Politik | 05.09.2011

Redner bitte anmelden

Text von Matthias Strasser | Bilder von Marc Deriaz
An der diesjährigen Jugendsession wurden die Petitionen nicht mehr direkt nach deren Vorstellung verhandelt, sondern erst am Sonntagvormittag. Der Systemwechsel brachte Aufwand und Kritik mit sich, war aber aufgrund der Live-Übertragung des Fernsehens nötig geworden.
Wer zu den Petitionen Stellung nehmen wollte, musste in diesem Jahr eine Wortmeldekarte bei der Jugendherberge abgeben.
Bild: Marc Deriaz

“L’ancien programme était mieux” – Das alte Programm war besser. Die Aussage von Myriam Scherli aus Neuchâtel ist klar. Stein des Anstosses: Wurden die eingebrachten Petitionen im letzten Jahr noch direkt nach der Präsentation diskutiert, müssen die Teilnehmenden der diesjährigen Session am Samstag ein Antragsformular, eine sogenannte Wortmeldekarte ausfüllen und in eine Box bei der Jugendherberge werfen. Diese Anträge werden von den Organisatoren in der Nacht übersetzt und für die Diskussion aufbereitet. Am Sonntag wird im Plenum über die vorgeschlagenen Änderungen verhandelt.

 

Kaum Rückgang der Voten

Das schriftliche Abfassen der Wortmeldekarten bringt einen Mehraufwand für die Sessionsteilnehmer mit sich. Nehmen sie die zusätzliche Arbeit für den Antrag nicht auf sich, wird die Diskussion um die Petitionen weniger breit und umfangreich geführt. Ein Hintergedanke der Organisatoren? “Keineswegs”, versichert Leonie Manger, die Co-Präsidentin des Organisationskomitees. Wie viele der Karten effektiv ausgefüllt wurden, sei nicht erfasst. Allerdings war bei der Anzahl der Voten kein starker Rückgang zu bemerken. Die Teilnehmenden sind sich dennoch einig: Die Organisation im letzten Jahr war besser. Durch das Anzeigen einer Wortmeldung und das Abhalten des Votums am Sitzplatz war eine lebendige und spontane Diskussion ebenso garantiert, wie eine rascher Ablauf.

 

Eine Folge der Direktübertragung

Das neue Vorgehen wurde nötig, weil in diesem Jahr erstmals ein Teil der Jugendsession live übertragen wurde. Das Schweizer Fernsehen sendete die sonntägliche Nachmittagssession über einen Live-Stream direkt in die Schweizer Haushalte. “Also hätten wir es mindestens für diesen Zeitraum so regeln müssen, dass alle Sprechenden ans Rednerpult gehen”, erklärt Manger. “Wir haben uns dann für eine einheitliche Lösung entschieden, um Verwirrung zu vermeiden”. Im nächsten Jahr werde der Ablauf wieder geändert, wie ein Mitglied des OK’s telefonisch verlauten liess.

 

Eine mögliche Alternative zum diesjährigen System wäre etwa das Signalisieren einer gewünschten Wortmeldung durch Handheben. Anschliessend würden die Redner dann ans Rednerpult treten und ihre Anliegen vorbringen. “Das würde jedoch den ganzen Ablauf hinauszögern”, wie Manger weiter sagt.

 

Es gibt auch Vorteile

Trotz allem war früher nicht alles besser, findet Sabine Python aus Fribourg: “Die Diskussionen dauerten teilweise viel zu lange”. Die Tatsache, dass die Voten vorbereitet waren, führte unter anderem dazu, dass sich die Sprechenden weniger in ihren Ausführungen verloren. “Das könnte man auch verbessern, indem man mehr Pausen zwischen den einzelnen Petitionen einlegt”, so Python weiter. Möglicherweise könnte man die Petitionen auch in zwei Sitzungen am Samstag und am Sonntag besprechen. Allerdings sollte die Diskussion direkt auf die Vorstellung folgen.

 

Im Oktober wird über das Konzept der Jugendsession 2012 befunden. Bis dahin haben die Organisatoren Zeit, über mögliche Alternativen zum diesjährigen aufwändigen System nachzudenken.