “Fase, Four Movements to the Music of Steve Reich” zog sie 1982 schlagartig die Aufmerksamkeit auf sich. Darin stehen zwei Frauen, mit dem selbem Haarschnitt, dem selbem einfarbigem Kleid und mit Turnschuhen und Socken bekleidet auf der Bühne. Sie bewegen sich scheinbar synchron in einer schier endlosen Monotonie. Mit der Zeit jedoch sind die Unterschiede und Verschiebungen in den Bewegungen erkennbar. Dieser völlig neue Tanzstil erhielt den Namen Minimal Dance. Ein Jahr darauf gründete Anne Teresa De Keersmaeker ihre eigene Kompanie Rosas.

 

Nachdem die Mudra-Tanzschule nach Lausanne umgezogen war, gründete Anne Teresa De Keersmaeker mit dem Théatre Royal de la Monnaie die internationale Schule für modernen Tanz P.A.R.T.S. (Performing Arts Research & Training Studio). Viele der jungen Tanzschaffenden, die dieses Jahr am Tanz in. Bern-Festival ihre Tanzstücke präsentieren, haben zumindest einen Teil ihrer Ausbildung an dieser Schule gemacht.

 

Dissonanz und Kontrast

Anne Teresa de Keersmaeker präsentiert gleich zwei Stücke am Tanz in. Bern. Während “Cesena” die frühen Morgenstunden einläutet, lässt “En Attendant” den Tag ausklingen. In beiden Stücken arbeitet Anne Teresa De Keersmaeker mit Björn Schmelzer und seinem Ensemble Graindelavoix zusammen. Die singenden Tänzer und tanzenden Sänger gehen einen Dialog mit den Gesängen aus dem 14. Jahrhundert ein. Diese gehören der Musikrichtung Ars Subtilitor an, die auf Dissonanz und Kontrast basiert. “Cesena”, das jüngste Stück der Kompanie Rosas, wurde im Juli dieses Jahres am Festival d’Avignon zwischen den Steinmauern des alten Klosters, dem Cloître des Célestins, uraufgeführt.

 

Der Titel des Stücks kommt nicht von ungefähr: Im Jahre 1309 wurde die Stadt Avignon von Clemens V. zur päpstlichen Residenz erklärt und so zum Zentrum des Christentums. 1377 verübte Robert de Genève ein Massaker an tausenden Zivilisten der italienischen Stadt Cesena, die sich gegen die harte Kirchenherrschaft erhoben hatten. Robert de Genève wurde später Gegenpapst Clemens VII in Avignon.

 

Veränderung in der Monotonie

Die kühle Novemberstimmung einläutend, erhellen in der Dampfzentrale die Neonleuchten nach und nach den Raum. Eine anonyme Gruppe bewegt sich so synchron, dass ihre Schritte zu einem einzigen Schritt werden. Abläufe wiederholen sich lange, das Gefühl erzeugend, aufgelöst werden zu müssen. Dazu erklingt der volle, anhaltende Gesang, dessen Akkorde zwischen Harmonie und Disharmonie verschwimmen. Doch in der Monotonie wird die Veränderung sichtbar, hörbar und spürbar. Ein Tänzer löst sich aus der Gruppe, ein anderer zieht die Schuhe aus, eine Tänzerin zieht sich ein farbiges T-Shirt über. So subtil wie diese Veränderungen sind, naht auch der nächste Morgen.

 

 

Tanz in Bern


Das internatinale Tanzfestival Tanz in. Bern findet noch bis am 6. November 2011 in der Dampfzentrale statt. Programm und weitere Informationen: www.tanzinbern.ch

Wohin es führen könnte…

Gaddafi ist tot.

Diese Nachricht verbreitete sich am Donnerstag wie ein Lauffeuer. Nicht nur in der Universität Zürich war die Information vom Tod des ehemaligen, libyschen Machthabers innerhalb von wenigen Minuten weitergegeben worden – sie ging um die Welt. Das in der gewohnt rasanten Geschwindigkeit, die uns die modernen Kommunikationstechnologien ermöglichen.

Diese neuste Entwicklung war sicherlich mit Grund für die abermals ansteigende Präsenz in den Medien. Vorher war es ruhiger um den „Arabischen Frühling“ geworden. Ganz verschwunden war das Thema wegen seines Umfanges nie, aber es hatte vor dem Euro-Rettungsschirm ebenso weichen müssen, wie vor dem „Amerikanischen Herbst“ oder der weltweit aufflammenden Occupy-Bewegung.

