Gesellschaft | 13.09.2011

Mädchen trafen besser

Text von Lea Keller
Die Gewinnerin des diesjährigen Knabenschiessen war eine junge Frau. Längst ist das Knabenschiessen keine reine Männer- respektive Knabendomäne mehr.
Eine ruhige Hand ist nötig beim Knabenschiessen. Den ansonsten trifft man kaum ins Schwarze. An der Chilbi können sich alle trösten, die nicht gewonnen haben. Fotos: Lea Keller

Langes Warten hat ein Ende

“Endlich ist es wieder soweit!”, dachte ich, als ich am Morgen aufwachte. Es ist der 10. September 2011, das Knabenschiessen beginnt. Im Radio habe ich schon gehört, dass Leonie Schärer aus Uster 35 Punkte geschossen hatte. Recht so, dachte ich. Vielleicht wird dieses Jahr wieder einmal ein Mädchen Schützenkönigin. Schnell packte ich meine sieben Sachen und stieg in den Zug nach Zürich.

 

Dort angekommen musste ich mit dem Tram zum Albisgüetli. Nicht ganz entschlossen, welches Tram ich jetzt nehmen soll stieg ich einfach in Eines ein, in der Hoffnung es würde das Richtige sein. Bei der dritten Station war ich mir dann aber doch nicht mehr so ganz sicher, ob es das Richtige war. Also fragte ich eine ältere Frau gegenüber von mir. Die schüttelte den Kopf und meinte:« Oh, du känsch dich in Züri aber nöd guet us, oder?!« Naja, ich habe es nicht so mit Tramverbindungen… Schnell aus dem Tram springen und das nächste zurück zum HB nehmen.

 

Die Scheibe ist das Ziel

Bei der Saalsporthalle angekommen stieg ich voller Freude aus und lief den langen Weg bis zum Schiessstand. Schnell kam ich aber nicht voran, da sich Stände aneinander reihten. Eigentlich war es immer das Gleiche (Schoggifrüchte, Öpfelchüechli, Hamburger oder einfach nur Schnick Schnack) aber ich musste trotz dem überall stehenbleiben und alles begutachten. Komischerweise hörte ich noch gar keine Chilbimusik und Schreie.

Wahrscheinlich war es noch zu früh, um auf Bahnen zu gehen. Es war gerade mal knapp 13 Uhr. Als ich beim Schiessstand ankam und hinein wollte, waren die Türen geschlossen. “Toll”, dachte ich. Ich fragte eine Mitarbeiterin des Knabenschiessens. Diese meinte, die Türen würden sich erst wieder um 13:45 Uhr öffnen.

 

Nervosität schwingt mit

Als dann dreiviertel Stunden später die Türen geöffnet wurden war ich als erste beim Schalter. Ich holte meine Schiesskarte und den Essensgutschein. Mit grünen Ohrschützern ausgestattet steuerte ich auf eine Liege zu. 30 war meine Scheibe. Puh, jetzt war ich schon ein bisschen aufgeregt. Blöderweise habe ich das Probeschiessen am Samstag eine Woche zuvor verpasst. Zum Glück hatte ich einen guten Instruktor, der mir alles erklärte. Eigentlich ist das alles ja ganz simpel meinte er. Kimme und Korn müssen übereinander stimmen, dann klappt das schon. Dies demonstrierte er mir auf einer Folie. Ok, alles klar.

 

Alle Jahre wieder

Los geht’s. Erster Schuss. Einen 2-er. Zweiter Schuss. Einen 3-er und so weiter. Das Endergebnis war zwar nicht gerade der Renner (19 Punkte), aber es hat mir trotz dem Spass gemacht. Nach dem Schiessen löste ich meinen Essensgutschein ein und holte mir einen Hamburger. Gemütlich schlenderte ich die Strasse hinunter und beobachtete die Feststimmung. “Es ist jedes Jahr wieder toll, dabei zu sein.”, dachte ich mir.