Kultur | 13.09.2011

Die Stunde Null

Nachhaltigkeit ist in aller Munde: Atomausstieg und alternative Energien, Recycling und Stromsparmassnahmen, Hybridautos und Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel. Werke zu diesen Themen stellten junge Künstlerinnen und Künstler vom 1. bis am 10. September an der Kunstausstellung Nullpunkt im ewz Selnau aus.
Thorsten Strohmeiers „Per Sonare-œ: Ein Konzert der Herzschläge im Kontrollraum Rote Stoffbahnen ziehen sich quer durch den Raum. Was bedeutet die Farbe Rot für dich? Das Erdgeschoss der Kunstausstellung Nullpunkt im ewz Selnau Fotos: Sara Lisa Schäubli

Ewiger Kreislauf

Die Ausstellung Nullpunkt wollte zum kritischen Mitdenken anregen und aus der künstlerischen Perspektive auf die Frage “Was ist ein gutes und nachhaltiges Leben?” blicken. Das alles natürlich für null Franken.

Die ausgestellte Kunst verstand sich, wie so oft, nicht von alleine. Nichts war einfach da, wurde belächelt und als ästhetisch abgetan. Genau dieser Fakt regte zum nachdenken, nachlesen und ein zweites Mal hinschauen an. Das Wissen um die Nachhaltigkeit war essenziell, um den Werken etwas abgewinnen zu können. Vieles wirkte auf den ersten Blick willkürlich, doch durch die Vertiefung in die Materie gewann der Betrachter schlussendlich allem etwas ab.

 

Perlen im Teich

Der Kontrollraum liegt im obersten Geschoss mit Blick durch eine Glasscheibe auf den Rest der Ausstellung. Dort flimmerte über sechs alte Sony Fernseher das Werk “Per Sonare” von Thorsten Strohmeier. Es zeigte sechs Frauen und Männer, die dort schwarz-weiss sassen. Doch nicht das Bild stand im Mittelpunkt, sondern der Ton.

Zuerst wirkte es wie ein unregelmässiges Getrommel, welches hart von den Oliven Wänden widerhallte, doch bei längerem Hinhören ergab sich ein ganz natürlicher Rhythmus. Was man da hörte waren die Herzschläge des Kollektivs, welche einen kraftvollen Beat des Lebens formten.

Etwas schwerer zu verdauen war “Andrew Kehle wasn’t wearing a Trench Coat” von Laura Ferrara. Die junge Frau hatte mit Illustrationen und Text kriminalistische Fälle der letzten Jahrzehnte auf ihre eigene Art aufgerollt. Das Material war meist höchst verstörend und liess dunkle Gedanken zurück.

So schliesst sich der Kreislauf; dazwischen Herzschlag und Todesfall und wir stehen wieder am Nullpunkt.