Dabei werfen die Kettenreaktionen in der arabischen Welt viele Fragen auf. Es ist nur schwer vorstellbar, in welchem Machtvakuum sich ein Land befinden muss, dessen Regierung abgesetzt wurde und in dem viele Interessengruppen, auch von außerhalb, um neuen Einfluss konkurrieren. Wie wirkt sich das auf das alltägliche Leben aus und inwiefern werden diese politischen Änderungen von kulturellen Wandel herbeigeführt oder gefolgt? Letztendlich ist auch relevant, welche Bedeutung das alles für uns hat. Wirken die Ereignisse auch manchmal fern und fremd, so betreffen sie auch uns in vielen Belangen (und in unserem Selbstverständnis).

Suche nach Antworten

Jetzt werden die Situationen und Schicksale in der arabischen Welt wieder Thema Nummer Eins sein. An der kommenden Konferenz zwischen dem 27. und 28. Oktober 2011 in Zürich geht es nämlich genau um diese Fragen. Die Veranstaltung des NCCR Democracy und des CIS der ETH und UZH nährt sich der Lage des Nahen und Mittleren Ostens, sowie Nordafrikas thematisch an. Angeleitet werden die Diskussionen und Vorträge der Experten und Beteiligen von der essentiellen Überlegung: „Transformation of the Arab World – Where is it heading to?“ Wohin führen die Veränderungen in der arabischen Welt?

Im Mittelpunkt stehen vollzogene Wandlungen, aktuelle Krisen und mögliche Folgen für die arabische, aber auch die ganze Welt.

 

Die Konferenz ist öffentlich und der Eintritt frei. Besonders interessant dürfte die Podiumsdiskussion am Donnerstag um 18:30 Uhr sein. Hier werden sich vier Fachköpfe der zentralen Frage „Wohin führt die arabische Revolution?“ annehmen. Zum einen der ehemalige Schweizer Diplomat Josef Bucher, der auch in Tunesien, Ägypten und dem Sudan tätig war. Seine Gesprächspartner werden Arnold Hottinger, Tamer Aboalenin und Michael Thumann sein. Hottinger war lange Korrespondent der NZZ im Nahen Osten und hat zeitweise dort gelebt. Der gebürtige Ägypter Aboalenin lebt und arbeitet seit 25 Jahren als Journalist für verschiedene, arabische Medien in der Schweiz. Michael Thumann leitet die ZEIT-Redaktion für den Nahen und Mittleren Osten in Istanbul.

 

Mögen Zukunftsprognosen auch müßig oder kaum möglich sein, so ist es dennoch wichtig, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Auswirkungen und Veränderungen in der arabischen Welt beeinflussen auch uns – nicht nur wirtschaftlich.

 


Weitere Informationen (Sprecher, Zeiten und Lageplan) und den Link zur Registrierung findet ihr hier: http://www.mena-conference.uzh.ch/ .

 

Hören, Sehen und Staunen

Die Vorfreude steigt: Bald öffnet das jährlich stattfindende Shift-Festival zum fünften Mal seine Tore. Inmitten grosser Fabrikhallen, die eine industrielle, fast schon futuristisch-kühl anmutende Atmosphäre entstehen lassen, steht das Dreispitzareal in Basel vom 27. bis 30. Oktober ganz im Zeichen der elektronischen Künste. Diesmal unter dem Thema “Of Birds and Wires. Stimmen unter Strom”. Es geht um verfremdete und künstliche Stimmen, um Musik, ums Telefon, ums Radio und um die gesellschaftlichen Veränderungen, die damit verbunden sind. Vier Tage lang kann man sich auf künstlerische und musikalische Experimente zum Thema Stimmen einlassen, Ausstellungen besuchen, Vorträge hören, Filme angucken, an Workshops teilnehmen, Performances anschauen. Und staunen. Denn das Programm ist erfahrungsgemäss vollgepackt mit kleineren und grösseren Juwelen. Auch wenn einem die Namen der Künstler, Referenten und Musiker vielleicht nichts sagen werden: Hingehen und sich überraschen lassen lautet die Devise. Übrigens: Das Programm am Donnerstag ist wie gewohnt gratis. Wer noch unsicher sein sollte, kann sich an diesem Tag zumindest einen kostenlosen Eindruck vom Festival verschaffen.

