Gesellschaft | 19.09.2011

Haben Banken ausgedient?

Banken stehen momentan im Kreuzfeuer der Kritik. Wir erhalten praktisch keinen Zins auf unser Geld, aber die Banken machen mit unseren Geldern Gewinne über Gewinne. Darüber hinaus gibt es bei Banken sogar einen Bonus, wenn die Zahlen in den roten Bereich sinken. Eine Erklärung, weshalb wir ohne trotzdem nicht sein können.
Das liebe Geld und die Banken: Ohne sie geht es bei uns nicht, ob man will oder nicht.
Bild: Wilhelmine Wulff/pixelio.de

Unsere frühen Vorfahren mussten sich entscheiden, ob sie nun ihr Fleisch gegen Fisch oder gegen Beeren tauschen. Dazu kam das Problem, dass sie jemanden finden mussten, der Fisch oder Beeren anbot. Solche Tauschgeschäfte waren sicherlich eine langwierige und schlussendlich eintönige Angelegenheit. Auch der Handel mit Gold, Silber oder anderen Wertgegenstände war sehr umständlich, weil man die schweren Edelmetalle bei jedem Geschäft physisch auf sich tragen muss.  Wie könnte ich zum Beispiel mein Buch bei Amazon oder meine Ferien bezahlen? Bargeld und Buchgeld – das Guthaben auf dem Konto – waren das Tor zur Globalisierung und sind immer noch Teil des Bankwesens. Die Banken sind Dienstleistungsunternehmen, ohne die unsere Wirtschaft nicht mehr funktionieren würde. Das klassische Bankgeschäft besteht dabei immer aus zwei Elementen: Dem Aktiv- und dem Passivgeschäft

 

Kredite für Unternehmen und Hausbesitzer

Auf der einen Seite steht das Aktivgeschäft: Die Bank verleiht Geld.   Sei dies zur Gründung eines Geschäftes, zur Finanzierung einer Immobilie oder um grössere Konsumgüter zu kaufen. Die Wirtschaft würde um einiges schleppender funktionieren, wenn zuerst der ganze Betrag für ein Gut gespart und erst dann konsumiert oder produziert werden könnte. Wer kann sich schon ein Haus leisten, ohne eine Hypothek aufzunehmen? Tausende, nein Millionen von Arbeitsplätzen würden verschwinden. Viele Firmen müssten schliessen. Denn wenn nichts mehr gekauft wird, kann auch nicht mehr produziert werden. Wenn nichts mehr produziert wird, können die Unternehmen keine Löhne bezahlen, usw.

 

Sicher wie eine Bank

Gleichzeitig betreibt jede Bank das Passivgeschäft: Kunden können ihr Geld auf der Bank sicher hinterlegen und erhalten einen Zins dafür. Seien wir ehrlich, es gibt immer noch Menschen, die ihr Geld in Keksdosen und Unterwäsche verstecken. Oder unter das Bett stopfen und dabei hoffen, sie vergessen niemals, wo sie es versteckt haben. Dabei ist das Nachzählen anstrengend und die Angst um die Sicherheit des Ersparten gross. Zum Glück gibt es Banken, die das Geld für einen aufbewahren.

 

Zusammenspiel von Aktiv- und Passivgeschäft

Im Passivgeschäft erhalten die Banken eine Basis an Geldern, die sie in einem gewissen Ausmass auch wieder im Aktivgeschäft weiter verleihen. Die Zinsen, welche Kreditkunden im Aktivgeschäft bezahlen, decken die Zinsen aus dem Passivgeschäft und finanzieren die weiteren Aufwände der Bank, so unter anderem die Risikodeckung bei Ausfällen.  Müssten Personen, die Geld benötigen, selbst die Personen suchen, die Geld ausleihen, käme dies einiges teurer: «Kann mir der andere mein Geld, das ich ihm leihe, später zurückzahlen? Kann sein Geschäftsmodell überhaupt funktionieren?«, müsste sich der Sparer jedes Mal überlegen. Zudem wäre der Prozess viel zu langsam und ungenau. Wer ein Haus bauen möchte, müsste an unzählige Sparer gelangen, um genügend Kapital für das Eigenheim zu erhalten. Er müsste jeden Sparer einzeln davon überzeugen, dass er das Geld zurückzahlen wird – eine extrem zeitraubende Aufgabe.

 

Das Dienstleistungsunternehmen Bank hat also tatsächlich noch nicht ausgedient. Vor allem nicht, wenn wir an die globalisierten Märkte denken, die allesamt andere Währungen besitzen. Ein Umrechnen und Bezahlen wäre ohne Banken nicht denkbar und würde die Preise künstlich erhöhen. Auch in der Diskussion um Lohnxzesse und Milliardenausfällen gilt es nicht zu vergessen, dass das Bankengeschäft an sich nicht aus unserem Leben wegzudenken ist.