Links

Seelenverwandt träumen

Auch in Restless geht Gus Van Sant wieder seinem Lieblingsthema nach: Die unangepasste Jugend. Dieses Mal stehen in den Hauptrollen Henry Hopper (richtig, der Sohn des grossen Dennis Lee Hopper), der den traumatisierten, sensiblen Enoch und Mia Wasikowska, welche die lebensfrohe, eigenwillige Annabel spielt. Beide vom üblichen Pfad des Lebens ein wenig abgekommen, treffen sie sich bei einer Beerdigung.

 

Für Enoch ist der Abschied von wildfremden, toten Menschen so etwas wie ein Hobby geworden, seit seine Eltern durch einen Autounfall ums Leben kamen. Traumatisiert schleicht sich der Tod überall in sein Leben. Sein Verstand erschafft seinen besten Freund, den Geist eines verstorbenen Kamikaze Piloten. So gerät sein Weg zur Selbstfindung zunehmend ins Wanken. Annabel, welche das Leben nochmals in vollen Zügen geniesst, liebt die Natur und strahlt mehrheitlich mit der Sonne um die Wette. Aber auch sie wird vom Tod bedrängt: Sie ist krebskrank und hat nur noch wenige Monate zu leben. So bauen ihre grössten Lebensherausforderungen einen Zugang zueinander, einen Zugang, der sonst nie zwischen zwei so unterschiedlichen Welten gebaut würde. Nach dem ersten Beschnuppern des Gegenüber ist schnell klar, dass ihre Seelen miteinander verbunden sind…

 

Liebe einmal anders

Oftmals lässt sich der Mensch zum Irrtum verleiten, dass die Quantität und nicht die Qualität für die Lebenszeit ausschlaggebend ist. Genau diesem Menschtum möchte Gus Van Sant entgegen wirken. Er zeigt uns mit schwebender Leichtigkeit, dass die Qualität alles ist, was zählt. Er lässt seine Protagonisten behutsam eine kurze, jedoch wertvolle gemeinsame Zeit verbringen, welche jede Tragik des Lebens zum Nebendarsteller degradiert und somit auch überwindet. Ob dies in der realen Welt ebenfalls mit so viel Zauber über die Bühne des Lebens geht, ist eher fraglich. Da jedoch niemand fragt, spielt dies auch keine Rolle und das ist gut so. Zu gern geben wir uns einer romantischen Geschichte hin, welche wie in diesem Falle von einzelnen Augenblicken lebt, wie zum Beispiel das gemeinsame Einzeichnen des Körperumrisses auf dem Boden und nicht von pompöser Sonnenuntergangs-Romantik. Dies ist eine weitere Stärke des Films: Er malt ganz andere Strukturen für Liebe und Romantik als die üblichen Mainstream-Produkte. An und für sich keine ungewöhnliche Sache, in diesem Falle jedoch schon, da der Film in Hollywood produziert wurde. Dieser Ortsteil von Los Angeles ist ja nicht gerade für feinfühlige Kleinproduktionen bekannt.

 

Gesuchte Szene

Grösste Schwäche des Films ist ganz klar die Geschichte. Auch wenn die Formel: “Zwei charismatische Hauptdarsteller + Romantik + aus dem Leben gegriffene Dramatik = guter Film” eigentlich immer funktioniert, meist sehr dankbar für einen Regisseur ist und auch in diesem Fall wieder nicht enttäuscht, darf von Gus Van Sant mehr Kreativität verlangt werden. Zum Beispiel dürfte die übliche und auch notwendige “Konflikt”-Szene durchdachter gestaltet werden, da sie aktuell absolut aus der Luft gegriffen ist. Oder warum gibt er sich mit der gelungenen Figur des imaginären Piloten so viel Mühe, lässt jedoch den Rest des Charakterkreises der beiden völlig blass und oberflächlich? Klar kann man das Argument gelten lassen, dass die Details und das Einfache im Vordergrund stehen. Nur in den wenigsten Fällen klingt jedoch dies nicht wie eine Ausrede.

 

Es sind solche Feinheiten, die dieses Werk abrunden und somit keinen Platz für Kritik lassen würden. Trotz dem Genörgel auf hoher Stufe ist ihm ein feinfühliger, liebevoller und kantiger Film gelungen, der direkt in die Seele des Zuschauers eindringt und jede Rationätlität durch Romantik und Träumerei eintauscht.

 


Der Film “Restless” feierte seine Schweizer Premiere am Zürcher Filmfestival. In der Zwischenzeit ist der Film auch in der übrigen Schweiz angekommen und in verschiedenen Kinos im ganzen Land zu sehen.